(openPR) Bad Ems. Integration durch Arbeit scheinen die Zauberworte zu sein in Zeiten, in denen Handwerk und Unternehmen auf unbesetzten Ausbildungsstellen sitzenbleiben. Das noch zu erschließende Potenzial der großen Anzahl von jugendlichen Migranten in Deutschland (mehr als die Hälfte der Migranten sind jünger als 25 Jahre) könnte diese Lücken füllen. Die Chancen und Herausforderungen, die mit dem vielschichtigen Thema „Ausbildung von Migranten und Geflüchteten“ verbunden sind, beleuchtete am 23. Januar 2018 auf Einladung der Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises der Migrationsserviceberater der „KAUSA Servicestelle Rheinland-Pfalz“, Miguel Blotzki-Martinez, im Rahmen eines Rhein-Lahn-Wirtschaftsforums im Kreishaus in Bad Ems. Die von den rheinland-pfälzischen Handwerkskammern getragene Servicestelle besteht als Koordinierungsstelle „Ausbildung und Migration“ und ist Teil des Ausbildungsstrukturprogramms „Jobstarter“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Kausa entwickelt und etabliert an mehr als dreißig Standorten bundesweit regionale Beratungsnetzwerke, um Selbstständige, junge Migranten und Flüchtlinge sowie Eltern hinsichtlich der Ausbildung und des Einstiegs in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Bei der Begrüßung der Forum-Teilnehmer, darunter Vertreter der Kreisverwaltung, der Kammern, der Jobcenter und Arbeitsagenturen, aus Berufsbildenden Schulen und Ausbildungsbetrieben, nannte Frank Puchtler, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, die Entwicklung von Perspektiven für eine berufliche Existenz eine entscheidende Grundlage für die Integration der Geflüchteten. Auf diesem Feld sind bereits viele Akteure tätig: Ehrenamtskreise, Willkommenseinrichtungen, kommunale und soziale Einrichtungen, Integrationscoaches der Kammern und etliche mehr. Ihre Vernetzung will Kausa verbessern, um die ausbildungsinteressierten Jugendlichen mit zielorientierten Angeboten fit für die duale Ausbildung zu machen. Im Moment beginnen nur 34 Prozent der Geflüchteten (knapp 50 Prozent bei den übrigen Jugendlichen) nach einer Berufsberatung eine Ausbildung. Die Hauptursachen sind ein zu niedriges Sprachniveau, zu hohe Qualifikationsanforderungen der Betriebe, regionale Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage, aber genauso die nicht genügend ergründeten Berufsbilder der Geflüchteten. Zudem fehle die Anerkennung niedrigschwelliger Berufe, damit auch der (relativ geringe) Prozentsatz der Geflüchteten ohne anerkannten Schulabschluss sich leichter in den Arbeitsmarkt integrieren lasse.
Obwohl Bewerberzahlen und Ausbildungsplatzangebot rein rechnerisch nahezu gleich hoch sind, bleibt derzeit wenigstens einer von drei der gemeldeten Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt. Davon betroffen ist besonders das Handwerk, wo sehr hohe Anforderungen an die Bewerber gestellt werden. Aber auch in anderen Bereichen, wie bei den Hotel- und Gastronomiebetrieben und der Baubranche fehlt der Nachwuchs. „Eine Katastrophe“, sagte eine Teilnehmerin. „Wir haben unsere Ausbildungsplätze überall gelistet, doch niemand bewirbt sich darauf“. Blotzki-Martinez verwies prompt auf den Pool der mehr als siebzig motivierten und ausbildungsinteressierten 18- bis 35-jährigen Geflüchteten, die von der Kausa-Servicestelle betreut werden. Die meisten von ihnen haben eine solide Schulausbildung und werden als geeignet für eine Erstqualifizierung (EQ) eingestuft. In einem rund einstündigen Beratungsgespräch sei ihnen hinsichtlich ihrer schulischen Vorbildung, sprachlichen Fähigkeiten und beruflichen Vorstellungen gründlich auf den Zahn gefühlt worden. Blotzki-Martinez ermutigte die Unternehmer, mit der Unterstützung von Kausa den Schritt in die Ausbildung Geflüchteter zu wagen. Mit dem halb- bis einjährigen EQ-Konzept „drei Tage im Betrieb, zwei Tage Sprachkurs“ solle durch langsames Heranführen auf die Ausbildung hingearbeitet werden. „Wenn wir das hinkriegen, wären wir im Rhein-Lahn-Kreis ziemlich beispielhaft“. Ein für die über Kausa zugeteilten Jugendlichen ehrenamtlich erbrachter, umfassender „Senior-Experten-Service“ wird diesen Weg auf Wunsch betreuend begleiten. Die Kosten der vergütungspflichtigen EQ werden dem Arbeitgeber durch die Arbeitsagenturen erstattet.
Etliche Fragen aus dem Teilnehmerkreis machten deutlich, dass es noch viele Unklarheiten vor allem hinsichtlich der Modalitäten rund um die Einstellung von Geflüchteten gibt. Eingeholte Informationen hätten sich oft als wenig zuverlässig erwiesen, kompetente Hilfe habe gefehlt. Frank Puchtler forderte in dem Zusammenhang ein besseres Regelwerk für das sehr komplexe Thema, innerhalb dessen es bislang nur eine Vielzahl an Strukturen und Entscheidungen gebe. Kausa will Hilfe leisten und sich auch komplizierter Einzelfälle annehmen. Ein großes Hemmnis für die Besetzung von Ausbildungsplätzen mit Geflüchteten ist offenbar der vielfach noch ungeklärte Asylstatus. Ohne diesen Status erhalten die Arbeitgeber keinerlei Förderung. Zudem verunsichert die Sorge um eine mögliche Abschiebung der Auszubildenden bei abgelehntem Asylantrag. Blotzki-Martinez stellte sie jedoch als unbegründet dar. Im Rahmen der „3 plus 2-Regelung“ gebe es gemäß Paragraph 60a des Aufenthaltsgesetzes für drei Jahre Ausbildung ein Recht auf Duldung plus weitere zwei Jahre, sofern ein Arbeitsplatz im erlernten oder der Ausbildung ähnlichen Beruf eingenommen wird. Gleichberechtigt behandelt werde die der Ausbildung vorgeschaltete EQ, die als Langzeitpraktikum im später ausbildenden Betrieb gilt.










