(openPR) Die deutschsprachigen Medien haben ein Thema wieder entdeckt mit dem vor rund zehn Jahren keine Maus hinter dem Ofen hervorzuholen war: Europa! Entweder ein Europa als stete Krise und bürokratischer Moloch oder ein Europa als letzte Chance gegen Abschottung und Isolation politischer und wirtschaftlicher Art. Winfried Neun, Chefredakteur der NEUNsight, hat beides bereits 2012 vorausschauend beschrieben, in seinem Buch „Nach dem Crash ist vor dem Crash - Praktische Tipps, um aus Krisen zu lernen und neue zu vermeiden.“
In einem kürzlich erschienen Gastbeitrag für die Tageszeitung die „Welt“, skizziert Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble die Situation Europas so: „Bei aller Begeisterung für die europäische Idee: Die EU – das Wirklichkeit gewordene vereinte Europa – verführt nicht zum Träumen, sie stellt heute kaum jemanden zufrieden. Europa ist in den vergangenen Jahren fast schon ein anderes Wort für „Krise“ geworden. Und dieser Krisenmodus gehöre zu Europa. „Die fortschreitende Integration ist immer eine Reaktion auf vorangegangene Nöte und Bedrängnisse gewesen. Diese sind auch Chancen, denn die Erfahrung lehrt, dass Reformen in Krisenzeiten eher gelingen als unter normalen Umständen. Und Reformen braucht es“, fasst der ehemalige Bundesfinanzminister die dringendsten Aufgaben zusammen.
Den Aussagen des Bundestagspräsidenten stimmt Winfried Neun uneingeschränkt zu. Für den Verhaltensökonomen ist Skepsis angesichts der realen europäischen Lage aber durchaus angebracht. „Der griechische Schuldenschnitt scheint gelungen zu sein, es bleibt ein Grundproblem aber weiterhin bestehen: eine nachhaltige Konsolidierung der einzelnen Staatshaushalte kann nur mit mehr Wachstum und grundlegenden Strukturreformen gelingen“, so Winfried Neun. Denn die europaweite Schuldenbremse - falls diese überhaupt eingehalten wird - therapiert nur Symptome - sie führt nicht zu dem dringend benötigten Vertrauen und einer wirtschaftlichen Konsolidierung, ist Neun überzeugt. Und diese ist nur zu erreichen, wenn grundlegende Änderungen im wirtschaftlichen und auch im politischen Handeln ganzer Länder und in den Unternehmen stattfinden.
Intelligentes Wachstum mit Nachhaltigkeit zu verbinden sei eine Hauptaufgabe der
Unternehmen und der Politik aktuell und in Zukunft angesichts der zunehmenden Ressourcenknappheit wichtiger denn je“, so Neun. „Intelligentes Wachstum kann aber nicht verordnet werden und die Politik kann und soll nicht alles regeln“, so Neun. „Die Politik muss vernünftige Rahmenbedingungen schaffen.“ In der derzeitigen Debatte über die Zukunft Europas sieht der Verhaltensökonom auch ein leidiges und sehr deutsches Phänomen. „Wir verzetteln uns wieder einmal in Einzelfragen, anstatt das Kernproblem zu betrachten.“
Winfried Neun plädiert vielmehr dafür, „vergessene“ Werte wie Nachhaltigkeit, Loyalität, Gemeinwohl und Nutzen wieder verstärkt in das politische wie das unternehmerische Handeln einzubringen. Nur mit einer auch auf verhaltens- und wirtschaftspsychologischen Aspekte eingehenden Strategie, so Neun, ließe sich intelligentes Wachstum und damit auch Vertrauen in die politischen Handelnden wieder herstellen und sicherstellen.
Solches Handeln führe zu dem neuem - und in diesem Fall beschränkt auf die wirtschaftspolitische Diskussion bisher völlig fehlenden Begriff des Nutzens - den eine Dienstleistung oder ein Produkt für den Anwender erbringen muss. Damit gehe gleichzeitig eine neue Definition des bisherigen Wachstums-Begriffs einher, der weniger prozentual in der Steigerung, denn nachhaltig in die Tiefe gehend sein müsse. „Unternehmen müssen intelligenter wachsen als bisher, die regionale Expansion hat ausgedient, das innovative und intelligente Wachstum tritt an seine Stelle“, so Winfried Neun, schon vor rund fünf Jahren in seinem Buch.
Dass Krisen auch ihr Gutes haben, macht Winfried Neun an der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 fest. Mit ihr habe in der Weltwirtschaft eine neue Zeitrechnung begonnen, so der Verhaltensökonom. Deutschland ist zum Motor der wirtschaftlichen Erholung und Neuorientierung geworden. „Gleichzeitig wird die Psychologie immer mehr zum bestimmenden Faktor des Wirtschaftens und die Verhaltensökonomie zu einem nachhaltigen Faktor in der Politik“, resümiert Neun die zukünftige Entwicklung nicht nur auf Europa bezogen.















