(openPR) "Wir alle wissen, wie wichtig das Grund- oder Urvertrauen des Menschen ist. Es scheint für jedes gelungene Leben unverzichtbar. Dieses Vertrauen wird vom Säugling sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Das Problem ist aber, dass es in der Welt zunehmend weniger Vertrauen (ins Leben) und immer mehr Furcht gibt. Die Angst hingegen ist etwas Unkonkretes, das jeden Menschen manchmal überfällt, und Angst hat mit Enge (lat. "angustus") und Beengung zu tun, die einem den Brustkorb zusammenzuschnüren vermag und in eine existenzbedrohende Luftnot bis hin zur angina pectoris führen kann. Bei der Furcht hingegen handelt es sich um eine unbestimmte Angst. Die Furcht stellt das Gegenteil von Vertrauen dar, und aus der Furcht können vor allem zwei sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen werden:
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Die eine Reaktion ist, dass man flieht oder wegzulaufen versucht. Und wenn man nicht (weiter) fliehen kann, schlägt die Furcht oft genug in Aggression und Gewalttätigkeit um. M.a.W.: Feindschaft und Kriege entspringen zu einem sehr großen Teil der Furcht. Natürlich spielen hier auch die Habsucht und die Machtgier eine Rolle. Allerdings auch Habsucht und Machtgier sind letztlich Ausdrucksformen der Furcht. Es ist die Sorge, es könnte nicht genug für mich da sein, und wenn es die Bodenschätze oder das Öl für ein Land oder einen Staat sind, der imperialistische Ziele verfolgt. Und auch hierbei zeigt sich, dass letztendlich eine vermeintliche Position der Stärke letztlich aus der Furcht geboren wird, denn man muss all diese Waffen haben, weil man sich fürchtet. Vergleichbares meint dann zum Beispiel auch der gnadenlose Konkurrenzkampf in der Wirtschaft oder am Arbeitsplatz: wenn mir der Kollege zum Feind wird. Auch hier ist die Furcht im Spiel, jemand könnte mir voraussein, mich überholen oder gar meine Existenz bedrohen. Es ist immer dasselbe 'Spiel' nach demselben Mechanismus, ob auf persönlicher Ebene, in der Gesellschaft oder im Staat: Man sieht im anderen (aus Furcht) dann den Wolf und den Feind und sieht seine eigene Machtposition bedroht oder will sie sogar noch (präventiv) ausbauen. [Für mich ist das, was die Amerikaner zur Zeit machen, der verzweifelte Versuch, ihre bedrohte Vormachtstellung als einzig verbliebene Weltmacht, - was zumindest China ihnen zunehmend streitig macht -, zu verteidigen. In Wahrheit ahnt man vielleicht schon, dass die eigene große Zeit um ist und betreibt deswegen eine solch usurpatorisch-imperialistische Politik.]
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Haben wir den Mut, auch im Kleinen den ersten Schritt zu tun und Vertrauen zu schenken, Vorschussvertrauen sozusagen. Denn dieses investierte Vertrauen erntet in der Regel Früchte und wird nicht gleich mit Aggression oder Gewalt beantwortet. Auf diese Weise eröffnen wir durch unser Vertrauen dem Leben und Zusammenleben mit anderen neue Chancen. Aus Konkurrenten werden dann Kollegen, die kooperieren und aus verfeindeten und rivalisierenden Staaten können Gemeinschaftsmodelle oder zumindest Kooperationen entstehen. Zur Zeit erleben wir leider, dass es in vielem "rückwärts" geht. Die Bibel sagt: In der Liebe ist keine Furcht, und wo die Liebe herrscht, ist auch Vertrauen."
Hubert Michelis, freier Schriftsteller, ehemaliger Franziskanermönch
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