(openPR) München, 17.10.2006 (anra) - Kaum bin ich in Informationen über den herannahenden "Münchner Rückentag 2006" vertieft, da schießt es mir wie mit Nadelstichen unsanft durch den Körper. Eine falsche Wackelei auf meinem abgenutzten Bürostuhl, eine zu heftige Bewegung mit dem Kopf? Der Rücken macht sich bemerkbar. Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Ich scheine ihn dringend nötig zu haben, diesen Rückentag.
Er findet im diesjährig gegründeten "Zentrum für Wirbelsäule und Rückenschmerz" im Orthopädie-Zentrum-Arabellapark statt. In über 20 Räumen geht's dem Kreuz an den Kragen. Das Schöne daran: die Aussteller kommen aus verschiedenen Bereichen, aus der Medizin, Orthopädie, Vorsorge, Fitness. Sie präsentieren neue Diagnosegeräte für Rückenschmerzen, sie demonstrieren, was man vorbeugend tun kann, bevor die Beschwerden kommen und bieten gut gelaunt ihre Fitness-, Entspannungs- und Wohlfühlgeräte für zuhause und für Gruppensport an.
Man spürt, wie ernst es allen ist. Nicht nur den Fitness-Experten, sondern auch den Ärzten, die mir bereitwillig in Interviews Auskunft geben. Denn auch wenn es ihr Job ist, Rückenleiden zu behandeln, schlimmstenfalls zu operieren, plädieren sie dafür, dass wir Zweibeiner frühzeitig die Bewegungs-Initiative ergreifen.
Dr. med. Peter Krause, Gastgeber des Rückentages im Zentrum für Wirbelsäule und Rückenschmerz, ist einer von ihnen. Wenn man Menschen vor einer Operation bewahren und ihnen Mut machen könne sei das doch auch ein tolles therapeutisches Ergebnis, findet er. Er schüttelt sich vor der Kamera für das Interview zurecht und gesteht: "Ach, ich hab' immer so eine schlechte Haltung." Auch ich stehe heute besonders aufrecht, halte nicht nur das Mikrofon, sondern auch meinen Kopf gerade.
Trotz Keilkissen & Co. wird das "Kreuz mit dem Kreuz" nicht geringer, sondern schlimmer. Zu wenig Sport oder falsch betriebener Sport, noch immer schlechtes Schuhwerk bei Kindern, eine Gesellschaft, die zunehmend dicker wird, vieles klingt an, was eigentlich bekannt ist. Doch hier sollen die Aussagen nicht zu bloßen Statements verblassen. Auf dem "Rückentag" gibt es Praxis in der Praxis. Hier will man neben dem Meinungsaustausch der Experten gerade interessierten Laien den Rücken stärken. Und das scheint zu gelingen. Erst etwas zögerlich kommen sie, doch dann sitzen sie freiwillig gekrümmt in Fitnessgeräten und lassen breite, lange und tiefe Rückenmuskeln vom Fachmann analysieren, wippen in Workshops auf Gesundheitsbällen und erholen sich in Holzkabinen bei wohlig-entspannender Infrarotwärme. Endlich kann man mal was ausprobieren, sich beraten lassen und schauen, was einem selbst gut tut. Doch einmal ist natürlich kein Mal. Das macht Prof. Hans Tilscher, einer der Pioniere der Orthopädie, in der TV-Diskussionsrunde deutlich: "Kontinuität ist das Geheimnis des Lebens. Jeden Tag ein wenig was für den Rücken tun." Und er schließt mit einem eingängigen Vergleich: "Es reicht ja auch nicht aus in einer Beziehung, nach Jahren ein Mal zum Partner "Ich liebe Dich" zu sagen." Die Entwickler von "Moving", einem speziellen täglichen Trainingskonzept, gehen noch weiter. Sie fordern Rückentraining wie Zähne putzen - ohne viel Hilfsmittel, täglich, konsequent, von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter.
Fest steht, wir sind zu Sitzmenschen verkommen. Aber können wir uns das biologisch überhaupt leisten? "Wir sitzen zu 90 Prozent. 22 Millionen Deutsche haben Rückenschmerzen, weil sie sitzen.", erzählt Prof. Hademar Bankhofer. Der Gesundheitsexperte, bekannt aus Funk und Fernsehen, lässt sich anstecken vom Treiben auf dem "Münchner Rückentag" und probiert vieles selbst aus: Der begeisterte Hobbygärtner hebt schwere Steine mit einer ergonomischen Schaufel rückenschonend aus einem Eimer und tänzelt auf leichten Sohlen nach der Massai Barfuss Technologie durch den Raum. Die Expertenschar mischt sich vor dem Fachsymposium unters Volk, testet rückenschonende Abschlagstechnik für Golfer und wippt auf nachgiebig stoßdämpfenden Bürostühlen, zertifiziert mit dem Prüfsiegel der "Aktion gesunder Rücken".
Auch wir bewegen uns genug auf dem "Münchner Rückentag", jedoch weniger, um auszuprobieren, sondern eher, um alle Angebote an diesem einen Tag mit der Kamera einzufangen. Doch selbst bei den Kamerakollegen gehen die Eindrücke am Abend in die Praxis über. Es wandern zwei Flexibar-Stangen über den Verkaufstisch. Kein Wunder, sie schleppen täglich Kameras auf der Schulter herum, da kommt gezieltes Training im Schulter-Brustbereich mit der schwingenden Aluröhre gerade recht. Es ist übrigens ziemlich langwierig, bis man ein Fitnessgerät entworfen hat und auf den Markt bringen kann, erzählt uns die Erfinderin Barbara Klein. Bis die Stangen endlich aus dem richtigen Material sind, um gesundheitsfördernd zu vibrieren, braucht es Jahre.
Ein Tag rund um den Rücken ist vorbei. Die Arbeiter tragen die schweren Fitnessgeräte mit Gewichthebergürteln zum Lift. Auch bei mir meldet sich nach einem langen Arbeitstag das Rückrat. Morgen mache ich Übungen, bestimmt. Doch warum eigentlich erst morgen? Warum nicht heute? Irgendwie sollte vielleicht doch jeder Tag ein Rückentag sein.
Anke Rau für MED-Magazin
Alle Informationen zum Münchener Rückentag 2006 können der Internetseite unter www.med-magazin.de/rueckentag entnommen werden.
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