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Klimawandel erhöht das Risiko gleichzeitiger Waldbrände

28.04.202515:04 UhrEnergie & Umwelt

(openPR) Die Westküste Nordamerikas und die Ostküste Australiens sind Regionen, die in der Vergangenheit immer wieder schwer getroffen wurden von Flächenbränden. Die letzte Brandkatastrophe, die beispielsweise Los Angeles Anfang 2025 heimsuchte, zerstörte mehr als 10.000 Gebäude und kostete laut Medienberichten 29 Menschen das Leben. Die Ostküste Australiens wurde zwischen September 2019 bis März 2020 von einem der verheerendsten Buschfeuer des Landes getroffen: Mehr als 12 Millionen Hektar Wald und Buschland verbrannten. Bei diesen beiden Katastrophen, aber auch bei ähnlichen Flächenbränden in früheren Jahren, unterstützen sich die Feuerwehrleute aus Kanada, den USA und Australien gegenseitig bei der Brandbekämpfung. Käme es künftig vermehrt zu einer zeitlichen Überschneidung von Flächenbränden, so hätte das erhebliche Auswirkungen auf diese länderübergreifende Kooperation.

Die Intention des internationalen Wissenschaftler:innen-Teams war es deshalb zu untersuchen, wie sich das zeitliche Auftreten der Feuerwetter-Saisons in den beiden Regionen infolge des Klimawandels verschiebt. Die Forschenden setzten dabei auf den kanadischen Feuerwetterindex (FWI) – ein meteorologisch basierter Index, der weltweit zur Schätzung der Brandgefahr verwendet wird und die Parameter Niederschlag, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit berücksichtigt. Sie definierten über den FWI sogenannte Feuerwetter-Tage, also Tage mit einem hohen Wald- und Buschbrandrisiko. Dabei stellten die Forschenden basierend auf Beobachtungsdaten fest, dass sich die Feuerwetter-Tage, und damit das Risiko, dass es zu Flächenbränden kommt, seit 1979 immer stärker zeitlich überlappen. Die höchste Wahrscheinlichkeit für diese Überschneidung liegt mit etwa 75 Prozent zwischen Juli und Dezember. Insgesamt nimmt die Zahl der gleichzeitigen Feuerwetter-Tage in Ost-Australien und West-Nordamerika seit den vergangenen 40 Jahren zu, nämlich um einen Tag pro Jahr. „Dies hängt damit zusammen, dass die Brandsaison in Ost-Australien immer früher im Frühling beginnt und sich so zeitlich in die auslaufende Brandsaison an der Westküste Nordamerikas schiebt“, erklärt UFZ-Klimawissenschaftlerin und Erstautorin Dr. Andreia Ribeiro, die für das UFZ in dem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten deutsch-australischen Forschungsprojekt mitarbeitete.

Das Forschungsteam hat zudem analysiert, wie sich die saisonale Überlappung in Zukunft entwickelt. Es nutzte dafür vier Klimamodelle, die jeweils ein breites Ensemble von Simulationen nutzen und so etwaige Unsicherheiten gut berücksichtigen. Der Trend ist eindeutig: „Die Zahl der überlappenden Tage der Feuerwetter-Saison im Westen Nordamerikas und im Osten von Australien wird sich weiter erhöhen“, sagt Andreia Ribeiro. Je nachdem, welches Klimamodell eingesetzt werde und wie stark damit die potenzielle Erderwärmung ausfalle, reiche die Spannbreite von 4 bis 29 Tagen mehr pro Jahr bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts.

Gegenwärtig hängt die Überschneidung weitgehend ab von der Variabilität der El-Nino Southern Oscillation – ein System, das die Zirkulation des Ozeans und der Atmosphäre im äquatorialen Pazifik steuert. Das Feuerwetter im Osten Australiens geht in der Regel mit El Niño-Bedingungen einher, also mit ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen. Dürren und Hitzewellen sind beispielsweise die Folgen. Im Westen Nordamerikas wird dagegen Feuerwetter eher mit der entgegengesetzten Situation La Niña verbunden. „Trotz dieser im Allgemeinen gegensätzlichen Muster haben wir herausgefunden, dass während einer starken Überlappung der Feuerwetter-Tage die El Niño-Bedingungen im Zentralpazifik besonders ausgeprägt sind“, sagt Andreia Ribeiro. Allerdings wird der El Niño-Effekt mittelfristig durch den Klimawandel überlagert werden. „Der Klimawandel führt überall zu höheren Temperaturen und in einigen Regionen zu einer Zunahme der Trockenheit, während sich der El Niño-Effekt kaum ändern wird“, sagt Prof. Dr. Jakob Zscheischler, UFZ-Klimawissenschaftler und Co-Autor.

Keine guten Aussichten sind das für die Zusammenarbeit zwischen US-amerikanischen, kanadischen und australischen Feuerwehren, die sich traditionell seit vielen Jahren gegenseitig in der Flächenbrandbekämpfung mit Feuerwehrpersonal und Löschflugzeugen unterstützen. Bislang waren die Feuerwetter-Saisons zu verschiedenen Zeiten im Jahr verteilt. An der West-Küste Nordamerikas zwischen Juni und September, in Ost-Australien zwischen Dezember und Februar. Die Lücken ließen genug Zeit, um sich gegenseitig zu Hilfe zu kommen, wenn diese gefragt war. „Doch diese sich zunehmend überschneidenden Feuerwetter-Saisons in den USA und Australien verringern das Zeitfenster für die internationale Zusammenarbeit bei der Brandbekämpfung und erschweren es, auf großflächige Waldbrände schnell zu reagieren“, sagt Erst-Autor Dr. Doug Richardson vom ARC Centre of Excellence for Climate Extremes an der University of New South Wales (Australien). Deshalb müssten internationale Vereinbarungen zur Zusammenarbeit bei der Brandbekämpfung und die nationalen Brandbekämpfungskapazitäten überprüft werden müssen. Sowohl Australien als auch die USA müssten in Zukunft mehr in ihre eigene Ausrüstung zur Bekämpfung von Waldbränden und Buschfeuern investieren, um unabhängiger von dieser Kooperation zu werden.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Andreia Ribeiro
UFZ-Department of Compound Environmental Risks
E-Mail

Prof. Dr. Jakob Zscheischler
UFZ-Department of Compound Environmental Risks
E-Mail

Originalpublikation:
Doug Richardson, Andreia F. S. Ribeiro, Fulden Batibeniz, Yann Quilcaille, Andrea S. Taschetto, Andrew J. Pitman, Jakob Zscheischler, „Increasing fire weather season overlap between North America and Australia challenges firefighting cooperation“, Earth’s future, doi: http://dx.doi.org/10.1029/2024EF005030

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