(openPR) Hilflos und erschrocken stehen viele Menschen einem Patienten mit Epilepsie gegenüber, wenn ein Anfall die Muskeln versteift und die Betroffenen für mehrere Minuten kaum ansprechbar sind. Patienten, die an Epilepsie leiden, bekommen von ihren Mitmenschen oft die kalte Schulter gezeigt. Meist liegt eine Verwechselung mit Gemüts- oder Geisteskrankheiten vor. Doch Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung.
In Deutschland leiden etwa 800.000 Menschen an den plötzlich auftretenden, kurz andauernden Anfällen. Die Ursachen der Attacken sind vielfältig. Diskutiert wird eine erbliche Komponente. Aber auch Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, Durchblutungsstörungen und Kopfverletzungen werden für die Epilepsie verantwortlich gemacht. Bei Kindern stellt Epilepsie eine der häufigsten chronischen Erkrankungen dar. Als Ursachen werden auch Fehlbildungen des Gehirns und frühkindliche Schädigungen diskutiert.
Bei einem epileptischen Anfall kommt es im Gehirn zu einer Störung der Reizweiterleitung. Die Reize werden zwischen den Nervenzellen durch Botenstoffe (Neurotransmitter) übertragen. Bei Epilepsie ist das Gleichgewicht dieser Botenstoffe aus dem Ruder geraten. Grund sind vermutlich spontane Entladungen der Nervenzellen.
„Jeder zehnte Deutsche erleidet zumindest einmal in seinem Leben einen epileptischen Anfall“, berichtet Dr. Dietmar Krause vom Deutschen Grünen Kreuz e. V. in Marburg. Eine medikamentöse Behandlung ist erforderlich, wenn zwei oder mehr Anfälle aufgetreten sind. „Antiepileptika hemmen die Erregbarkeit der Nervenzellen im zentralen Nervensystem oder unterdrücken die Erregungsleitung“, so Krause weiter. Ziel ist es, eine vollständige Anfallsfreiheit zu erreichen. „Das gelingt in bis zu 80 Prozent aller Fälle,“ schätzt Krause. Nicht jedes Medikament ist aber bei jedem Patienten gleich gut wirksam. Manchmal muss das Präparat deshalb während der Therapie gewechselt werden. „Große Hoffnungen setzen Ärzte und Patienten in Neuentwicklungen“, so der Marburger Experte. Bei gleicher Wirksamkeit sollen die neuen Mittel die Nebenwirkungen minimieren.
„Mit dem kürzlich zur alleinigen Behandlung bei Epilepsie zugelassenen Wirkstoff Levetiracetam ist dies ein Stück weit gelungen“, meint Krause. „Levetiracetam wird nicht über die Leber abgebaut. Deshalb gibt es deutlich weniger Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln“, erklärt der Experte weiter. Patienten, die noch unter Anfällen leiden, sollten ihren Arzt auf eine mögliche Verbesserung der Therapie ansprechen.
Fachleute raten auch nichtbetroffenen Menschen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Schließlich kann es jeden treffen. Und wer wäre nicht froh darüber, wenn Beobachter eines epileptischen Anfalls hilfreich zur Seite stünden. „Den Kopf auf eine weiche Unterlage legen, Gefahren aus dem Weg räumen und Hilfe holen, wenn der Anfall länger fünf Minuten dauert, darauf kommt es an“, so Krause.












