(openPR) Verden, 5. März 2025 | Die Märkte sind verunsichert – die Neuzulassungen bei Pkw sind teilweise rückläufig und Lkw-Hersteller sprechen hinter vorgehaltener Hand von leeren Auftragsbüchern. Doch ausgerechnet von einem Antrieb, den viele schon für tot hielten, kommen positive Meldungen. Achim Wiedey, Vertriebsleiter Deutschland bei Marktführer OG Clean Fuels, stellt sich aktuellen Fragen.
Herr Wiedey, im letzten Monat überraschte OG gleich mit zwei neuen Großkunden den Markt. War das Zufall?
Das war keineswegs Zufall. Wir stehen mit vielen großen Logistik-Unternehmen im engen Kontakt. Für viele ist Bio-CNG der Antrieb, der die Aufgaben in den nächsten Jahren am besten erfüllen kann. Daher wird es auch in den nächsten Monaten noch einige große Kunden geben, die ihre Entscheidung für Bio-CNG und auch ihre Zusammenarbeit mit OG Clean Fuels verkünden werden.
Was sind die Gründe der großen Logistik-Unternehmen für diese Entscheidung?
Die Konzerne haben Druck. Von zwei Seiten: Einerseits natürlich wirtschaftlich – die Kosten sind ein wichtiger Faktor für den unternehmerischen Erfolg der Logistik-Unternehmen. Hier kann Bio-CNG punkten, da wir bei den meisten Transportaufgaben bei den TCO – Total Costs of Ownership – günstiger als mit fossilem Diesel liegen. Und damit auch deutlich günstiger als alle anderen alternativen Antriebe. Andererseits müssen die Unternehmen bei der Transformation von fossiler zu regenerativer Energie auch bei der Logistik vorankommen. Das wird von Kunden gefordert; doch auch bei den Ratings der Banken und Finanzierer spielen die CO2-Emissionen und der Einsatz erneuerbarer Energie mittlerweile eine Rolle. Wer langfristig mit Diesel fahren will, wird die Folgen bei seinen Finanzierungskosten teuer spüren.
Also ein Thema für die internationalen Konzerne …
Auf keinen Fall. Denn zum Beispiel die Frachtführer und Transport-Partner der Konzerne bekommen klare Ansagen, dass sie Lkw mit klimaschonenden Antrieben einzusetzen haben. Wer mit einem alten Diesel am Markt bestehen will, wird es schwer haben.
Also kommt jetzt die große Welle an E-Lkw auf deutsche Straßen?
Wie sagte letztens ein Vorstand unseres größten Kunden aus der KEP-Branche: Die E-Lkw fahren fürs Marketing – die Pakete transportieren wir mit Bio-CNG. Die Unternehmen haben die letzten Jahre geprüft, welche Vor- und Nachteile die unterschiedlichen alternativen Antriebe mitbringen. Auch im Rahmen von Praxis-Tests. Und sie haben sehr genau hingeschaut, wie es anderen Unternehmen mit den teilweise auf alternative Antriebe umgestellten Flotten der schweren Lkw ergangen ist. Und da zeigt sich schnell, dass Bio-CNG für dieses Jahrzehnt für die meisten Transportaufgaben die beste Lösung ist. Es ist der einzige Antrieb, der einen klimaneutralen Einsatz eines schweren Lkw in der Fläche heute schon ermöglicht. Die notwendige Infrastruktur ist grundsätzlich vorhanden und seit vielen Jahren in der Praxis erprobte Serien-Fahrzeuge sind am Markt in ausreichenden Stückzahlen schnell verfügbar. Die Kosten für die Fahrzeuge sind nur unwesentlich höher als bei Diesel-Lkw. Und der sehr günstige Kraftstoff sorgt für niedrige Betriebskosten. Bio-CNG ist klimaschonend, praxiserprobt und kostengünstig – damit punktet der CNG-Antrieb in allen drei wesentlichen Anforderungsbereichen. Und wir haben uns bei OG gezielt so aufgestellt, dass wir die Bedürfnisse der Branche erfüllen können. So wurden wir zum ersten Ansprechpartner für viele Transport- und Logistik-Unternehmen.
Und was ist mit den kleineren Unternehmen?
Das ist das Tolle bei Bio-CNG: Es ist ein Zukunfts-Antrieb für Unternehmen jeder Größe. Natürlich berichten wir besonders über Kunden wie DHL, Edeka oder Transgourmet, die jeweils mehrere hundert CNG-Lkw für ihre Flotten einplanen. Doch wir haben auch Transportunternehmer mit sechs Lkw von denen drei einen CNG-Motor haben. Für diese Unternehmen ist ein großer Vorteil, dass sie nicht in Ladeinfrastruktur investieren müssen und dass sie weiterhin hinsichtlich der Reichweiten und Touren flexibel bleiben. Und ebenfalls von den niedrigen Kosten des Kraftstoffs profitieren.
Apropos Kosten: An den Preismasten waren niedrige Kosten in den letzten Monaten nicht abzulesen ...
Wir bedienen mehrere Märkte mit Bio-CNG. Beim Pkw haben wir ganz andere Rahmenbedingungen als beim Straßengüterverkehr. Das spielt auch bei unserer Preisstrategie eine Rolle. Grundsätzlich bleibt jedoch festzuhalten, dass jeder, der mit Bio-CNG unterwegs war, auch 2024 günstiger als mit Benzin und Diesel fahren konnte. Beim Pkw kommt das schon alleine durch die CNG-Motoren, die deutlich effizienter mit dem Kraftstoff arbeiten als bei Benzin und Diesel. Um die Kraftstoffpreise zu vergleichen, muss man daher den Kilogramm-Preis von Bio-CNG für Benzin durch 1,5 und für Diesel durch 1,3 teilen: Von Nettopreisen von 80 bis 120 Cent pro Liter können Fahrer mit Benzin-Pkw nur träumen.
Beim Lkw arbeiten wir sehr viel mit Preisvereinbarungen. Durch die Verträge können wir unsere Beschaffung optimieren und auch unsere Tankstellen-Strategie sowie die Investitionen besser planen. Grundsätzlich sind die Transportkunden das auch von Diesel gewohnt. Bei Bio-CNG sind sie jedoch häufig überrascht, dass wir langfristige Preisvereinbarungen anbieten. Das gibt für unsere Kunden bei Investitionen in neue Lkw Sicherheit und erleichtert die Kalkulation von Angeboten oder die Teilnahme an Ausschreibungen.
Wie geht es mit den Preisen bei Bio-CNG weiter?
Wir haben Anfang des Monats unsere Preise an den Tankstellen deutlich senken können. Die für uns sehr wichtigen Erlöse aus dem Handel mit THG-Quoten sind zwar weiterhin unterdurchschnittlich, doch wir haben bei neuen Bezugsverträgen für Bio-CNG und auch bei unseren Investitionen etwas Entlastung. Und sehr froh bin ich, dass wir mit einigen Partnern, die uns ihre Standorte für unsere CNG-Tankstellen zu Verfügung stellen, bessere Lösungen als in der Vergangenheit haben.
Weshalb hat sich OG vom Einheitspreis verabschiedet, mit dem das Unternehmen vor einigen Jahren für Aufmerksamkeit sorgte?
In der damaligen Situation war der Einheitspreis gut und richtig. Heute passt er jedoch nicht mehr. Wir haben teilweise sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen an den Tankstellen, was die Kosten betrifft. Wir benötigen aber auch eine Preisdifferenzierung, damit wir die Absatzmengen passend zur jeweiligen Anlagentechnik steuern können. Wir hatten im letzten Jahr teilweise das Problem, dass Tankstellen des OG Lkw-Basisnetzes aufgrund des sehr günstigen Preises verstärkt von Pkw-Fahrern belegt waren und die Lkw nicht mehr voll wurden.
Mit der neuen Preisstaffelung von 1,199 bis 1,599 sowie an einigen Standorten von Premium-Marken von 1,679 Euro pro Kilogramm hoffen wir einerseits die Rahmenbedingungen gut abgebildet zu haben und andererseits wieder langfristig stabile Preise bieten zu können. Denn das eint unsere Privatkunden und die Transportkunden: Preisstabilität und Verlässlichkeit werden als große Vorteile von Bio-CNG gesehen.
Wagen Sie einen Blick in die Glaskugel? Wie geht’s weiter?
Ich sehe eine gute Perspektive für Bio-CNG. Die Marktdaten sprechen dafür; die Kundenrückmeldungen sprechen für weiteren Absatzwachstum an den Tankstellen. Und bei den politischen Rahmenbedingungen sehen wir sowohl in der EU als auch bei den Parteien, die vermutlich demnächst in Berlin die Regierung stellen, Planungen, die klimaschonende Mobilität und Logistik mit Bio-CNG besser zu stellen als fossile Antriebe. Und selbst bei den Fahrzeugherstellern sehen wir ein Umschwenken: Sowohl der VW-Konzern als auch der Pkw-Hersteller Mercedes und Daimler Truck sprechen sich mittlerweile für die Berücksichtigung des regenerativen Kraftstoffs bei den CO2-Werten aus. Die von uns und einer Branchen-Initiative 2023 und 2024 geforderte Einführung eines Carbon-Correction-Factors – kurz CCF – scheint heute in greifbarer Nähe zu sein. Dies würde zu einem weiteren Push hin zu Bio-CNG führen und auch die Neuentwicklung von CNG-Pkw sinnvoll machen.











