(openPR) Wien: 30. Mai 2018 - „Zigaretten rauchen schadet der Lunge, den Gefäßen, dem Herz und löst Krebs aus. Das ist hinlänglich bekannt. Wesentlich weniger bekannt ist eine weitere Folge des Rauchens: Raucher tragen ein weitaus höheres Risiko wie Nichtraucher an Rheuma* zu erkranken. Auch Passivrauchen, besonders bei Kindern und Jugendlichen, erhöht das Rheuma-Risiko deutlich“, warnt Dr. Thomas Schwingenschlögl, Internist und einer der führenden Rheumaexperten Österreichs anlässlich des Weltnichtrauchertages.
Auch Passivrauchen schadet – besonders jungen Frauen
„Alle aktuellen wissenschaftlichen Studien bestätigen, dass Nikotinkonsum bei der Entstehung von Gelenks- und Wirbelsäulenentzündungen wie auch der Schuppenflechte (Psoriasis) Risikofaktor Nummer eins ist. Bei jungen Frauen, die rauchen, ist die Wahrscheinlichkeit, an einer rheumatoiden Arthritis (RA) zu erkranken, 16-fach erhöht im Vergleich zu Frauen, die nicht rauchen. Auch bei einer Therapie ist ein Nikotinverzicht mittlerweile genauso wichtig wie eine medikamentöse Behandlung“, erklärt Dr. Thomas Schwingenschlögl.
Neue wissenschaftliche Studien weisen zusätzlich den Zusammenhang zwischen Passivrauchen und der Entstehung einer rheumatoiden Arthritis eindeutig nach. „Wer in der Kindheit eine Stunde am Tag dem Zigarettenqualm ausgesetzt ist, gilt bereits als gefährdet. Wenn die betroffene Person später dann auch noch selbst aktiv raucht, was bei Jugendlichen häufig der Fall ist, besteht ein besonders hohes Risiko“, sagt Dr. Schwingenschlögl.
Leider rauchen rund 30 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen mit positivem Rheumafaktor oder rheumatoider Arthritis. Generell ist das Rauchverhalten vor allem bei Frauen in Österreich alarmierend hoch (Männer 26%, Frauen 22%). In keinem anderem EU Land rauchen junge Mädchen zwischen 12 und 18 mehr als in Österreich - nämlich 29%. „Und das hat mit der Entstehung rheumatischer Erkrankungen einen direkten Zusammenhang,“ meint Dr. Schwingenschlögl.
„Mädchen dürften Rauchen zum Teil zur Gewichtsregulation einsetzen um weniger zu essen und Hungergefühle zu unterdrücken,“ so Dr. Schwingenschlögl. Die Sucht entsteht durch die Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin im Gehirn, der uns Wohlbefinden beschert. Lässt die Nikotinwirkung nach, wird auch weniger Dopamin ausgeschüttet. Unser Körper verlangt dann neuerlich nach dem Nikotin.
„Betroffene unterschätzen die Rolle des Tabakkonsums bei der Entstehung und dem Verlauf einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung massiv“, warnt Dr. Thomas Schwingenschlögl eindringlich vor den Folgen des Rauchens.
*) Rheumatische Leiden wie die rheumatoide Arthritis sind Autoimmunerkrankungen, bei der sich die körpereigene Abwehr gegen unseren Körper richtet anstatt ihn vor Schäden von außen zu schützen. Diese fehlgeleitete Immunreaktion führt zu entzündlichen Prozessen in Gelenken, Muskeln, der Wirbelsäule aber auch in Organen.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Rauchen und Passivrauchen: Rauchen induziert die Citrullination von Eiweißen in unserem Körper. In der Folge kommt es zur Bildung von bestimmten Autoantikörpern (ACPA), die den Ausbruch von rheumatischen Entzündungen wie der rheumatoiden Arthritis begünstigen. Besonders oft ist dieses Phänomen zu beobachten, wenn andere Familienmitglieder an rheumatoider Arthritis leiden.
Rauchen verschlechtert darüber hinaus den Krankheitsverlauf einer bestehenden rheumatoiden Arthritis und führt zu einer höheren entzündlichen Aktivität. Raucher brauchen auch deutlich mehr und stärkere Medikamente. Patienten mit einer aggressiven rheumatoiden Arthritis haben eine um ca. 10 Jahre kürzere Lebenserwartung als ein gesunder Österreicher.
Diese negativen Folgen sind auch für andere rheumatische Erkrankungen wie dem Morbus Bechterew, einer schmerzhaften Entzündung der Wirbelsäule, oder dem systemischen Lupus erythematodes, einer Autoimmunerkrankung von Bewegungsapparat, Haut und Organen, nachgewiesen worden. Dies gilt ebenso für die Schuppenflechte und die Kombination dieser Hauterkrankung mit einer Gelenksentzündung, der Psoriasisarthritis.
Ein Stopp des Rauchens macht in jedem Stadium von Rheuma Sinn und verbessert zusätzlich das Ansprechen auf Medikamente.







