(openPR) Autor: Dieter Munk
QUO VADIS – Risiko vs. Chance, wie entwickelt sich der Immobilienmarkt
Steigende Baukosten, steigende Zinsen, eine hohe Inflationsrate, lange Bearbeitungszeiten für Baugenehmigungen und Störungen der Lieferketten in unbekannten Umfang, beherrschen im Moment Berichterstattungen rund um die Immobilienbranche. In der öffentlichen Wahrnehmung hat man den Eindruck, dass dies alles überraschend kam und nicht vorhersehbar war. Ist dem so, oder hat man in den letzten Jahren einfach die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen?
Die langen Bearbeitungszeiten der Baubehörden haben doch ihre Gründe und diese liegen nicht in der Qualität der Mitarbeiter. Beamten-Bashing ist hier komplett falsch angebracht, vielmehr müsste dem politisch gesteuerten und ausufernden Regulierungswahn entgegengewirkt werden, welcher mithin die Grundlage für immer kompliziertere Bewilligungsprozesse bildet und somit ein hohes Maß an Schuld trägt. Fachkräftemangel ist ein globales Problem unserer Volkswirtschaft und der Kampf um den Nachwuchs wird von Heerscharen professioneller Recrutier täglich geführt. Die Rahmenbedingungen in den Baubehörden sind teilweise desaströs und entsprechen mitnichten den Anforderungen gut ausgebildeter Mitarbeiter.
Die Politik des billigen Geldes ist und war pures Gift und führte zu einem unverantwortlichen Anstieg der Geldmengen, welcher spätestens seit 2009 außer Kontrolle geraten ist. Insofern ist die aktuelle Zinsentwicklung mitnichten eine Überraschung, sondern eine längst fällige Reaktion der Märkte. Es ist höchste Zeit, sich den Realitäten zu stellen, auch wenn diese schmerzhaft sind. Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine werden schamlos dazu genützt, vom Versagen abzulenken und im Gegenteil die explosive Entwicklung der Geldmenge fortzusetzen. Die Rechnung bezahlt unsere Jugend und unser Mittelstand.
Beginnend mit den Auswirkungen der Pandemie und den vielfältigen Sanktionen rund um den Krieg in der Ukraine, sind eingespielte und bisher verlässliche Lieferketten in sich zusammengebrochen, teilweise geradezu kollabiert. Abhängigkeiten die bekannt waren, aber über Jahrzehnte hinweg zuverlässig, sind plötzlich ein Problem. War dieses Risiko berechenbar, oder hat hier nicht der betriebswirtschaftliche Impuls der Gewinnmaximierung das Handeln bestimmt. Es ist eine Chance auf eine Neuausrichtung, welche auch im Hinblick auf die im Moment viel diskutierten ESG-Kriterien, positive Wirkungen haben kann. Eine nachhaltige Würdigung der knappen Ressourcen würde allen Beteiligten guttun. Die Frage ist, ob wir alle dazu bereit sind, wieder mehr zu arbeiten und vernünftiger mit unseren Ressourcen umzugehen. Diese Verantwortung betrifft alle, ob jung oder alt, ob arm oder reich. Unser Planet macht an dieser Stelle keinen Unterschied.
Der Bedarf an Wohnraum insbesondere im urbanen Umfeld wird aufgrund der demografischen Entwicklungen, der schlechten Infrastruktur aus dem Umland und den steigenden Kosten für den Verkehrsweg zur Arbeit, unverändert zunehmen. Steigende Kosten, gleich ob für den Erwerb oder zur Miete, werden mit einer Veränderung der Nachfragesituation in Punkto Größe einer Immobilie, kompensiert werden. Neue Wohnformen wie Wohngemeinschaften für Erwachsene, werden den Druck auf Mietflächen weiter erhöhen. Es ist jetzt bereits absehbar, dass der prozentuale Anteil, welchen man für laufende Mietzahlungen aufwenden muss, stark steigen wird und viele nach dem Übergang in den Ruhestand, den gewohnten Wohnstandard nicht halten werden können werden.
Was ist zu tun? Es gibt keine einfachen Lösungen, aber es wäre vernünftig, mit dem praktischen Umdenken zu beginnen. Dies gilt in gleichem Maße für die Politik, die Projektentwickler/Bauträger, die Käufer und die Mieter. Die Zeiten des immer höher, weiter, größer, besser etc. sind vorbei und die, die sich darauf als erstes einstellen, werden in der Zukunft davon profitieren. Es wird dringend bezahlbarer Wohnraum benötigt, welcher sich an die Bedürfnisse in der Zukunft orientiert. Bezahlbarer Wohnraum heißt aber in diesem Kontext nicht nur, dass es seitens der Immobilienanbieter billiger bzw. wenigstens nicht teurer werden sollte. Aus Käufer-/Mietersicht ist eine Reaktion in der Weise notwendig, dass die Ansprüche an die Größe des Wohnraums reduziert und den Komfort, zurückgenommen werden müssen.
Solange man sich hinter Realitäten versteckt, vergibt man Chancen Fehlentwicklungen zu korrigieren bzw. wenigsten zu reduzieren und nimmt billigend die Risiken in Kauf. Es ist höchste Zeit, dass wir uns alle den Realitäten stellen und entsprechende unsere Handlungen anpassen. Machen wir so weiter, bahnt sich rund um das Thema Wohnen ein sozialer Sprengstoff auf, dessen Umfang dramatische Züge annehmen kann. Es wird eine Herkulesaufgabe dies zu verhindern.
Dieter Munk











