(openPR) Großartig, wie die gesamte Crew ein Kammerstück der Opernwelt in eine fulminante Festspielinszenierung überführte. Mit überraschenden Ideen, körperlichem Einsatz, Akrobatik und Leidenschaft.
Ich fühlte mich in die Welt Federico Fellinis versetzt, als die kleine Gaukler- und Akrobatengruppe auf dem Vorplatz des Festspielhauses ihre Kunststückchen aufführten und mit allerlei Schabernack – insbesondere die Akrobaten unter den Affenkostümen – die wenigen sie wahrnehmenden Besucher auf das Kommende vorbereiteten. Und tatsächlich, die Akrobaten verschwanden nicht in den Katakomben des Festspielhauses, sondern eröffneten in einer Prozession mitten durch das Auditorium den Festreigen. Über den Bootsanleger gaukelten sie weiter bis sie hinter dem Bühnenbild verschwanden und schließlich mit dem Einsetzen der Musik wieder auf der Hauptbühne erschienen und auch bis zum Schluß der Oper das Bühnenbild wieder und wieder beherrschten.
Zur Musik: grundsätzlich ist überhaupt nichts an der musikalischen Darbietung des Orchesters und der Sänger auszusetzen; dass jedoch die Musiker ausschließlich via Bildschirmeinblendung zu sehen waren und die Livemusik über Mikrofon und Lautsprecher wiedergegeben werden musste, sowohl des Orchesters als auch der Sänger, schmälerte den Genuss erheblich; ist aber dem Format Festspiel am See geschuldet und angesichts des beeindruckenden Bühnenbildes absolut nebensächlich zu erachten.
Ja, das Bühnenbild: ich war während der gesamten zweistündigen Aufführung gefesselt von den Geschehnissen auf der Hauptbühne. Dieser Kopf, diese Augen und diese Hand; selten habe ich einen solchen Spannungsbogen auf einer ansonsten statischen Bühne gesehen. Wie mit minimalen Veränderungen der Mimik unterschiedliche Gemütszustände der Protagonisten auf das Gesicht der Puppe übertragen wurden, das war imposant. Die Bandbreite der Gestik der rechten Hand, als Brücke, Schaukel, Dach, Haus und natürlich dem ausgestreckten Mittelfinger, war immer wieder überraschend und in seiner Einfachheit überzeugend.
Opernsänger und Opernsängerinnen, die in schwindelnder Höhe von 45 Metern über dem Bodensee, teils in Schräglage, gesichert mit nur einem Seil, gesangliche Höchstleistung abliefern, ihnen kann man nur Respekt und Achtung zollen.
Und schließlich die Demontage des Puppengesichts, sie gab weitere kleinformatige Nebenschauplätzen frei und führte zurück zum intimen und kammerspielartigen Grundton der Originaloper.
Nach 2 Stunden holte mich der Abschlussapplaus von nahezu 7.000 Besuchern aus einem tranceartigen Zustand wohliger Ergriffenheit. Die großartige musikalische Darbietung und die teilweise psychodelische Farbgebung und Lichtführung hatte ihre Wirkung bei mir nicht verfehlt.
Ich werde das Stück meinen Freunden und Bekannten auf jeden Fall weiterempfehlen und kann nur hoffen, dass sie in der kommenden Spielsaison ebenso gute Wetterbedingungen vorfinden werden, wie ich am 16. August 2019.











