(openPR) Zum 500. Mal jährte sich 1992 die Ankunft Kolumbus’ in der ‚Neuen Welt‘. Als die spanische Regierung Anfang der 1970er Jahre mit dem Vorhaben an die Öffentlichkeit trat, aus Anlass dieses Jubiläums milliardenschwere Gedenkfeierlichkeiten zu veranstalten, löste sie damit eine breite Debatte darüber aus, wie das historische Ereignis von 1492 und seine Folgen aus heutiger Perspektive zu bewerten sei. Das Buch „Genozid als Heldenepos? Spanien und der 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas“ von Ursula Debus stellt diese Kontroverse nun erstmals umfassend dar.
In ihrem im März 2017 im Shaker Verlag erschienenen Buch liefert die Literaturwissenschaftlerin eine Bestandsaufnahme der Debatte im Vorfeld von 1992, in der zahlreiche prominente Stimmen aus Spanien und Lateinamerika zu Wort kommen. Begann 1492 die grandiose Verbindung zweier Welten – oder war dieses Datum der Auftakt zum „größten Genozid der Menschheitsgeschichte“ (Tzvetan Todorov), dessen tragische Folgen bis in die Gegenwart reichen? Diesem komplexen Thema widmet sich die Autorin in ihrer Diskursanalyse.
Der sachlich gehaltene Überblick über die teils scharf geführte Kontroverse basiert auf einer aufwendigen Auswertung spanischsprachiger Printmedien im Vorfeld von 1992 sowie im Jubiläumsjahr selbst. In der Debatte, an der Politiker und WissenschaftlerInnen ebenso teilnahmen wie bekannte Schriftsteller und Sprecher von NGOs, ging es um mehr als die Erinnerung an ein fünfhundert Jahre zurückliegendes historisches Ereignis. Denn die unterschiedlichen Geschichtsbilder stiften verschiedene Identitäten und wirken damit in die Gegenwart hinein.
Drei zentrale Begriffe stehen in der Debatte für drei höchst unterschiedliche Geschichtsbilder: „Descubrimiento“ (Entdeckung), „encuentro“ (Begegnung“) und „invasión“ (Invasion). Den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten in Spanien lag der Begriff der „Begegnung zweier Welten“ zugrunde, der jedoch von den Feierkritikern bald kritisiert wurde - ebenso wie das Narrativ einer „humaneren Kolonisierung“ durch die Spanier im Vergleich zu anderen Kolonialmächten. Doch geht die Debatte weit über die Bewertung der Kolonialgeschichte hinaus und beschäftigt sich auch mit der gegenwärtigen Realität Lateinamerikas.
Dabei verlaufen die diskursiven Fronten diesseits und jenseits des Atlantiks oft ganz anders als erwartet, quer zu politischen Lagern und nationalen Grenzen. Zahlreiche spanische Originalzitate von bekannten Debattenteilnehmern wie Mario Vargas Llosa, Eduardo Galeano oder Rafael Sánchez Ferlosio lassen die Diskussion vor dem Auge des Lesers lebendig werden. Und im Schlusskapitel "Zukunftsperspektiven" wird klar: Viele der damals aufgeworfenen Fragen zur Globalisierung müssen heute dringender beantwortet werden denn je.
Das in der Reihe „Berichte aus der Literaturwissenschaft“ erschienene Buch ist auch als E-Book erhältlich.
Autorin:
Ursula Debus, Jahrgang 1964, studierte Romanistik, Germanistik und Soziologie in Frankfurt am Main und war danach mehrere Jahre im Lektorat des S. Fischer Verlages tätig. Sie arbeitet in Hamburg als Lektorin, PR-Redakteurin und Systemische Beraterin.
www.ursula-debus.de
Website zum Buch inklusive Leseprobe: www.descubrimiento-america.de
Weitere Informationen:
„Genozid als Heldenepos. Spanien und der 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas“
Verlag: Shaker, März 2017, Aachen
Autorin: Ursula Debus
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-8440-4807-0
Erhältlich im Online-Buchhandel und direkt beim Shaker Verlag unter https://www.shaker.de/de/index.asp?lang=de











