(openPR) Wohltorf/Hamburg – Wegen der Corona-Pandemie musste die Chopin-Gesellschaft in den letzten zwei Jahren fast alle Veranstaltungen mit Publikum absagen und hat statt dessen viele wunderbare Konzerte sowie auch das Chopin Festival Hamburg 2021 im Livestream übertragen. Alle diese Konzerte können Sie heute noch über den YouTube-Kanal https://www.youtube.com/channel/UCl03QJu-0jpW9HGETvluZUA kostenlos anschauen.
Mit dieser Presseerklärung machen wir Sie auf den Wiederbeginn unserer Konzerte mit Publikum aufmerksam und laden herzlich zu einem Klavierabend in das Schloss Reinbek ein.
Gemeinsam mit Ihnen möchten wir die virtuose Pianistin Annika Treutler begrüßen, die uns am Freitag, den 29. April 2022 um 19:30 Uhr im Schloss Reinbek Kompositionen von F. Schubert, J. Brahms und V. Ullmann spielen wird.
Kartenbestellung
Nach dem Hygienekonzept im Schloss Reinbek ist zurzeit im gesamten Innenbereich das Tragen mindestens einer medizinischen - bevorzugt einer FFP2-Maske - obligatorisch. Sollte sich für unsere Veranstaltung an dem Konzept etwas ändern, werden wir Sie umgehend informieren.
Karten für das Konzert erhalten Sie im Vorverkauf unter
Formular: www.chopin-hamburg.de
Online: Eventbrite
Eintritt: 30 € | SchülerInnen und Studierende 10 € an der Abendkasse
Programm
Franz Schubert (1797 – 1828) - 3 Klavierstücke, D 946
Nr. 1 es-Moll Allegro assai
Nr. 2 Es-Dur Allegretto
Nr. 3 C-Dur Allegro
Viktor Ullmann (1898 – 1944) - Klaviersonate Nr. 3 op. 26 (1940)
1. Allegro grazioso, ma agitato
2. Scherzo - Allegro violente
3. Variationen über ein Thema von Mozart (Allegro grazioso)
Johannes Brahms (1833 – 1897) – Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24
Thema. Aria – Variationen – Fuga
Über den Komponisten Viktor Ullmann
Am 27. Januar 2020 jährte sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Der Komponist Viktor Ullmann (1898-1944) steht stellvertretend für eine Vielzahl von Musikschaffenden, überwiegend jüdischer Herkunft, die in den Vernichtungslagern des nationalsozialistischen Regimes ihr Leben lassen mussten.
Die Pianistin Annika Treutler widmete sich anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der Verfemten Musik. Musiker und Komponisten wie Viktor Ullmann, Bohuslav Martinů, Pavel Haas und viele andere: Sie alle bekamen niemals die Möglichkeit, ihre Kreativität voll zu entfalten, weil ihnen ihr künstlerisches Schaffen in Freiheit verwehrt blieb. „Durch den Holocaust wurde eine Generation förmlich ausgelöscht und ein Teil der Musikgeschichte ausradiert. Dadurch ist nicht nur Ullmanns Musik, sondern die einer ganzen Komponistengeneration auch heute, 77 Jahre später, vollkommen unbekannt“, so Annika Treutler. Sie möchte auf einer CD die Erinnerung an den Komponisten wachhalten: „Mein Anliegen ist es, dass seine Musik gleichwertig geschätzt und bekannt wird, wie die seiner großen, nicht verfolgten Kollegen aus der Zeit. Sie hat es verdient! Ullmann hat in seiner Musik eine ganz besondere Sprache entwickelt, eine eigene Tonalität erschaffen. Obwohl er Schüler von Arnold Schönberg gewesen ist, ist seine Musik nicht atonal, sondern die Tonalität abgewandelt, indem er Intervalle vergrößert oder verkleinert. Dadurch entsteht die für ihn typische enorme Spannung, und trotzdem fühlt sich der Hörer nicht verloren. Wir meinen immer wieder Anklänge anderer Komponisten zu hören, und trotzdem spricht Ullmanns Musik eine ganz eigene, ungewohnte Sprache.“
Die Klaviersonate Nr. 3 (1940) ist der jungen ungarische Pianistin Juliette Arányi (*1906, verschollen 1944) gewidmet. Viktor Ullmann komponierte die dritte Klaviersonate 1940, überschattet von den erfolglosen Bemühungen des Komponisten, ins Exil zu gehen. Das Werk erlebte nicht die Uraufführung durch Juliette Arányi, die wie Ullmann 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und vermutlich 1944 in den Gaskammern von Auschwitz den Tod fand. „Das Wissen, dass sie ähnliche musikalische Bestrebungen, hoffnungsvolle Lebensziele gehabt haben muss wie ich, und nicht in der Lage war, diesen nachzugehen, ist erschütternd“, sagt Annika Treutler, „jederzeit weckt es in mir das große Bedürfnis, diese Geschichte zu erzählen, damit sie sich niemals wiederholt und wirklich jeder Mensch frei und in Würde leben darf.“
Viktor Ullmanns Klaviersonaten stellen einen wichtigen Eckpunkt seines kompositorischen Schaffens dar, nicht zuletzt, weil diese vollständig erhalten sind. Zahlreiche andere Werke des Komponisten gelten als verschollen. Aus dem Jahr 1944, in dem Ullmann bereits seit zwei Jahren in Theresienstadt interniert war, stammt die Klaviersonate op. 7, die Annika Treutler am meisten berührt: „Wer ein düsteres, aggressives Werk erwartet, wird überrascht. Viktor Ullmann wollte den positiven Geist wahren und war überzeugt, dass durch starke positive Denkweise alles, auch das schlimmste Regime, besiegt werden kann – das war sein Credo bis zum Schluss. Die seinen Kindern gewidmete 7. Sonate endet mit der Fuge über ein hebräisches Volkslied in (vermeintlich!) strahlendem D-Dur mit B-A-C-H Zitaten, ein Besinnen auf den Komponisten, der Gott am nächsten ist. Wir wissen heute, wie es ausgegangen ist... Das wird, wie mich jedes Mal aufs Neue, jeden erschaudern lassen, beim Hören oder auch beim Spielen. Seine Musik ist in Kombination mit seinem unbegreiflich grausamen, persönlichen Schicksal eine ungeahnte Welt aus musikalischer, und sogar psychologischer Sicht.“
Über die Künstlerin
Annika Treutler – Klavier
Der RBB betitelte Annika Treutler 2018 als „interessanteste deutsche Pianistin unter 30“.
Im Oktober 2020 erhielt sie den renommierten „Opus Klassik“ für ihre Einspielung von Viktor Ullmanns Klavierkonzert in der Kategorie „Konzerteinspielung des Jahres“ mit dem Rundfunksinfonieorchester Berlin unter Leitung von Stephan Frucht. Die CD ist zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Januar 2020 mit weiteren Klavierwerken Ullmanns bei Berlin Classics erschienen.
„Annika Treutler interpretiert diese Musik bis hin zum anklagenden Ton des abschließenden Fugenfinales mit technischer Brillanz und einer Ausdruckswucht, der man sich nicht entziehen kann“ beurteilte die Süddeutsche Zeitung, der SPIEGEL schrieb: „Treutler spielt Ullmanns hoch anspruchsvolle Werke mit einer bewundernswerten Kraft und Präzision. Sie scheut keineswegs die Emotion, aber Sentimentalität liegt ihr fern.“
10 Jahre nach ihrem Debüt mit Schumanns Klavierkonzert im Großen Saal der Berliner Philharmonie mit dem Deutschen Sinfonie-Orchester Berlin kann Annika Treutler auf die Zusammenarbeit mit zahlreichen Orchestern zurückblicken, darunter renommierte Klangkörper wie das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das Orchestre Symphonique de Montréal, das Radio Sinfonieorchester Prag, das Belgrade Philharmonic Orchestra, das Gürzenich Orchester Köln, das Konzerthausorchester Berlin, die Münchner Symphoniker, die Kammerakademie Potsdam, dem Göttinger Symphonieorchester u.v.m..
Annika Treutler gastierte neben der Berliner Philharmonie in allen großen deutschen Sälen wie der Münchener Philharmonie, der Kölner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg, dem Konzerthaus Berlin und Dortmund, sowie im Ausland u.a. in der Wigmore Hall London, im Wiener Konzerthaus, im Palau della Musica Barcelona, im Concertgebouw Amsterdam und ist regelmäßig zu Gast u.a. bei den Festspielen Mecklenburg Vorpommern, beim Heidelberger Frühling, beim Verbier Festival und beim Krzyzowa Music Festival. Ihr Debüt in der renommierten Carnegie Hall in New York fiel leider durch die Pandemie aus.
Neben Ihren solistischen Tätigkeiten widmet sich Annika Treutler intensiv der Kammermusik mit bedeutenden Künstler*innen: in zahlreichen Konzerten mit Daniel Müller-Schott, auf Konzerttournee mit Tabea Zimmermann und Jörg Widmann, sowie Kit Armstrong, Sarah Aristidou, Alexey Stadler, Julia Hagen u.v.m..
In der Saison 2020-2021 ist Annika Treutler u. a. beim Philharmonischen Orchester Kiel, beim Deutschen Kammerorchester Berlin, bei den Brandenburger Symphonikern sowie erneut beim Belgrade Philharmonic Orchestra als Solistin engagiert. Darüber hinaus wird sie in zahlreichen Recitals und kammermusikalischen Auftritten u.a. in Hamburg und in der Berliner Philharmonie zu erleben sein.
Die Pianistin erhielt ihren ersten Klavierunterricht im Alter von 4 Jahren zunächst bei Almut Eckels und im weiteren Verlauf bei Prof. Renate Kretschmar-Fischer. Nach dem Studium bei Prof. Matthias Kirschnereit an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock erreichte sie im Alter von gerade 21 Jahren mit Höchstwertung ihr Diplom. Das Konzertexamen legte sie mit Brahms’ 2. Klavierkonzert bei Prof. Bernd Goetzke an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ab.
Meisterkurse bei Richard Goode, Elisabeth Leonskaja, Ferenc Rados, Arie Vardi u.a. ergänzen ihre Ausbildung. Weitere künstlerische Impulse erhält sie regelmäßig von Leif Ove Andsnes und Murray Perahia.
Beim renommierten ARD - Musikwettbwerb (Semifinale), beim Concours Grieg, beim Gina Bachauer International Piano Competition, beim International Music Competition in Montreal und beim Deutschen Musikwettbewerb wurde die Künstlerin mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
2018 produzierte Hänssler Classic ihre vielbeachtete CD mit Solowerken von Johannes Brahms, im Januar 2019 folgte die Veröffentlichung von Brahms‘ Sonaten für Klavier und Violoncello mit Julia Hagen. Zuvor erschien eine CD mit Klavierwerken von Felix Mendelssohn Bartholdy bei Syquali/Harmonia Mundi. Ihre Debüt-CD mit Robert Schumanns Fantasiestücken und der Fantasie C-Dur stammt aus dem Jahre 2013 (GENUIN).
Annika Treutler ist über ihre Präsenz als Pianistin hinaus Initiatorin und künstlerische Leiterin des Projekts „#respondinmusic“, das es sich zur Aufgabe macht, mit Musik aus Zeiten des zweiten Weltkriegs einen Beitrag zur Erinnerungskultur zu leisten und durch die Geschichte für die Zukunft zu lernen. Im September 2020 ging sie innerhalb des Projekts mit der französisch-zypriotischen Sängerin Sarah Aristidou, dem spanischen Klarinettisten Pablo Barragàn und dem russischen Cellisten Alexey Stadler auf deutschlandweite Schultour, um den direkten Dialog mit Schüler*innen über Musik, Geschichte und Gesellschaft zu führen.
Ihre Arbeit als Botschafterin für das von Lars Vogt ins Leben gerufene Projekt „Rhapsody in School“ unterstreicht ihren Einsatz dafür, die junge Generation für die klassische Musik zu begeistern.
Seit Oktober 2018 lehrt Annika Treutler an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.













