Sprachlich und inhaltlich korrekt verfasste Texte sind nicht nur für Zeitungen oder wissenschaftliche Arbeiten von höchster Relevanz. Auch ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskommunikation erfolgt über das geschriebene Wort – Texte, die verwendet werden, um das Unternehmen, dessen Produkte, Dienstleistungen und Prozesse zu beschreiben. Das Redigieren von Texten vor deren internen oder externen Veröffentlichung spielt dabei eine wichtige Rolle.
Was bedeutet Redigieren?
Definition: Redigieren ist lateinischen Ursprungs und das Redigieren von Texten steht frei übersetzt für "in Ordnung bringen".
Texte zu redigieren, ist eine wichtige Kompetenz für Autoren, Redaktoren (auch für Redakteure) sowie PR- und Marketing-Experten und beschreibt den Vorgang, wie eigene Texte oder die von Kollegen auf inhaltliche Aspekte überprüft werden. Das Redigieren sorgt auch für klaren und präzisen Text. Er gewinnt an Genauigkeit und Treffsicherheit. Der Redigierende untersucht bei diesem Prozess
- Grammatik,
- Rechtschreibung,
- Zeichensetzung,
- syntaktischen Aufbau
- und richtige Verwendung der Worte.
Welche Ziele verfolgt das Redigieren von Texten?
1. Fehlerbehebung und korrekter Sprachgebrauch:
- Ist der Text hinsichtlich der zu übermittelnden Informationen „maßgeschneidert“?
- Geprüft werden: Grammatik, Satzbau, Rechtschreibung, Zeichensetzung (Interpunktion), Klarheit im Ausdruck.
2. Sprachliche und visuelle Beständigkeit:
- Decken sich Sprache und Struktur und lassen beide eine Einheit erkennen?
- Werden die richtigen Begriffe verwendet?
- Ist die Rechtschreibung korrekt, wird die Groß- und Kleinschreibung beachtet?
- Werden die Sätze beim Zeilenumbruch korrekt getrennt (Silbentrennung)?
- Werden die richtigen Abkürzungen verwendet und werden diese auch, wenn es für die Lesbarkeit des Textes erforderlich ist, erklärt?
- Werden Zahlen, Nummern und quantitative Daten korrekt dargestellt?
- Ist das Erscheinungsbild einheitlich und angemessen (Seitenlayout, Typografie, Schriftbild)?
- Ist die Struktur gut erkennbar (Hierarchie der Überschriften)?
- Sind Tabellen so gestaltet, dass sie auf Mobilgeräten korrekt wiedergegeben werden (responsiv)?
- Wurde auf die Bildbeschreibungen und Bildunterschriften geachtet (wichtiges Merkmal in Bezug auf Suchmaschinenoptimierung)?
3. Genauigkeit / Richtigkeit:
- Stimmen die Daten, auf die der Text Bezug nimmt?
- Verweisen die Hyperlinks auf die korrekten Seiten und sind „broken links“ ausgeschlossen?
- Sind die Querverweise im Text richtig und gesetzt?
- Sind textliche und bibliografische Verweise und Zitate korrekt ausgezeichnet?
- Werden alle Quellen im zugehörigen Verzeichnis angeführt?
Was ist der Unterschied zwischen Redigieren und Lektorieren?
Der Begriff "Redigieren" wird oft synonym mit "Lektorieren" verwendet, aber es gibt einige wesentliche Unterschiede:
- Redigieren ist die Überarbeitung des gesamten Textes mit dem Ziel, den Inhalt zu verbessern oder zu verändern, um sicherzustellen, dass er klar, präzise und für die Zielgruppe relevant ist. Das Endergebnis ist ein Text, der sowohl hinsichtlich des Inhalts als auch des Layouts frei von Fehlern ist und damit veröffentlicht werden kann.
- Lektorieren bezieht sich auf die Korrektur von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sowie von stilistischen Ungenauigkeiten. Ein Lektor überprüft den Text hinsichtlich Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik, Stil. Er korrigiert Fehler und stellt sicher, dass der Text den richtigen Ton trifft.
Vorgehensweise beim Redigieren von Texten
Das korrekte Redigieren von Texten ist entscheidend dafür, ob ein Text gelesen und wahrgenommen, ob er geteilt wird oder unbeachtet bleibt. Dies gilt für alle Formen von Texten. Ob wissenschaftliche Arbeit, Pressemitteilung, Blog-Post oder vielleicht sogar für einen Liebesbrief (bei dem der Aspekt des Verteilens eher nachrangig angesiedelt ist). So gesehen ist das Redigieren eines Textes keine überflüssige Arbeit, keine lästige Notwendigkeit, sondern es verhilft dem Text zu mehr Schlagkraft und Wirkung.
Welche Kompetenzen sollte ein Redaktor mitbringen?
Wie bei vielen anderen Aufgaben auch, ist es beim Redigieren die Übung, die entscheidend ist. Bestimmte Kompetenzen wie ein gutes Sprachgefühl, die Sicherheit in der Rechtschreibung und vor allem das Wissen über die verschiedenen Textsorten sind für einen guten Redaktor die Basis, um Texte erfolgreich zu redigieren.
Auf einer anderen Ebene muss er sich in die Welt des Auftraggebers hineindenken. Er beachtet die generellen Stil- und Textvorgaben und richtet seine Leistung danach aus. Beispiele:
- Wie werden die Leser angesprochen (Du / Sie)?
- Wie sind die Kommunikationsregeln der Organisation, des Unternehmens?
- Welche Standards sind zu beachten?
- Für welche Zielgruppe ist der Text (Investoren, MitarbeiterInnen, Behörden, …) vorgesehen?
Checkliste für das Redigieren von Texten
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Geprüft |
Aufgabe |
Beispiele / Tools |
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Einwandfreie Sprache, richtige Zeichensetzung, korrekte Groß- und Kleinschreibung. |
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Ist die Semantik mangelfrei? Den Begriff „Semantik“ kennt man auch aus der Informatik. Dort steht er für die Logik in Programmiersprachen. Ein semantischer Fehler kann zur Unterbrechung / Fehlfunktion des Programms führen. |
Auf Textebene führen semantische Fehler u. U. zu Fehlinterpretationen, obwohl der Text syntaktisch richtig ist: „Der Hobbysportler hat sich intensiv und lange auf den Sieg beim Marathon vorbereitet“. Üblicherweise streben Hobbysportler keinen Sieg an, für sie gilt eher das Motto „dabei sein ist alles“. Ebenso ist eine intensive und lange Vorbereitung wahrscheinlicher im Profi-Segment zu finden. |
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Dichte der Füllwörter: Sie blähen den Text auf. Man kann sie aus dem Text streichen, ohne dass die Aussage darunter leidet, der Stil aber gewinnt. |
„Anscheinend, ausnahmslos, natürlich“ sind nur einige der Füllwörter, die Texte „aufblähen“. Infos dazu sind auf diesen Seiten zu finden:
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Sind die vorgegebenen Standards eingehalten? |
Abhängig vom Medium erfolgt die Veröffentlichung unter Einhaltung bestimmter Vorgaben (Standards). Diese sind bei einem Fachmagazin anders als bei einem Kinderbuch. Eine Webseite mit juristischen Informationen unterscheidet sich stilistisch von einem Instagram-Blog für neueste Modetrends. Beim Redigieren sind nicht nur das Layout, sondern auch der Wiedererkennungswert wichtige Größen. |
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Ist der Text fachlich richtig, sind die richtigen Quellen angeführt, die Zitationsregeln eingehalten? |
Fachliche Aussagen müssen nachvollziehbar und korrekt wiedergegeben werden. Es ist zu empfehlen, dass bei schwierigen Themen ein Fachexperte beigezogen wird (Fachanwalt etc.). Werden Webseiten redigiert, sind die Google Search Guidelines (2022) zu beachten. Der EAT – Standard der Suchmaschine steht für Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness (Fachwissen, Autorität, Vertrauenswürdigkeit) und gibt derart gestalteten Seiten einen höheren Stellenwert bei der Suche, vor allem wenn Your Money, Your Life (YMYL) – Inhalte publiziert werden. Info: What Are EAT and YMYL: New Google Search Guidelines Acronyms (semrush.com) |
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Ist das Layout korrekt und wird der Text auf allen Endgeräten richtig dargestellt oder gibt es andere optische Mängel. |
Der Trend zu mobilem Surfen ist ungebrochen steigend. Beim Layouten ist das mobile First-Prinzip zu beachten. Bilder sollten in unterschiedlichen Formaten beigestellt werden (neuer Standard: webPMB). Sowohl für den Druck als auch im Web sind gut lesbare Schriftarten zu wählen. |
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Prüfung auf juristische Fußangeln |
Auszuschließen sind Copyright-Verletzungen (Bild, Text, Ton) und Inhalte, die eine Abmahnung wegen Wettbewerbsverletzung (z. B. DSGVO-Verstoß) nach sich ziehen. Im Zweifelsfall ist juristischer Beistand einzuholen. |
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Ist der Text geeignet, Leser zu begeistern und zu motivieren, sie zu informieren? |
Mehrmaliges Korrekturlesen durch andere, am besten uninformierte Personen kann bei der Entscheidung sehr helfen. |
» Checkliste für das Redigieren von Texten (Word-Dokument) hier herunterladen!
Die „Stolperfallen“ beim Redigieren
Das Redigieren ist eine Hilfestellung für den Autor des Textes, um diesen in einer Form zu veröffentlichen, dass Leser einen Nutzen daraus ziehen, ihn teilen und weiterempfehlen. Neben der Fehlerkorrektur (Kommasetzung, Satzlängen, übermäßige Modalverben und mehr) achtet der Redigierende auch auf den Stil, das Layout und die Sprache, die der Autor gewählt hat.
- Individuellen Stil beachten: Keinesfalls wird der Text so umgeschrieben, dass der ursprüngliche Text nicht mehr erkennbar ist. Er ist und bleibt immer noch das einzigartige Werk des Autors, und es geht beim Redigieren darum, nicht nur zu korrigieren, sondern die Wahl der stilistischen Mittel zu optimieren.
- Schreiben ist nicht sprechen: Texte, die vom Autor erzählend geschrieben sind, laufen Gefahr, das Assoziationsvermögen des Lesers zu überfordern. Das reicht von verkürzten Formulierungen bis zu den koordinierenden Konjunktionen (aber, dann, nämlich, beziehungsweise, sondern), die Sätze gleichen Grades verbinden (Hauptsatz mit Hauptsatz, Nebensatz mit Nebensatz). Das soll der Klarstellung dienen, führt aber sehr oft zu Gedankensprüngen. Die Aufgabe der Redaktion ist es nun, den Textfluss zu optimieren und mögliche Lücken zu schließen.
- Lange Sätze kürzen, wenn sie der Autor nicht als Stilmittel einsetzt: Sätze, die aus mehr als 25 Worten bestehen, sind schwer zu lesen. Das führt dazu, dass Inhalte überlesen und nicht wahrgenommen werden. Sehr oft ist es ganz einfach, den Text in mehrere Sätze aufzuteilen und dadurch die Wirkung zu erhöhen. Im Zweifelsfall ist der Autor über seine Intention zu befragen. Möglicherweise gehören lange Sätze zu seinem persönlichen Schreibstil. In vielen Texten, vor allem der klassischen Literatur findet man Sätze, die bis zu 300 und mehr Wörtern umfassen. Der aktuelle Trend spricht dagegen, da kaum jemand die Zeit findet, sich durch so ein „Satzungetüm“ zu kämpfen.
- Struktur vor Inhalt: Es gibt viele Texte, die alle wichtigen Qualitätsmerkmale aufweisen. Wenn jedoch die Struktur, der „rote Faden“, für den Leser nicht erkennbar ist, dann geht unter Umständen der Zusammenhang verloren. Abhängig von der Art des Textes sollte der Aufbau einer Struktur folgen, die dem Leser Orientierung gibt. So kann er rasch die wichtigsten Aussagen erkennen.
Fazit
Ein zum Redigieren bereitstehender Text hat bereits eine oder mehrere Korrekturschleifen durchlaufen (Korrekturlesen, Lektorat, …). Deshalb werden beim Redigieren keine gravierenden Fehler entdeckt, sondern es geht um den Unterschied zwischen amateurhaft und professionell. Selbst professionelle Autoren und Texter finden in den eigenen Texten nur rund 85 % der möglichen Fehler. Das Redigieren ist ein akribischer und systematischer Prozess, dem das Manuskript unterzogen wird, um tatsächlich alle Fehler zu finden und diese zu beheben. Dabei ist darauf zu achten, dass der Ursprungstext nicht so stark verändert wird, dass ihn selbst der Autor nicht mehr erkennen würde.