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Neuerscheinung: "Die Entmieteten" Sozialroman von Synke Köhler (Roman-Debüt)

02.08.201914:18 UhrKunst & Kultur
Bild: Neuerscheinung: "Die Entmieteten" Sozialroman von Synke Köhler (Roman-Debüt)

(openPR) Liebe Medienvertreterinnen und -vertreter,

wir freuen uns sehr Ihnen das brisante Romandebüt der Berliner Schriftstellerin Synke Köhler vorstellen zu können. »Die Entmieteten« beleuchtet auf literarisch hochstehendem Niveau eines der brennendsten Probleme urbanen Lebens unserer Zeit. In ihrem Sozialroman erzählt Köhler die Geschichte einer Haus- und Schicksalgemeinschaft in Prenzlauer Berg, die von Entmietung bedroht ist. Die Autorin erweitert das dramatische Kammerspiel zu einem (ost-)deutschen Zeitenpanorama von großer sozialkritischer Sprengkraft. Im 30. Jahr des Mauerfalls schlägt sie einen dramaturgischen Bogen von der Vorwendezeit bis ins ins gentrifizierte Berlin unserer Tage.



Ein kluges, anspielungsreiches und kritisches Romandebüt über Verdrängung, Verzweiflung und den Mut der Verzweifelten – ein Buch, das die alte Frage auf neue Weise beleuchtet: Wie wollen wir leben?

Ironie des Schicksals: Nach Fertigstellung des Romans wurde die Autorin von der Realität eingeholt und ist inzwischen selbst von Entmietung bedroht.

Der Roman ist unsere Einreichung für den Deutschen Buchpreis.

Buchpremiere
Di. 24. September 2019
Buchlokal Pankow
Ossietzkystraße 10, 13187 Berlin
Einlass: 19.30 Uhr
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 8 €

Synke Köhler
Die Entmieteten
Hardcover mit Schutzumschlag, 250 S.
ISBN: 978-3-947106-31-8, 23€
Auch als E-Book für 16,99€
Erscheint am 2.9.2019 (Auslieferung ab KW35)

Produkttext: »Ein vom Abriss bedrohtes Mietshaus im Osten Berlins. Der Immobilienmarkt trifft auf eine eigenwillige und wehrhafte Haus- und Schicksalsgemeinschaft. In ihrem klugen, spannenden sowie hochaktuellen Debütroman schlägt Synke Köhler eine thematische Brücke von der Vorwendezeit ins moderne, durchgentrifizierte Berlin.
Dinge laufen aus dem Ruder. Baume werden gefallt. Der Müll wird nicht mehr abgeholt. Die Keller werden gegen den Willen der Mieter geraumt. Die Marner Straße war immer eine Insel der Alteingesessenen im längst gentrifizierten Prenzlauer Berg. Aber jetzt sind auch sie an der Reihe.
Dieter Sonntag organisiert den Widerstand, seine Frau träumt dagegen von einer Wohnung mit Balkon. Die Schweizers treffen sich heimlich mit der Hausverwalterin, Markus Amreiter, der Journalist, hat schon eine Exit-Strategie parat. Und die Studentin Kathleen will sich aus allem raushalten. Nur Grozki, der einstige DDR-Rockstar, bringt mit seinen anarchistischen Aktionen alle richtig auf Touren. Am Ende liegt ein Haus in Trümmern und eine Leiche im Schutt.
Synke Köhler nähert sich den Figuren mal mit Empathie, mal mit tragikomischer Dis­tanz. Ihr Roman ist bissig, hintergründig, melan­cholisch und stellt eine alte Frage neu: Wie wollen wir leben?«

Über die Autorin:

Synke Köhler, geboren in Dresden, Psychologiediplom, Grafikerin, Studium an der Drehbuchwerkstatt München und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
2011 veröffentlichte sie den Lyrikband »Waldoffen« (Allitera Verlag) und 2016 Erzählungen unter dem Titel »Kameraübung« (Kremayr & Scheriau, Österreich).
Sie erhielt Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Wartholz- Newcomer-Preis und den 2. Preis des Würth-Literaturpreises. Für die Arbeit an diesem Roman wurde sie unter anderem mit dem Lüneburger Heinrich-Heine-Stipendium und dem Aufenthaltsstipendium im Alfred-Döblin-Haus in Wewelsfleth unterstützt.
Synke Köhler lebt in Berlin-Friedrichshain, sie ist inzwischen selbst von Verdrängung bedroht und unfreiwillig zur Mietaktivistin avanciert.

Stimme
»Synke Köhler beeindruckt, indem sie Gewohntes und Seltsames in eine unaufgeregt schö­ne Sprache gießt.«
(Jury Literaturstipendium Hausach)

Leseproben
»Ein paar johlende Rufe und Pfiffe leiteten das Konzert ein. Mit einem Anflug von Bedauern und einem Schwenk über Kathleen folgte sein Blick den letzten Blättern, die durch die Herbstsonne segelten. Aber sie veranstalteten diesen Zirkus ja nicht umsonst.
– Willkommen!
Grozki zog das Mikro aus seiner Hose, hielt es dicht vor seinen Mund.
– Willkommen bei: Die Tribute vom Prenzlauer Berg!
Seine Stimme hatte sich verändert, sie war jetzt laut und raumgreifend. Der weiche Ton war verschwunden. Zwei Gitarren drängten sich melodisch in die kurze Pause.
– Willkommen bei den Häuserspielen!
Das Publikum, das vorrangig in Grozkis Alter war, um die fünfzig, grauhaarig und im Gegensatz zum shabby vintage chic des sonstigen Prenzlauer Bergs deutlich abgewrackter gekleidet, johlte erneut.
– Kaufen Sie, liebe Passanten, kaufen Sie! Gehen Sie nicht vorüber. Hier können Sie noch eine weitere Eigentumswohnung erwerben. Sie müssen nichts weiter tun, als uns aus dem Weg zu räumen. Der Konsum heiligt die Mittel. ... Sie tun das nicht nur für sich, Sie tun das auch für Ihre Kinder. Ja, liebe Kinder, eure Eltern sind geldgeile Ärsche. ... Die Wahl der Waffen liegt bei Ihnen. Messer, Pistolen, Bagger, Anwälte. Greifen Sie zu Ihren Anwälten. Aber wisset, auch wir greifen zu unseren Anwälten. Möge der Heimtückischere gewinnen. Hiermit erkläre ich eine neue Runde der Häuserspiele für eröffnet. Einen Tusch, bitte.«
+++
»Jetzt hatten sie sie also, die grauen Männer, die Zeitsauger, die schwarzen Löcher, man wurde angezogen von ihnen, die Zeit wurde angesogen, und mit ihr wurde alles um die Zeit herum angesogen. Also auch die Menschen. Auf einmal fühlte sich Kathleen wie jemand, der immer hinterherhetzte. Irgendwo da vorn waren die anderen, es war wie bei einem Aufstieg auf einen Berg, und die anderen waren immer schneller, und selbst wenn die anderen innehielten, DIE ANDEREN – wer waren eigentlich DIE ANDEREN? –, wenn die anderen kurze Rast hielten und sie das Gefühl hatte heranzukommen, brachen sie doch aus ihrer Sicht immer dann wieder auf, wenn sie sich näherte, so dass sie nie Zeit zum Ausruhen hatte, immer müde war. Sie wollte aufschließen, dazugehören, aber niemand wartete, niemand wartete so lange, bis auch Kathleen sich ausgeruht hatte und mit neuer Energie weitergehen konnte. Die Müdigkeit und das Hetzen konnte man sehen in den Bildern der Neuen Sachlichkeit. Vielleicht hatte sie sich deshalb dieses Thema ausgesucht. Jeder will sich irgendwo erkennen, gemeint fühlen, die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach einem Zugehörigkeitsgefühl. Wie konnte man die Verhältnisse in der Kunst darstellen? Über das Bild flatterten Anteilscheine, Anteilscheine von Fonds, in denen Mietwohnungen im Portfolio enthalten waren, irgendwo versteckt. Die Aktionäre freuten sich über die Rendite. Die Aktionäre wedelten auf ihrer Versammlung mit den Anteilscheinen, wedelten die Mieter wie lästige Fliegen aus ihren Häusern, die Mieter ›stürzen ab und gehn entzwei / und an den Küsten – liest man – steigt die Flut‹. Im Vordergrund eine unscheinbare Zimmerpflanze. Das Bild hieß: ›Wie hoch steht deine Aktie?‹«

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