(openPR) Mark Scheppert und Mikis Wesensbitter lesen Geschichten über Kindheit und Jugend in Ostberlin: NVA-Soldaten malen im Kindergarten, Pioniernachmittage die aus dem Ruder laufen, die erste Liebe im Lager für Erholung und Arbeit und Punk-Konzerte im Jugendclub.
Dabei verwandeln sie die “Art Culture Galerie” in einen Retrosalon, in dem eine längst vergangene Zeit - 30 Jahre nach dem Mauerfall - wieder lebendig wird.
Unterstützt wird die Lesung mit Videoprojektionen von Torsten E.Höhle.
Datum: 06.06.2019 - 20 Uhr
Ort: "Culture Pop Studio" in den Potsdamer Platz Arkaden in 10785 Berlin
Als wir unsere Geschichten zu schreiben begannen, hatten wir uns vorgenommen, stellvertretend für unsere Generation etwas Neues und Einzigartiges über die DDR zu schreiben. Denn seltsam: In keinem der angeblich so „typischen“ literarischen Denkmäler für dieses verschwundene Land fanden wir uns wieder. Weder gehörten wir zu der Generation von „Zonenkindern“, wir wohnten in keiner „Sonnenallee“ und keinem „Turm“. Unsere Jugend, die Auseinandersetzung mit diesem seltsamen Ort namens DDR, unsere Erfahrungen und unsere Kämpfe kamen nirgendwo vor. Und erst recht nicht das Gefühl, das wir mit dieser Zeit verbanden. Komisch. Waren wir Sonderfälle?
Das konnte kaum sein. Wieder einmal hatten wir das beunruhigende Gefühl, dass wir Ostdeutschen eigentlich bis heute keine eigene Stimme gefunden hatten, um mit Würde und Selbstbewusstsein, humorvoll und gerade deshalb auch ernsthaft von unserer Vergangenheit zu erzählen. Jenseits von Verklärung, Verkitschung, Verniedlichung, Ostalgie und – natürlich – politischer Aufarbeitung. Wir fanden, dass im neuen Deutschland langsam ein Bild der DDR heranreifte, das mit unsere DDR erstaunlich wenig gemein hatte.
War ein Teil von uns also wirklich mit der DDR verschwunden? Unsere Erlebnisse und Erinnerungen lebten in uns fort – doch um sie aufzubewahren, musste wir sie zu Papier bringen - mit sprachlichem Witz, behutsam und ehrlich wollten wir diese Zeit reflektieren und dabei von gängigen Mustern abweichen. Wir wollten uns nicht nur erinnern, sondern auch Verbindungen zur heutigen Zeit herstellen, um zu verfolgen, wie das Erbe der DDR im neuen Deutschland weiterlebt.
So wie auch wir das tun.












