(openPR) RAUS AUS DER LETHARGIE
Keiner kann mit Sicherheit sagen, wie sich die Märkte in den nächsten Monaten entwickeln werden.
Nach der ersten Phase der Schockstarre und der durch die Pandemie angeordneten wochenlangen Zwangspause im Einzelhandel gilt es aber unbedingt, wieder in Bewegung zu kommen. Abwarten können sich jedenfalls die wenigsten Branchen leisten. Jetzt agieren ist angesagt! Nicht aktionistisch, jedoch planvoll und strategisch.
Die Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht und die Möglichkeit der sechsmonatigen Mietstundung bieten in der aktuellen Not die Chance, sich kurz Zeit für eine rationale und nüchterne Analyse und Bewertung der eigenen Situation zu geben. Nur so lassen sich möglicherweise auch schon vor Corona existierende Schwächen erkennen und vor allem beseitigen. Bestenfalls mit einem unterstützenden Blick von außen, der einem bei der realistischen Einschätzung und der Auffindung neuer möglicher Perspektiven hilft.
Eine fortlaufende Repräsentativ-Befragung der „Initiative für Gewerbevielfalt powered by Das Telefonbuch“, die das Marktforschungsinstitut CIVEY seit April durchführt, ergab, dass sich immerhin 40% der Befragten selbst in der Verantwortung sehen, ihre Wettbewerbssituation für die Zeit nach Corona zu verbessern.
Um den Neuanfang gestalten zu können, muss man sich jedoch zunächst von starren Gewohnheiten und alten Ideen befreien. Wer sein eigenes Geschäftsmodell nun nicht auf den Prüfstand stellt, dem sei versichert, dass seine Kunden es in jedem Fall tun werden.
CORONA-SOLIDARITÄT ADE
Grausamkeiten zuerst: Auch der vielbeschworene pandemiebedingte Zusammenhalt ist wahrscheinlich nicht von Dauer. Zwar gibt es laut einer Studie von dynata („Global Consumer Trends COVID-19“) in der Kundschaft eine Tendenz, die gerade am härtesten getroffene Gruppe der kleinen Unternehmen zu unterstützen. Ob nach dem guten Vorsatz auch gehandelt wird, steht indes auf einem anderen Blatt. „Nach der ersten harmonischen Solidaritätswelle werden zunehmend Dissens und Widerspruch sichtbar“, so auch das Kölner Marktforschungsunternehmen concept-m.
Zudem gibt es bezüglich der Kundenloyalität Unterschiede bei den Generationen. „Die Haltung wird von der älteren Generation stärker vertreten als von der jüngeren. 57 Prozent aller befragten Babyboomer und nur 38 Prozent der Generation Z sagen, sie fühlen sich dazu verpflichtet, kleine Unternehmen zu unterstützen“, so der dynata Report weiter.
Leider vernachlässigen viele kleine Unternehmen in ihrem Marketing generell die unterschiedliche Generations- und Zielgruppenansprache. Dabei gehören zur Ermittlung der richtigen Strategie die Analyse ebendieser und ein auf sie abgestimmtes Angebot.
GO DIGGI OR DIE
Es ist wichtig, sich hybrid aufzustellen und sowohl offline wie auch online zu agieren. Laut Studie der Initiative für Gewerbevielfalt nehmen knapp 32 Prozent der kleinen und mittelständischen Betriebe die Entwicklung hin zur Digitalisierung und dem Onlinehandel wahr. Nichtsdestotrotz nutzen noch viel zu viele Unternehmen in Mittelstand und Kleingewerbe die Vorteile digitaler Technologien und Werkzeuge bislang nicht. Wer hier den Rückstand nun nicht schnell aufholt, wird abgehängt.
Sowohl
- die Digitalisierung von Prozessen (bspw. Kundenmanagement, Warenwirtschaft, Buchhaltung, Payment etc.)
- die Digitalisierung der Kommunikation (Nutzung digitaler B2B- und B2C-Kanäle von E-Mail über Newsletter bis hin zu Social Media) als auch
- die Digitalisierung der Geschäftsmodelle selbst (Onlineshops, Online Marktplätze, Social-Media-Shopping),
sind entscheidend für die Zukunftssicherung von Industrie, Handel, Gewerbe und Handwerk.
Zudem entwickelt sich der Innovationszyklus digitaler Technologien und Anwendungen exponentiell weiter. Während die meisten mittleren und kleinen Unternehmen sich noch in oder gar vor der digitalen Transformation ihrer Prozesse befinden, beschäftigen sich andere schon längst mit der Optimierung und Weiterentwicklung derselben (bspw. Virtual und Augmented Reality, Robotik, automatisierte Lagersysteme, Marketingautomation etc.).
KEINE ERFOLGREICHE UNTERSTÜTZUNG OHNE EIGENINITIATIVE
Ja, auch die Politik kann und muss helfen, Bürokratie insbesondere für kleinere Unternehmen abzubauen, die ansonsten darin untergehen, statt sich ihren Kunden widmen zu können. Diese Form der Unterstützung sowie weitere Förderungen durch die Politik wünschen sich 44 Prozent der Betriebe, wie die Umfrage der Initiative für Gewerbevielfalt zeigt. Weiterhin ergab die Studie, dass sich eine ebenso hohe Anzahl der Entscheider in kleinen und mittelständischen Unternehmen ein Umdenken der Verbraucher hin zu mehr lokalem Einkaufen wünschen.
Dieses Umdenken wird sich jedoch nicht erzwingen lassen, sondern lässt sich nur durch eine gute „Pull-Strategie“ bewirken, also durch Steigerung der Anziehungskraft = Attraktivität. Von der Aufmerksamkeit weckenden Gestaltung (im Einzelhandel: Fassaden, Schaufenster, Stores; im Handwerk: Fahrzeuggestaltung, Arbeitskleidung, Geschäftsauftritt) bis hin zur positiven Eigendarstellung und dem persönlichen Auftritt.
Wichtig sind darüber hinaus ein individuelles und somit besonderes Angebot, ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Qualität, eine erkennbare Haltung sowie all dies kommunizierende kontinuierliche Offline- wie Online-Marketingmaßnahmen.
Business as usual gibt es schon lange nicht mehr. Auch vor Corona war der Markt bereits kräftig in Bewegung. Und für diejenigen, die schon vor der Pandemie ein eher mittelmäßiges Geschäft gemacht haben, stehen die Chancen nun besonders schlecht.
GEMEINSAM IST MAN STÄRKER
Mit oder ohne Pandemie – das stationäre Einkaufen wird sich immer stärker auf Cluster konzentrieren, und zwar gut gemischte und hochwertige. Ob in Straßen, Einkaufcentern, Vierteln oder auch innerhalb eines Geschäftes selbst: Auf die abwechslungsreiche Mischung von Bedarfsdeckung, Gastronomie, Handel und Handwerk, Erlebnis und Unterhaltung kommt es an. Denn nur dann haben Menschen Lust, sich dort zu treffen, zu flanieren und zu konsumieren.
Zudem lassen sich durch solche Cluster Synergien nutzen und ein positiver „Spillover-Effekt“ generieren. Es lohnt also, in Quartiersmanager, branchenübergreifende Straßen- oder Viertels-Interessengemeinschaften und auch regionale Online-Marktplätze zu investieren.
Ziel ist dabei, die Marketingmaßnahmen zu konzentrieren und aufeinander abzustimmen, also strategisch vorzugehen. Auch wichtige Faktoren wie Mobilitätsmanagement, Logistik und Infrastruktur lassen sich auf diesem Wege zusammen konzipieren und nutzen.
Damit ein lokaler Verbund gemeinsam ökonomischen Nutzen generieren kann, muss allerdings auch jeder einzelne einen Mehrwert bieten und dazu beitragen.
Es bleibt also dabei: Es beginnt mit der eigenen Motivation, dann kommt auch alles andere in Bewegung.
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