(openPR) Mit „Doppelmord - Ko des sei?“, einem Volksstück des österreichischen Dramatikers und Journalisten Ludwig Anzengruber, das vom 20. Juli bis 17. August im Endorfer Theater aufgeführt wird, feiert das lustige Sommerspiel sein 50-jähriges Jubiläum.
Anzengrubers Bauernposse in drei Akten erlebte ihre Uraufführung am 1. Februar 1876 im Theater an der Wien. Sie handelt von einem jungen Liebespaar, das sich nur heimlich treffen kann, weil ihre Väter seit Jahrzehnten verfeindet sind und folglich jede Einwilligung zur Eheschließung verweigern. Als Poldi, gespielt von Konrad Hamberger, auf einen in der Zeitung abgedruckten Abschiedsbrief von Doppelselbstmördern findet, schreibt er ihn ab und lässt ihn seinem Vater zukommen. Er versteckt sich mit seiner Geliebten Agerl (Barbara Bichler) in einer verfallenen Hütte und genießt in Ruhe sein Liebesglück. Unterdessen befürchten ihre Eltern das Schlimmste und alarmieren die ganze Dorfgemeinschaft. Als das Liebespaar endlich gefunden wird, geben die Väter endlich ihr Einverständnis zur Hochzeit. Ähnlichkeiten mit William Shakespeares Romeo und Julia sind nicht zufällig und voll beabsichtigt. Ludwig Anzengruber war von Kindheit an begeistert von Friedrich Schiller und auch Shakespeare, sein Lebenstraum war es in die Fußstapfen der großen Dichter zu treten.
„Doppelselbstmord“ ist nicht das erste Anzengruber-Stück, das in Bad Endorf aufgeführt wird. Im Jahr 2008, anlässlich des 40-jährigen Jubiläums, führte die Theatergesellschaft das Stück „Die Widerspenstigen“ auf. Auch dabei handelte es sich um ein auf bayerisch getrimmtes Plagiat eines bekannten Shakespeare-Stückes, nämlich „Der Widerspenstigen Zähmung“.
Hochdramatisch ging es auch im Jahr 1985 zu, als die Theatergesellschaft Bad Endorf das Stück „Jägerblut“ von Benno Rauchenegger auf die Bühne brachte. Regie führte zum ersten Mal Annemarie Ramoser, die das Amt des „weltlichen Spielleiters“ bis heute ausführt. Auch beim „Doppelselbstmord“ im Jahr 2018 wird sie die Spieler dirigieren. Frau Ramoser, die für ihre langjährigen Verdienste im Verein letztes Jahr mit der zweithöchsten Ehrung des Verbands Bayerischer Amateurtheater ausgezeichnet wurde, feiert dieses Jahr zwar kein Jubiläum, aber immerhin eine Schnapszahl. Es ist das 33. Volksstück, bei dem sie die Regie übernimmt.
Außerhalb der Jubiläumsjahre wählten die Endorfer meistens bekannte Volksstücke mit Besucher-Garantie, darunter „Die pfiffige Urschl“, „Thomas auf der Himmelsleiter“ und „Der Horoskop-Wastl“. Als erstes Stück, aufgeführt 1968, nennt die Vereinschronik das Stück „Girgl und Waberl“ von Maximilian Schmidt. Die Hauptrollen spielten damals Heinz Lechermann und Irmingard Klemme.
Nimmt man es ganz genau, ist das Lustspiel in Bad Endorf schon 147 Jahre alt. Laut Vereinschronik führte die Theatergesellschaft im Jahr 1871 das Lustspiel „Abenteuer auf der Eisenbahn“ auf. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich um ein Plagiat des Stückes „Erste Klasse“ von Ludwig Thoma. Allerdings fanden die lustigen Aufführungen vor 1968 nicht jedes Jahr statt. Die heute bekannte Reihenfolge erst religiös, dann lustig gab es damals nicht. Man spielte entweder ein religiöses oder ein lustiges Stück. Deshalb bilden die Jahre vor 1968 in der Vereinschronik eine wilde Mischung aus bekannten Heiligen, Ritterspielen, Volksstücken und sogar Opern. Das bereits genannte Stück „Girgl und Waberl", erlebte seine wirklich erste Aufführung in Bad Endorf im Jahr 1920. Es wurde damals in „Johannisnacht oder Girgl und Waberl“ umbenannt und aufgrund seiner dramatischen Handlung zu den religiösen Stücken gezählt.
Bewundernswert - und durch den Wechsel zwischen religiösem und lustigem Stück bedingt - ist die Fähigkeit der Endorfer Theaterspieler zuerst fromme und heilige Personen darzustellen und nur ein paar Wochen später als zickige Kurgäste, hinterkünftige Haberfeldtreiber oder dumme Bauerndrudscherln aufzutreten. Der Rollentausch beginnt bereits während das religiöse Stück aufgeführt wird, denn für die lustigen Proben bleibt nicht viel Zeit. Das lustige Bühnenbild steht erst zwei Wochen vor der Aufführung zur Verfügung, zuvor muss beim Proben mit Behelfstischen, symbolischen Stühlen und ähnlichen Utensilien improvisiert werden. Sich eine bayerische Bauernstube vorzustellen, während man im Kloster des Heiligen Franziskus steht, fällt den Spielern nicht immer leicht. Spielleiterin Annemarie Ramoser ist aber zuversichtlich, dass dieser Spagat auch dieses Jahr gelingen wird.
Karten für das Stück „Doppelselbstmord - Ko des sei? von Ludwig Anzengruber erhalten Sie über die Webseite www.theater-endorf.de oder an der Theaterkasse (jeweils Montag, Mittwoch und Freitag (außer Feiertag) von 9.00 - 13.00 Uhr), Tel.: 08053-3743.












