(openPR) QR-Codes können eine Verbindung zwischen physischen Objekten und der virtuellen Welt herstellen. Der Bielefelder Informatiker Lukas Twardon hat die Idee so weiterentwickelt, dass sie für Printmedien mit digitalaffinem Publikum noch attraktiver wird. Die Web-App talkingco.de macht aus stummen und gesichtslosen QR-Codes sprechende Augmented-Reality-Hologramme.
Neun von zehn Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland nutzen ein internetfähiges Smartphone. In diesen Zeiten stecken Printmedien wie Zeitungen oder Magazine in einem Dilemma: Auf der einen Seite können Webinhalte wie Videos eine sinnvolle Ergänzung zum gedruckten Wort sein. Schließlich machen Gestik, Mimik und die sprichwörtlichen Zwischentöne einen Meinungsbeitrag erst richtig anschaulich. Auf der anderen Seite soll eine Leserin, die sich ausdrücklich für die Haptik des echten Druckerzeugnisses entschieden hat, nicht etwa per QR-Code endgültig in die digitale Welt verabschiedet werden.
Lukas Twardon, promovierter Informatiker aus Bielefeld, hat einen Ausweg aus diesem Dilemma gesucht und gefunden. Er hat eine QR-Code-Erweiterung für die Augmented Reality (AR) entwickelt, sogenannte talking codes. Diese Codes können mit dem QR-Scanner des Smartphones eingelesen werden. Anschließend wird im Webbrowser des Nutzers eine Videonachricht – oder besser gesagt: ein AR-Hologramm – auf den Code projiziert. Das sieht nicht nur nach Science-Fiction aus, sondern könnte tatsächlich den Weg in die Print-Zukunft weisen.
Vorteilhafte Eigenschaften
Gegenüber »normalen« QR-Codes haben talking codes einige Eigenschaften, die sie für die Printmedienbranche besonders interessant machen. Technisch gesehen landet der Nutzer – wie nach dem Scan der meisten herkömmlichen QR-Codes auch – erstmal auf einer speziellen Webseite. Diese Webseite dient jedoch nur dazu, das scheinbar in die reale Umgebung integrierte AR-Hologramm anzuzeigen und abzuspielen. Für viele junge Menschen fast schon normal: Der Nutzer blickt sozusagen durch die Smartphone-Kamera auf eine modifizierte Welt.
Da die Web-App keine weitere Ablenkung bietet, kehrt der Nutzer anschließend fast zwangsläufig in die physische Realität zurück. Die Weiterleitung auf eine Website mit Hintergrundinformationen ist zwar möglich, aber nicht zwingend. Insbesondere das Grundprinzip von talking codes, dass das AR-Hologramm immer nur genau dort erscheint, wo sich der gedruckte Code befindet, bindet den Konsumenten an das Printprodukt. Der Ausflug in die virtuelle Welt ist also zeitlich und räumlich begrenzt, wohingegen klassische QR-Codes sich häufig als Einbahnstraße ins Digitale herausstellen.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Die Verwendung von talking codes bietet sich immer dort an, wo eine prägnante, persönliche Botschaft auf einem Printerzeugnis platziert werden soll. Das kann ein gesellschaftspolitisches Statement, das Editorial oder eine Expertenmeinung im redaktionellen Teil einer Zeitschrift sein, aber auch ein in die Werbeanzeige integriertes Testimonial. Denkbar ist auch der Einsatz auf Grußkarten, Flyern oder Produktverpackungen.
»Print ist nicht tot und Papier bleibt ein extrem spannendes Material. Die Printmedien müssen nur lernen, ihre Stärken optimal zu nutzen«, findet Lukas Twardon. Die ganze Meinung als AR-Hologramm gibt es nach dem Scan des Codes.
So funktioniert’s
Weder zum Erstellen noch zum Anzeigen von talking codes muss eine App installiert werden. Die Erstellerin nimmt auf talkingco.de/create eine kurze Videonachricht auf und lädt sie hoch. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz werden daraus das spätere Augmented-Reality-Hologramm und ein druckbarer Code generiert. Dieser talking code besteht aus einem QR-Code und drei AR-Markern. Die AR-Marker ermöglichen der Web-App, die Lage des Codes in Echtzeit zu erfassen, selbst wenn Teile davon im Kamerabild verdeckt sind. Wer den Code scannt, erhält so beim Blick auf das Smartphone-Display den Eindruck eines live auf den Code projizierten Hologramms.











