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5G: Netzbetreiber stehen unter Differenzierungszwang

21.11.201914:35 UhrMedien & Telekommunikation
Bild: 5G: Netzbetreiber stehen unter Differenzierungszwang

(openPR) Frankfurt am Main, 21. November 2019 – Um den hohen Investitionskosten für den Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland zu begegnen, müssen Netzbetreiber sich neu positionieren. Das ist das Ergebnis eines Research Papers der Management- und Technologieberatung BearingPoint und dem IIHD | Institut. Denn 5G weckt Erwartungen: Das Transformationspotenzial der neuen Mobilfunk-Generation wird oft mit dem der Dampfmaschine, dem elektrischen Strom oder dem Internet verglichen. Insbesondere Transport und Logistik sowie Verkehr und Fertigung werden sich durch 5G grundlegend verändern (Fraunhofer 2019). Für 2035 wird eine auf 5G-Technologie basierte globale Wirtschaftsleistung von 11,2 Billionen Euro prognostiziert.



In Deutschland wurde die 5G-Auktion im Juni erfolgreich beendet. Die Netzbetreiber Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und Drillisch (1&1), die den Zuschlag für die Funkfrequenzen erhielten, haben mit dem Ausbau der 5G-Infrastruktur begonnen – bislang allerdings nur punktuell. Die durch die Bundesnetzagentur geforderte Abdeckung von 98 Prozent der deutschen Haushalte wird vor 2027 voraussichtlich nicht erreicht (Bundesnetzagentur 2019). Dies verdeutlicht ein Vergleich mit der Vorgängertechnologie 4G / LTE. Heute, knapp zehn Jahre nach Einführung von 4G, liegt die Abdeckung bei knapp über 90 Prozent der Haushalte, jedoch nur bei rund 65 Prozent der Fläche in Deutschland (Speedcheck Mobilfunk Report 2019).

Massive Investitionen notwendig – Nationales Roaming weckt Interesse
Der 5G-Ausbau wird insbesondere durch die hohen notwendigen Investitionen in die Infrastruktur ausgebremst, die die Auktionspreise von 6,5 Milliarden Euro für die Funklizenzen um mehr als das Zehnfache übersteigen. Die bestehende Technologie-Infrastruktur muss häufig nicht nur ergänzt, sondern zumindest teilweise durch neue Technologien ersetzt werden. Dies betrifft u.a. die Installation von Geräten für neue Frequenzbandbreiten, die Verlegung von Glasfaserkabeln sowie die Entwicklung neuer Mobilfunkübertragungstechnik. Laut Telefónica sind hierfür seitens der Netzbetreiber Investitionen in Höhe von 76 Milliarden Euro und der Bau von über 200.000 Mobilfunkstandorten notwendig (Delhaes & Scheuer 2019).

Eine Möglichkeit, um der Herausforderung der hohen Investitionen zu begegnen, ist die Kooperation von Netzwerkbetreibern im Zuge eines „nationalen Roamings“. Lassen sich die Implementierungskosten nur geringfügig reduzieren und existieren kaum Kostensenkungspotenziale im Ausbau der Infrastruktur, so erlaubt der gemeinsame Aufbau eines 5G-Netzwerks die schnelle Umsetzung einer breiten Netzwerkabdeckung mit 5G in Deutschland, bei gleichzeitig geringeren Kosten für die einzelnen Anbieter. Eine Kooperation der Netzbetreiber bietet zudem die Möglichkeit, neue Erlösmodelle aufzubauen, die insbesondere bei einer Spezialisierung der Unternehmen auf die Bereitstellung der erforderlichen Infrastrukturen für innovative 5G-Anwendungsfelder zur Realität werden.

Telekommunikationsunternehmen: Von der Bit-Pipe zum Service-Anbieter
Nicht nur die hohen Investitionen forcieren einen Differenzierungszwang der Telekommunikationsunternehmen. Vielmehr resultiert eine zentrale Herausforderung aus deren Positionierung als reine „Network Developer“. Die Unternehmen fokussieren sich in ihrem Leistungsportfolio meist lediglich auf die Bereitstellung der Infrastruktur sowie Basisdienste wie Messaging, Telefonie und mobiles Internet, weshalb sie nicht selten als „Bit-Pipes“ bezeichnet werden. Das Angebot wertschöpfender und konsumentennaher Services überlassen sie dabei meist Anbietern wie Apple, Google und Co. Letztere nutzen die Infrastruktur der Bit-Pipes, um Kunden digitale Services wie beispielsweise WhatsApp anzubieten, die die klassischen Telekommunikationsdienstleistungen ersetzen.

Prognosen zufolge wird in diesem Jahr der weltweite Umsatzanteil der Dienstleistungen wie FaceTime, Skype und WhatsApp im Bereich Nachrichten bereits bis zu 63 Prozent betragen – mit steigender Tendenz (Mohr & Meffert 2017). Ein ähnliches Bild ergibt sich im Bereich der Telefonie. So werden die Deutschen 2019 erstmalig mehr über neue Dienste telefonieren als über herkömmliche Festnetze (Dialog Consult 2019). Die Folge: Das Kerngeschäft der Telekommunikationsunternehmen erodiert.

Vom Connectivity-Profi zum Wertschöpfungschampion
„Um die hohen Investitionen in den Infrastrukturausbau kapitalisieren und im Zeitalter von 5G nachhaltig erfolgreich sein zu können, sind Telekommunikationsunternehmen gezwungen, sich neu zu positionieren. Sie müssen sich von der Rolle des Network Developers lösen und selbst zum Service-Anbieter werden. Die 5G-Technologie eröffnet den Netzbetreibern die Möglichkeit, durch neue Geschäftsmodelle und -logiken tiefer in die Wertschöpfung vorzudringen und sich dabei zu ‚Service Enablern‘ oder gar ‚Service Creatorn‘ zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. HSG Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des IIHD | Institut. Differenzierungsmöglichkeiten ergeben sich dabei insbesondere in drei Bereichen:

1. Massive Machine Type Communication (MMTC)
MMTC beschreibt ein neues Kommunikationsparadigma, in dem eine Vielzahl von Geräten direkt oder über das Internet miteinander verbunden sind und autonom, also ohne menschliches Zutun, agieren. 5G erlaubt dabei durch hohe Bandbreiten und niedrige Reaktionszeiten in der Datenübertragung eine ansteigende Qualität der Verbindung und damit die Möglichkeit, eine deutlich höhere Anzahl an Geräten miteinander verknüpfen zu können. MMTC entfaltet sein volles Potenzial insbesondere im Produktionsbereich im Rahmen von „Smart Factories“. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Kooperation der beiden Unternehmen Mercedes-Benz und Telefónica, die in Sindelfingen den ersten 5G-Produktionsstandort „Factory 56“ geschaffen haben.

2. Enhanced Mobile Broadband (EMBB)
5G stellt die Grundlage für EMBB dar, eine Breitbandausprägung, die dem Nutzer von jedem Ort aus jederzeit hohe Übertragungsraten für Internet-Anwendungen ermöglicht – beispielsweise für mobile Multimedia- und Live-Streams mit hohen Auflösungen, interaktive Videos, Internettelefonie und Internetfernsehen. Neu ist, dass in Zeiten von 5G eine Vielzahl von Nutzern innerhalb eines kleinen Radius gleichzeitig solche datenintensiven Anwendungen nutzen können. EMBB ermöglicht Virtual- und Augmented Reality-Anwendungen – beispielsweise inmitten eines Konzertes oder eines Sport-Events. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea hat Huawei bereits das Potenzial von 5G und EMBB aufgezeigt. Virtual-Reality-Live-Berichterstattungen erzeugten ein „hautnah-Erlebnis“, auch für Zuschauer außerhalb der Austragungsstätten.

3. Ultra Reliable Low Latency Communication (URLLC)
5G ebnet den Weg für URLLC-Anwendungen, die auf eine robuste Kommunikation („Ultra Reliable“) sowie minimale Latenzzeiten im Bereich von maximal einer Millisekunde („Low Latency“) angewiesen sind. Neben geringen Ausfallwahrscheinlichkeiten und minimalen Latenzen zählen niedrige Fehler- und Paketverlustraten sowie eine hohe Mobilität der Netzteilnehmer (Bewegung der Objekte innerhalb oder zwischen Funkzellen) zu den zentralen Vorteilen von URLLC. URLLC erschließt dabei eine komplett neue Klasse an Anwendungsfällen: Dienste, die nicht ausfallen dürfen und kürzeste Antwortzeiten benötigen. Zentrale Anwendungsfelder liegen dabei im Verkehrs- und Automobilsektor (automatische Fahrassistenten und autonomes Fahren), in der Industrie („Predictive Maintainance“ von Industrieanlagen oder „Cloud Robotics“) sowie im Gesundheitsbereich mit „Digital Health“ und ferngesteuerter Chirurgie (Telemedizin).

Marcel Tietjen, Partner bei BearingPoint: „Netzwerkbetreiber stehen nun vor der zentralen Entscheidung, welche Rolle sie in der 5G-Ära für sich beanspruchen wollen. Verharren sie in der passiven Rolle des Erfüllungsgehilfen oder ergreifen sie die Differenzierungspotenziale und werden zu einem aktiven Gestalter? Entscheiden sie sich für ersteres, setzten sie langfristig ihre Zukunft aufs Spiel. Wollen sie sich zu einem Wertschöpfungspartner für Konsument und Industrie entwickeln, müssen sie jetzt handeln.“

Die vollständige Studie steht unter folgendem Link zur Verfügung: https://www.bearingpoint.com/de-de/unser-erfolg/insights/letzte-ausfahrt-5g/

Die Infografik anbei ist für redaktionelle Zwecke frei verwendbar, wir bitten um Quellennachweis: Ericsson, BearingPoint.

Über die Digital & Strategy-Publikationsreihe
Die Publikationsreihe Digital & Strategy von BearingPoint und dem IIHD |Institut beleuchtet aktuelle und strategisch relevante Themen mit dem Schwerpunkt der Digitalisierung. Sie hinterfragt bestehende Denkweisen, gibt neue Impulse und zeigt Lösungswege in einer neuen, datengetriebenen und komplexeren Welt auf.

Über das IIHD Institut
Das IIHD Institut ist ein An-Institut der Hochschule Worms. Unabhängig und eigenfinanziert versteht sich das IIHD Institut als Themenbildner und Partner der Branchen Handel, Konsumgüter und konsumentennahe Services. Das IIHD Institut verfolgt einen kontextgetriebenen, problemfokussierten & interdisziplinären Forschungs- und Beratungsansatz. Es wendet sich damit von langwierigen, isolierten Forschungsbestrebungen mit unklarem Praxisbezug ab. Vielmehr wird in kooperativen Projekten Forschung mit direkter Wirkung in den Unternehmen betrieben. Praxis- und anwendungsbezogene Forschung, Beratung und Weiterbildung sind dabei in themenbezogene Competence Center gegliedert.
Für weitere Informationen: www.iihd.de

Pressekontakt
Prof. Dr. HSG Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor
Tel.: +49 171 7619371
E-Mail: E-Mail

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