Die Künstlerinnen lieben ihre individuelle Art des Co-Working: eine Art Düsseldorfer Modell zur Nachahmung in der Künstler- und Designer-Welt empfohlen.
“Es ist viel schöner und produktiver nicht alleine in der Werkstatt zu sitzen. In der Gruppe bereichert man sich gegenseitig, ist im stetigen Austausch, bekommt schneller und unmittelbarer Korrektur oder Kritik, kann sich behilflich sein”, sagte Melanie Warnstadt, “Events und Ausstellungen sind zu mehreren besser und effektiver umzusetzen, die Arbeit verteilt sich auf mehrere Schultern. Impulse und Ideen sind vielseitiger”.
Für Maren Düsel “ist die Konstellation das Spannende. Jede von uns arbeitet individuell, verfolgt einen eigenen künstlerischen oder konzeptionellen Ansatz und hat ihre eigene Art und Weise diesen umzusetzen. Das zeigt sich in der Wahl der Materialien, der Formsprache und Technik. Es entsteht eine Vielfalt und die Arbeiten stehen nicht in Konkurrenz zueinander”.
“Gerade weil wir so unterschiedlich sind und so unterschiedlich arbeiten, ist der gegenseitige Austausch anregend. Jeder bringt Wissen mit, von dem der andere profitieren kann”, ergänzt Sofia Beilharz, “dank der Gemeinsamkeit fiel es uns leichter, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen und sich in dieser zu üben, langsam durch unterschiedliche Aktivitäten und Beteiligungen bekannt zu werden und so einen Kundenstamm aufzubauen”.
Den Namen ihres Arbeitsplatzes zu finden, war für die Designerinnen übrigens einfach. Lynne Philippé: “Das indische Restaurant im Hause ist allgegenwärtig. Wir haben eine gemeinsame Adresse auf der Düsselthaler Straße 1a in Düsseldorf-Pempelfort, wir nutzen den gleichen Eingang, begegnen uns ständig, riechen die Gerüche aus der Küche, stolpern regelmäßig über den Tandoriofen im Flur, sind im Hinterhof hinter dem Restaurant - und wir essen gerne indisch.”
Kurze Portraits der Designerinnen: Kunst mit Konzept
Sofia Beilharz, 33 Jahre, Schmuckdesignerin, im Juli 2013 MA Applied Art and Design, seit August 2013 selbstständig. Die Arbeiten von Sofia Beilharz kennzeichnen sich durch ein sehr schlichtes und reduziertes Design und beziehen sich immer wieder auf ihr Grundthema „Einfachheit“. Ausgangspunkt sind dabei oft die geometrischen Grundformen und ihr Wandel von der Zweidimensionalität hin zur Dreidimensionalität. Die aufgrund ihrer Leichtigkeit bevorzugten Materialien Aluminium und Kunststoff verwendet sie fast ausschließlich in den Farben Silber, Gold und Schwarz.
Lynne Philippé, 34 Jahre, Schmuckkünstlerin und Illustratorin. Februar 2014 MA Applied Art and Design. Lynne ist seit August 2013 im Atelier. Sie arbeitet mit Keramik, Seidenfäden, Emaille, Federstahl, Silber und Gold. Stücke von ihr wurden u.a. in der Graduation Show der Galerie Marzee in Nijmegen ausgestellt, für den Wettbewerb New Traditional Jewellery der Messe Sieraad in Amsterdam nominiert und im Museum Arnheim ausgestellt. Als Illustratorin zeichnet, collagiert und klebt sie auf Papier, Karton und Pappe. Im Dezember 2015 erscheint ihr erstes Buch in Zusammenarbeit mit dem Autor Peter Jamin im Verlag Magenta.
Maren Düsel, 32 Jahre, Schmuckdesignerin, im Juli 2013 MA Applied Art and Design, seit August selbstständig. Ihre Arbeiten konzentrieren sich auf Kontraste, vorwiegend Materialkontraste. Spannungen zwischen verschiedenen und ungewöhnlichen Materialen setzten die Akzente in den Schmuckstücken. Auch das Spiel mit Farbtönen nimmt eine wichtige Rolle ein, um die Neugierde von Betrachtern und Trägern zu wecken. So entstehen Ketten, die auf den ersten Blick aus grafischen schwarzen Flächen bestehen. Bei genauerem Hinsehen werden feine Tonwertkontraste aufgrund unterschiedlicher Materialität erkennbar. Das Wechselspiel von warmen und kalten Materialien, wie angebranntem Holz und geschwärztem Stahl machen den Reiz dieser Ketten aus. Hinter dem Verwenden von außergewöhnlichen Materialien im Schmuck steckt bei Maren Düsel die Idee, nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei dem Träger bzw. Betrachter eine Sensibilisierung mit dem Umgang von neuen oder bekanntem Material herbeizuführen, und eine neue Art der Anwendung und die Vielfalt möglicher Materialitäten im Schmuckbereich aufzuzeigen.
Melanie Warnstaedt, 37 Jahre, freiberufliche Schmuck- und Produktdesignerin, Fotografin, Diplom 2009. "Lieber wachsen als grosstun" (-E.H. Bellermann) ist das Motto der Designerin. "Gewachsen" so der Titel ihrer Diplomarbeit, der sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeiten zieht. Mal findet man Wachstum in stetig verändernden Oxidationsprozessen, mal ist es das eigene Wachsen an seinen Aufgaben. Diese zum Teil chemischen Eigenschaften oder auch persönlichen Emotionen transportiert sie in Ihre Arbeiten. Stets offen nimmt sie ihre Umwelt und Mitmenschen wahr. Als Ventil dient der Schmuckdesignerin ihre kreative Arbeit. So entstehen unter anderem Projekte für die Düsseldorfer Aidsstiftung, bayer material science oder Schmuckstücke aus den Geschichten ihrer Familie - der Wirtschaftswunderzeit, der 1950er Jahre. Nur nicht stehen bleiben, offen sein, zuhören können, Geschichten erzählen und den Spass an der Arbeit nicht verlieren ist das Ziel ihres Schaffens.