(openPR) Es ist in jeder Hausse das Gleiche. Steigen die Kurse aus dem Jammertal, steigt auch der Optimismus der Spekulanten. Steigen die Kurse immer weiter, steigt auch die Hochstimmung und das sichere Wissen, daß jede Hausse ihr Ende findet, verflüchtigt sich allmählich. Das gilt auch für die Blasen an den Anleihen- und Immobilienmärkten. Aber keine Blase lebt ewig. Weder Jammern noch Schönreden hilft dagegen.
Die Aktienmärkte sind bereits schwer angeschlagen. Das bereits deutlich gesunkene Kursniveau kann nur noch mühsam gehalten werden. Die zwischenzeitlichen Kurserholungen wirken sehr bemüht, und beim genauen Hinsehen offenbart sich, daß auch die bereits deutlich gefallenen Bewertungen im Hinblick auf die sich abzeichnende weltfinanz- und weltwirtschaftliche Entwicklung immer noch sehr optimistisch sind.
Überzogene Kurse an den Börsen sind das Resultat sich selbstverstärkender Gier. Es entsteht ein Rausch, der die Akteure vergessen läßt, daß Kurse, also Preise für Unternehmen, Grundstücke, Schuldtitel und deren Derivate, materielle Fundamente haben. Es gibt aber ökonomische Gesetzmäßigkeiten, die weder Hans und Lieschen Müller noch Mario Draghi außer Kraft setzen können. Die EZB kann nichts mehr tun; sie hat ihr Pulver verschossen und steht nun hilflos da. Die Verantwortlichen in der us-amerikanischen FED waren etwas klüger, werden den weltweiten ökonomischen Niedergang aber auch mit dem Verzicht auf weitere Zinserhöhungen oder gar durch neuerliche Zinssenkungen nicht aufhalten können.
Für die Träumer von der ewigen Geldvermehrung mittels faktisch zinsloser Verschuldung gibt es keine Rettung. Das merken die Akteure auch bereits und das macht sie noch nervöser: Wenn alle auf einmal ihre Aktien, Anleihen und Immobilien verkaufen wollten, sackten die Preise bzw. Kurse ins Bodenlose. Noch ist es nicht soweit. Aber potentielle Käufer werden vorsichtiger. Unendliche Kurssteigerungen sind – zumal wenn die realwirtschaftliche Basis schwindet – nicht möglich. Gut, wenn die Luft langsam aus den Blasen abgelassen werden könnte. Weil aber die Letzten immer die Hunde beißen, möchte verständlicherweise niemand Letzte/r sein.
Das unvermeidliche Ende der Blasenwirtschaft erhält zudem durch zahlreiche Handelskonflikte, vor allem dem zwischen USA und China, und die berechtigte Furcht vor einem Brexit-Chaos weitere Brisanz. Ländern, in denen die Zahl der vom Wohlstand Abgehängten inzwischen als Folge politischer Fehlentscheidungen und Versäumnisse auf viele Millionen gestiegen ist, wird die fortschreitende Wirtschaftskrise zudem gravierende soziale und in der Folge auch politische Probleme bescheren. Das gilt durchaus auch für Deutschland. Das Konfliktpotential wächst weltweit. Im Verein mit einer Weltwirtschaftskrise entsteht eine gefährliche politische Gemengelage, die durchaus auch neue Kriege entfesseln könnte.
Haussen und Baissen sind psychologische Massenphänomene, angetrieben von Gier und Angst. Das war immer so und ist heute nicht ein Deut anders. Nur die technischen Hilfsmittel, Computer und spezielle Software für automatisierte Börsengeschäfte sind neu. Sie lösen Käufe und Verkäufe nach bestimmten Algorithmen im Millisekundentakt aus. Da läßt sich viel Geld in winzigen Schritten automatisch gewinnen – aber ebenso verlieren. Denn die Computer sind noch lange nicht intelligent genug. Sie können nicht eigenständig nachdenken wie ein erfahrener Unternehmer oder Spekulant das kann – oder theoretisch könnte, wenn er seine Gier beherrschte.
Der Konjunkturballon läßt derzeit weltweit kräftig Luft und die Angst der potentiell besonders Betroffenen nimmt zu. Unternehmen sind plötzlich (?) überbewertet. Viele Investitionen mit faktisch kostenlosem Geld erweisen sich sogar bei nur geringfügig steigenden Zinsen als Fehlentscheidungen, wenn die Einnahmen mangels Nachfrage sinken. Zur wirtschaftlichen Abkühlung, die – voraussehbar – auf jeden Aufschwung folgt, gesellen sich dann noch soziale und politische Risiken. Es entsteht eine komplexe Gemengelage, die den Akteuren weltweit Angst macht. Und die Angst unterminiert das vernünftige Denken.
Mittlerweile dürften sich zahlreichen Großakteuren existenzielle Fragen stellen: Wie läßt sich der Zusammenbruch von Aktien- und Anleihekursen aufhalten oder wenigstens noch eine Zeitlang verzögern und damit vielleicht auch der eigene Verlust begrenzen oder gar der drohende Bankrott vermeiden? Zwischenzeitliche Kursfeuerwerke zum Ausstieg nutzen? Oder darauf hoffen, daß auch die Kursblasen auf Kosten der kleinen Leute „gerettet“ werden? Wie kann man den Goldpreis einigermaßen in Schach halten, um zu verhindern, daß dieses „Fieberthermometer“ immer mehr Menschen die prekäre Lage bewußt macht und dadurch die Nachfrage nach dem gelben Metall immer weiter steigt? Wie kann man zunehmende Goldkäufe auch verhindern, um so viel Geld wie nur möglich in den Blasen Aktien-, Anleihen- und Immobilienblasen zu halten?
Die Finanzwirtschaft hat in jeder Volkswirtschaft ursprünglich dienende Funktion. Maßen sich ihre Vertreter (und Nutznießer) aber die Herrschaft an und sind die Parlamentarier, die eigentlich Volksvertreter sein sollten, dagegen machtlos oder unterstützen die Herrschaft des Geldes sogar noch, dient die Finanzwirtschaft nicht mehr, sondern herrscht. Nicht um die Bedürfnisse der Menschen und der produktiven Wirtschaft geht es, sondern allein darum, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Der Profit der winzigen Minderheit, die über die Finanzwirtschaft verfügt, ist das einzige und oberste Ziel des Handelns. Der großen Mehrheit produktiv Arbeitender, seien es selbständig oder abhängig Tätige, d.h. denen, die der Finanzwirtschaft überhaupt erst die Existenzgrundlage liefern, bleibt nur noch die Rolle von mehr oder weniger gut entlohnten Sklaven, die es den Bedürfnissen der Herrscher über die Finanzwirtschaft dienstbar zu machen gilt.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit langem mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl der Menschheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten (Internet-)Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
Die begonnene Weltkrise wird wahrscheinlich katastrophale Auswirkungen auf die Menschheit haben. Sie ist aber auch eine große Chance für einen Neustart mit einer Politik, die mehr ist, als wieder nur eine modernisierte Variante der jahrmillionenalten menschentierischen Freibeuterei.
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