(openPR) In der Welt der Geldanlage gibt es unzählige Strategien und Ansätze, wie man sein Kapital am besten vermehrt. Eine oft kontrovers diskutierte Frage ist die Rolle von Dividenden bei der Kapitalbildung.
In einem lesenswerten Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 27. Februar 2024 analysiert der Schweizer Vermögensverwalter Thierry Borgeat das Konzept der Dividende und argumentiert, warum ein perfektes Unternehmen keine Dividenden zahlen sollte. Kernaussage ist, dass Dividenden die Substanz für Reinvestitionen schmälern und damit die langfristige Wertentwicklung behindern. Der Finanzexperte Stefan Kühn, der über SK Coaching im Finanzsektor berät, baut auf diesem Gedanken auf und erläutert, warum das Ziel eines Anlegers nicht sein sollte, in Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen zu investieren, sondern in solche, die durch effiziente Kapitalallokation nachhaltiges Wachstum generieren können.
Dividenden: Trügerische Sicherheit
Dividenden erscheinen auf den ersten Blick attraktiv, insbesondere für Privatanleger, die in Zeiten niedriger Zinsen nach sicheren Ertragsquellen suchen. Stefan Kühn erklärt jedoch, dass Dividenden oft ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Viele Anleger sehen in Dividendenzahlungen die Garantie, dass sie auch bei fallenden Aktienkursen zumindest einen Teil ihrer Investition zurückerhalten. Kühn warnt jedoch davor, sich von solchen Überlegungen leiten zu lassen. Ein Unternehmen, das eine hohe Dividende zahlt, könnte dies auf Kosten zukünftiger Investitionen und Wachstum tun. Langfristig, so Kühn, sei es für die Aktionäre oft besser, wenn das Unternehmen die Gewinne einbehalte und in wachstumsfördernde Projekte investiere.
Ein anschauliches Beispiel für diese Problematik ist die weit verbreitete Marketingstrategie von Banken und Vermögensverwaltern, sogenannte High Dividend ETFs anzubieten. Diese ETFs konzentrieren sich auf Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen, aber aus Branchen, die oft mit geringen Wachstumsaussichten zu kämpfen haben, wie z.B. Banken, Versorger oder die Automobilindustrie. Diese Unternehmen haben oft keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten und schütten überschüssige Gewinne als Dividenden aus, anstatt in ihre Zukunft zu investieren. Kühn weist darauf hin, dass dies langfristig ein riskantes Spiel ist: Sinken die Unternehmensgewinne oder steigt die Verschuldung, ist die Dividende nicht mehr haltbar, was oft zu drastischen Kursverlusten führt.
Ineffiziente Reinvestition von Dividenden
Kühn macht deutlich, dass Dividenden nicht nur aus Unternehmenssicht problematisch sind, sondern auch für den Anleger ineffizient sein können. Wenn ein Unternehmen seine Gewinne in Form von Dividenden ausschüttet, muss der Anteilseigner diese Erträge in der Regel versteuern. Diese Steuern schmälern die effektive Rendite der Investition. Darüber hinaus entstehen bei der Wiederanlage der Dividenden durch den Anteilseigner häufig zusätzliche Kosten wie Transaktions- oder Opportunitätskosten, die die Rendite weiter schmälern.
Im Vergleich dazu stellt Kühn das Konzept der Reinvestition durch das Unternehmen selbst als wesentlich effizienter dar. Wenn ein Unternehmen seine Gewinne einbehält und direkt in das eigene Geschäft reinvestiert, geschieht dies zum Buchwert und ohne Steuerbelastung. Der Aktionär profitiert indirekt von der Wertsteigerung des Unternehmens und kann langfristig eine deutlich höhere Rendite erzielen. Dies entspricht dem so genannten Compounder-Effekt, wonach Unternehmen durch kontinuierliche Reinvestitionen langfristig exponentielles Wachstum erzielen.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht diesen Effekt: Angenommen, ein Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn von 100 USD und schüttet davon 40 USD als Dividende aus, während 60 USD im Unternehmen verbleiben. Der Aktionär, der die 40 USD Dividende erhält, muss diese versteuern und kann das verbleibende Kapital zu einem höheren Kurs-Buchwert-Verhältnis reinvestieren. Das Unternehmen hingegen kann die 60 USD zum Buchwert reinvestieren und erzielt damit langfristig einen deutlich höheren Wertzuwachs.
Wachstumsunternehmen und Dividendenverzicht
Ein Blick auf einige der erfolgreichsten Unternehmen der Welt zeigt, dass diese oft keine oder nur sehr geringe Dividenden zahlen. Stefan Kühn nennt Beispiele wie Alphabet, Berkshire Hathaway, ASML, Hermès, Microsoft, Visa und Novo Nordisk. Diese Unternehmen haben in der Regel eine hohe Kapitalrendite und nutzen den erwirtschafteten Cashflow, um ihn zu attraktiven Konditionen in das eigene Geschäft zu reinvestieren. Dadurch können sie ein überdurchschnittliches Wachstum generieren und ihren Wert langfristig steigern, ohne Dividenden ausschütten zu müssen.
Der Verzicht auf Dividenden ermöglicht es diesen Unternehmen, den Compounding-Effekt voll auszuschöpfen. Unternehmen, die in der Lage sind, ihre Gewinne über viele Jahre effizient zu reinvestieren, können ihren Marktwert deutlich steigern. Aktionäre profitieren so indirekt von der Wertsteigerung der Aktie, ohne auf die vermeintliche Sicherheit einer Dividende angewiesen zu sein.
Die Dividenden-Wachstumsstrategie als Alternative
Auch wenn Kühn betont, dass langfristig erfolgreiche Unternehmen in der Regel keine Dividenden zahlen, sieht er dennoch einen Platz für Dividenden in bestimmten Anlagestrategien. Die so genannte Dividendenrendite-Wachstums-Strategie konzentriert sich auf Unternehmen, die zwar Dividenden zahlen, diese aber kontinuierlich steigern können. Diese Unternehmen, die oft als Dividendenaristokraten oder Dividendenkönige bezeichnet werden, zeichnen sich durch solide Bilanzen und eine hohe Ertragskraft aus. Kombiniert mit einer starken Marktposition und soliden Wachstumsaussichten können solche Unternehmen auch langfristig gute Dividendenrenditen bieten.
Kühn warnt jedoch davor, sich blind auf hohe Dividendenrenditen zu konzentrieren. Eine Analyse der zugrundeliegenden Fundamentaldaten der Unternehmen bleibt entscheidend. Insbesondere die Kapitalrendite (ROIC) muss über den Kapitalkosten (WACC) liegen, damit eine Dividendenstrategie langfristig erfolgreich sein kann.
Langfristiger Anlagehorizont entscheidend
Ein weiteres zentrales Element, das Kühn in seiner Analyse hervorhebt, ist die Bedeutung eines langfristigen Anlagehorizonts. Kurzfristige Schwankungen an den Aktienmärkten können Anleger verunsichern und zu impulsiven Entscheidungen verleiten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in der Beharrlichkeit. Unternehmen wie Visa, das seit seinem Börsengang im Jahr 2008 ein jährliches Dividendenwachstum von 26 % verzeichnet, zeigen, dass langfristig orientierte Anleger über Jahre hinweg von soliden Unternehmen profitieren können.
Langfristige Investitionen ermöglichen es den Anlegern, den Zinseszinseffekt voll auszuschöpfen. Dies erfordert allerdings Geduld und Disziplin. Stefan Kühn betont, dass Anleger, die nicht bereit sind, über viele Jahre in Aktien zu investieren, möglicherweise mit anderen Anlageklassen besser bedient sind.
Die Kunst der Kapitalallokation
Ein zentraler Gedanke, der sich durch Kühns Analyse zieht, ist die effiziente Kapitalallokation. Die Fähigkeit eines Unternehmens, seine freien Mittel sinnvoll und gewinnbringend zu reinvestieren, entscheidet maßgeblich über den langfristigen Erfolg. Unternehmen, die ihr Kapital mit hohen Renditen reinvestieren können, erwirtschaften langfristig eine deutlich höhere Rendite für ihre Aktionäre als Unternehmen, die ihre Gewinne in Form von Dividenden ausschütten. Dies ist auch das Erfolgsgeheimnis von Berkshire Hathaway, dessen CEO Warren Buffet und sein Geschäftspartner Charlie Munger zu den bekanntesten Verfechtern dieser Strategie gehören.
Kühn kommt zu dem Schluss, dass Investoren, die auf der Suche nach überdurchschnittlichen Renditen sind, in der Lage sein müssen, Gewinner zu identifizieren, die auch langfristig Gewinner bleiben. Dabei spiele nicht nur die aktuelle Ertragssituation eines Unternehmens eine Rolle, sondern vor allem die Frage, ob das Unternehmen in der Lage ist, seine Gewinne effizient zu reinvestieren, um in Zukunft weiter zu wachsen.
Fazit: Dividendenfreiheit als Schlüssel zum Erfolg












