(openPR) Ob es der Zeitpunkt der Geburt von Reinhard Wosniak im Jahre 1953 war, der es ihm ermöglichte den Zeitenlauf über Generationen zu verfolgen, kann dahinstehen. Mit wachem Auge und kognitivem Intellekt hat er das Zeitgeschehen verfolgt, registriert und schließlich verarbeitet. Es bot ihm den ebenso zutreffenden wie spannenden Rahmen für die Entwicklung seiner Charaktere. Einen Rahmen, dem Verklärung und falsche Nostalgie fremd sind, der aber wohl Raum für berechtigte Empathie gibt.
Unter dem Titel „Felonie“ erschien die Auseinandersetzung mit dem verschwiegenen, häufig verdrängten Leben der Elterngeneration. Diesem Roman schloss sich "Die Kinder des Mondes an.
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„Felonie“ ist aber für dessen Verständnis nicht unbedingt notwendig, kann bei dessen Verständnis helfen. Die dort erzählte Familiengeschichte aber ist auch in "Die Kinder des Mondes" klar erkennbar, denn viele Akteure werden fortgeführt. Dieser im Jahre 2018 im Spica Verlag erschienene Roman Wosniaks nimmt uns mit auf eine Zeitreise, die vielen heutigen Lesern in weiten Teilen geläufig sein dürfte, weil diese sie miterlebt haben. Dabei ist er keine Lektüre, die unter dem Plakat „DDR-Literatur“ zu subsumieren wäre. Hier erleben wir die Geschichte, das Denken, Handeln und Fühlen von Menschen im Osten des geteilten Deutschlands in ihrer Zeit.
Entscheidend neu sind die beiden Helden des Romans Felix und Johan. Beide erblicken um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in einer Vollmondnacht in der sächsischen Kleinstadt F. (dem Kenner sicher unschwer als Frohburg zu identifizieren) das Licht der Welt.
Als Felix´ Mutter bei dessen Geburt stirbt, bringt Vater Hieronymus den Jungen zu Freundin Hanna. Die hat zu gleicher Stunde ihren Sohn Johan geboren. Der Halbwaise Felix wird zu dessen Milchbruder.
Aus den Lebenswegen zweier Protagonisten entwickelt Wosniak die spannungsgeladene Handlung seines Romans.
Felix verbindet eine von ihm empfundene Schuld am Tod der Mutter mondsüchtig mit der Suche nach ihren Spuren. Diese Suche führt zu einem immer gespannteren Verhältnis zum Vater. Parallel dazu entwickelt sich sein wachsender Hader mit der ihn umgebenden gesellschaftlichen Wirklichkeit, deren vorgebenden Normen, vor allem aber Defiziten. Dieser wachsende Konflikt führt zu seinem tragischen Ende; ein Weg den Johan ständig Anteil nehmend begleitet.
Hervorzuheben ist, dass dem Autor um die vielfach verschlungene wie verwobene Geschichte seiner beiden Hauptpersonen herum, symbolisiert von und verbunden mit den familiären Polen „weiße Villa“ und „Wildenschwerdt-Hof“ bei der Schaffung anderer Gestalten und Charaktere wahre Kabinettstückchen gelingen.
Diese Feststellung gilt über das „F.-Milieu“ hinaus in besonderer Weise auch für die Darstellung der Rostocker Verhältnisse.
All dies wird uns in mittlerweile gewohnter Diktion, dem virtuosen, gelegentlich eigenwilligen Umgang mit Sprache adäquat vermittelt. Und anzumerken ist auch der dem jeweiligen Gegenstand angemessene erfreuende hintergründige Humor, die feine Ironie.
Natürlich soll nicht vergessen werden, auf das übergreifende, zentrale Anliegen, das Thema Freiheit, hinzuweisen, das ebenso grundlegend wie facettenreich angesprochen wird. Bedarf hierfür gibt es nach wie vor.
Nachdem sich Reinhard Wosniak zeitlich, mit den “Mondkindern“, schon der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts genähert hatte, ist die Trilogie nun vervollständigt. "Die Nacht der Ameisen“ beinhaltet den geschichtlichen Zeitablauf von 1972 bis hin zur unmittelbare Gegenwart, vervollständigt die ursprünglich geplante "Trilogie F“ und ist trotz der Beibehaltung der Personnage separat lesbar.
Behandelt wird das Thema, über das seit Wochen gesprochen wird: "Die deutsche Einheit; zwar unter etwas ungewöhnlicher Sicht und mit starkem französischen Einschlag – aber jede andere Sicht hätte mich gelangweilt", sagt Reinhard Wosniak.
"Die Nacht der Ameisen" wird pünktlich im Jubiläumsjahr 2020, dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung zur diesjährigen Leipziger Buchmesse erscheinen.











