(openPR) Hamburger Turbo-Grundschule ist Quatsch
Kommt jetzt die Turbo-Revolution in den Grundschulen? Die Elternkammer in Hamburg wünscht sich mehr Flexibilität und fordert eine Schuleingangsphase, die das individuelle Lerntempo der Kinder unterstützt und je nach Lernstärke die Grundschulzeit verkürzen oder verlängern würde. Schulsenator Ties Rabe signalisierte bereits seine Unterstützung.
Vier Jahre Grundschule sind für die Entwicklung der Kinder grundsätzlich sinnvoll und wichtig, es sollte nicht darum gehen, Kinder schnellstmöglich durch die Schule zu schleusen“, so Sylvia Wehde (Parentsmagazin-Hamburg).
"Schule wird für Eltern und Kinder immer häufiger zur Belastung im Schul- und Reformchaos. Ständig erleben wir, wie gewaltig der Druck auf Kinder und Eltern ist“, so Karsten Gödicke (Parentsmagazin-Hamburg).
„Scham kennen wir Eltern doch alle. Viele haben Angst, beim Thema Schule das Gesicht zu verlieren. Es fällt eben schwer zuzugeben: Mein Kind kommt nicht mit, es braucht Hilfe. Die Erleichterung ist dann groß, wenn die ersten das Eis brechen und bekennen, Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Sofort ist von vielen Seiten zu hören: "Ja, das machen wir auch schon seit einem halben Jahr.
Der entscheidende Punkt ist, dass die Eltern das nicht mehr allein als persönliches Versagen, sondern die Problematik vor allem auch in der Struktur des aktuellen Bildungssystems sehen. Die Kinder haben oft dreimal in der Woche bis 16 Uhr Schule. Das heißt, sie sind um 16.30 Uhr zu Hause. Dann beginnen die Hausaufgaben, und es muss oft bis in den Abend hinein gepaukt werden, um für die nächste Klassenarbeit fit zu sein. Das war doch bei uns früher etwas anders.
Aber alleinerziehende Mütter oder Väter haben ganz andere Probleme. Die kommen um 18 Uhr von der Arbeit. Und dann sitzen sie bis 21 Uhr mit dem Kind am Tisch und üben. Wenn das Geld für Nachhilfe nicht vorhanden ist, kann das Kind vielfach nicht am Gymnasium bestehen. Bildung wird so zu einer elitären Sache: Das hat nichts mit Chancengleichheit zu tun“, so Jeff Wehde (Parentsmagazin-Hamburg):
Ein weiterer Aspekt sind die Verwertbarkeitsgedanken, die wir mit Bildung verwechseln. Junge Leute sollen möglichst mit 23 das Studium abgeschlossen haben und auf den Arbeitsmarkt. Für Lebensbildung, soziale Intelligenz bleibt da wenig Zeit.
Es darf in der Schule nicht länger nur um materielle Werte gehen.
Die Kinder leiden. Es ist einfach absurd: Wir stellen als Erwachsene fest, dass wir in dieser veränderten Welt in einer Geschwindigkeit leben und arbeiten, der wir nicht gewachsen sind. Was machen wir? Wir gehen in die Buchhandlung und kaufen uns alle diese Entschleunigungsbücher, weil wir merken, dass wir damit nicht mehr klarkommen. Aber von unseren Kindern verlangen wir, dass sie das hinkriegen.
Maik Findeisen (Parentsmagazin-Hamburg): „Wir wünschen uns, dass viel konkreter gelernt wird. Die moderne Hirnforschung hat bestätigt, dass sich das am tiefsten einprägt, was man im wahren Wortsinn "begreift". Chemieunterricht, in dem ein Mädchen in der Mittelstufe selber einen Lippenstift herstellt, wird besser hängen bleiben, als wenn es um irgendwelche Formeln für Substanzen geht.
Aber das kann aus Zeitdruck überhaupt nicht stattfinden. Die Kinder werden zu oft einfach nur mit Wissen vollgestopft, das dann bereits nach drei bis vier Monaten wieder weg ist.
Wir müssen ganz grundsätzlich darüber diskutieren: Was soll Schule heute leisten? Es gab noch niemals in der Geschichte eine Phase, wo so viele Veränderungen in so kurzer Zeit auf die Menschen einprasselten. Wir dürfen die Kinder nicht mit Wissen vollstopfen, sondern sie müssen lernen zu lernen. Und wir müssen mehr Herzensbildung betreiben. Schon aus sozialen Gründen. Wir ziehen jetzt Kinder groß, die später ebenso viele Alte versorgen müssen wie Kinder. Wenn es dumm läuft, müssen sie zwei demente Eltern pflegen, während sie ihre eigenen Kinder aufziehen. Wir müssen unsere Kinder zu Mitgefühl erziehen. Da müssen wir jetzt was machen.“













