openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Wendelstein 7-X: Zweite Experimentierrunde hat begonnen

11.09.201711:01 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Wendelstein 7-X: Zweite Experimentierrunde hat begonnen
Blick in das mit Grafitkacheln verkleidete Plasmagefäß ( (Foto: IPP, Jan Michael Hosan))
Blick in das mit Grafitkacheln verkleidete Plasmagefäß ( (Foto: IPP, Jan Michael Hosan))

(openPR) Erste Plasmen in aufgerüsteter Anlage / „Jetzt wird es spannend“, sagt Projektleiter Thomas Klinger

Die Plasmaexperimente an der Fusionsanlage Wendelstein 7-X im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald haben nach 15 Monaten Umbaupause jetzt wieder begonnen. Die zusätzliche Ausrüstung hat die Anlage fit für höhere Heizleistung und längere Pulse gemacht. Damit werden nun Experimente möglich, in denen das Wendelstein 7-X zugrundeliegende optimierte Konzept geprüft werden kann. Wendelstein 7-X, die weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator, soll die Kraftwerkseignung dieses Bautyps untersuchen.



---
Neben neuen Heizungs- und Messapparaturen wurden seit März letzten Jahres, dem planmäßigen Ende der ersten Experimentierphase, über 8000 Wandkacheln und zehn „Divertor“-Module aus Grafit im Plasmagefäß der Fusionsanlage montiert. Diese Verkleidung soll die Gefäßwände schützen und für die kommenden Experimente höhere Temperaturen sowie zehn Sekunden lange Plasmaentladungen möglich machen.

Eine besondere Funktion erfüllen dabei die zehn Teilstücke des Divertors: In breiten Streifen an der Wand des Plasmagefäßes folgen seine Kacheln genau der verwundenen Kontur des Plasmarandes. So schützen sie speziell diejenigen Wandbereiche, auf die entweichende Teilchen aus dem Rand des Plasmaringes gezielt gelenkt werden. Zusammen mit unerwünschten Verunreinigungen werden die auftreffenden Teilchen hier neutralisiert und abgepumpt. Der Divertor ist damit ein wichtiges Werkzeug, Reinheit und Dichte des Plasmas zu regeln.

Bereits am kleineren Vorgänger, dem Stellarator Wendelstein 7-AS im IPP in Garching, waren die Ergebnisse der Divertortests ermutigend. Aber erst im deutlich größeren Greifswalder Nachfolger Wendelstein 7-X sind die geometrischen Verhältnisse – insbesondere das Verhältnis von Divertorfläche zu Plasmavolumen – kraftwerksähnlich. „Wir sind deshalb sehr gespannt, nun erstmals untersuchen zu können, ob das Divertorkonzept eines optimierten Stellarators wirklich gut funktioniert“, sagt Projektleiter Professor Thomas Klinger. Diese Tests werden breiten Raum einnehmen: Sorgfältig wird man in vielen Detailuntersuchungen prüfen, wie das Plasma zu führen ist und welche Magnetfeldstrukturen, Heiz- und Nachfüllverfahren am erfolgreichsten sind.

Mit neu hinzugekommenen Messinstrumenten wird man erstmals auch die Turbulenz im Plasma beobachten können: Die dabei entstehenden kleinen Wirbel beeinflussen, wie gut der magnetische Einschluss und die Wärmeisolation des heißen Plasmas gelingt – ein wichtiger Wert für ein späteres Kraftwerk, weil er die Größe der Anlage und damit die Wirtschaftlichkeit bestimmt. „Wir werden zum ersten Mal prüfen können, ob die vielversprechenden Vorhersagen der Theorie für einen vollständig optimierten Stellarator richtig sind. Im Vergleich zu bisherigen Anlagen lässt sie nämlich für Wendelstein 7-X ganz neue, womöglich sogar bessere Verhältnisse erwarten“, so Thomas Klinger.

Da für die Mikrowellen-Heizung des Plasmas inzwischen alle zehn Mikrowellensender einsatzbereit sind, werden nun ein größerer Energiedurchsatz und Plasmen höherer Dichte möglich: Von 4 Megajoule im Jahr 2016 wird man sich jetzt – indem man nach und nach alle Einsatzvarianten der Mikrowellenheizung durchspielen und testen wird – auf eine Energie von 80 Megajoule steigern. Die bisher noch recht niedrige Plasmadichte lässt sich damit auf kraftwerksähnliche Werte mehr als verdoppeln.

Dies hat bedeutende Konsequenzen: Erst bei genügender Dichte des Plasmas können Elektronen und Ionen effektiv Energie austauschen. Zuvor hatte die Mikrowellenheizung fast nur die Elektronen geheizt. Statt 100 Millionen Grad heißer Elektronen und kalter Ionen mit 10 Millionen Grad wie bisher werden in den neuen Plasmen Elektronen und Ionen fast gleiche Temperatur bis zu 70 Millionen Grad besitzen. Damit sollte auch die Wärmeisolation des Plasmas steigen. War sie bislang, bezogen auf die Anlagengröße, nur oberer Durchschnitt, sollte sich nun die Wirkung der Wendelstein 7-X zugrundeliegenden Optimierung zeigen können: „Es wird sehr spannend“, sagt Thomas Klinger.

Hintergrund:
Ziel der Fusionsforschung ist es, ein klima- und umweltfreundliches Kraftwerk zu entwickeln. Ähnlich wie die Sonne soll es aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie gewinnen. Weil das Fusionsfeuer erst bei Temperaturen über 100 Millionen Grad zündet, darf der Brennstoff – ein dünnes Wasserstoffplasma – nicht in Kontakt mit kalten Gefäßwänden kommen. Von Magnetfeldern gehalten, schwebt er nahezu berührungsfrei im Inneren einer Vakuumkammer.

Den magnetischen Käfig von Wendelstein 7-X erzeugt ein Ring aus 50 supraleitenden, etwa 3,5 Meter hohen Magnetspulen. Ihre speziellen Formen sind das Ergebnis ausgefeilter Optimierungsrechnungen. Obwohl Wendelstein 7-X keine Energie erzeugen wird, soll die Anlage beweisen, dass Stellaratoren kraftwerkstauglich sind. Mit Wendelstein 7-X soll die Qualität des Plasma-einschlusses in einem Stellarator erstmals das Niveau der konkurrierenden Anlagen vom Typ Tokamak erreichen.

Dazu sind stufenweise weitere Ausbauten geplant. Zum Beispiel sollen später die Graphitkacheln des Divertors durch kohlenstofffaserverstärkte Kohlenstoff-Elemente ersetzt werden, die zusätzlich wassergekühlt sind. Damit werden in einigen Jahren bis zu 30 Minuten lange Entladungen möglich, in denen überprüft werden kann, ob Wendelstein 7-X auch dauerhaft seine Optimierungsziele erfüllt. Damit soll die Anlage das wesentliche Plus der Stellaratoren vorführen, die Fähigkeit zum Dauerbetrieb.

Weitere Informationen:
- http://www.ipp.mpg.de/de/aktuelles/presse/pi/2017/08_17

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 967888
 361

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Wendelstein 7-X: Zweite Experimentierrunde hat begonnen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

IPP-Direktorin zum Akademie-Mitglied gewählt
IPP-Direktorin zum Akademie-Mitglied gewählt
Sibylle Günter wird korrespondierendes Mitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften --- Professor Dr. Sibylle Günter, die Wissenschaftliche Direktorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald, wurde als korrespondierendes Mitglied in die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW gewählt. Die SATW versteht sich als politisch unabhängiges, nicht kommerzielles Netzwerk von Persönlichkeiten und Gesellschaften aus Wissenschaft und Industrie. Ihr Ziel ist es, relevante t…
Helmholtz International Fellow kommt ins IPP
Helmholtz International Fellow kommt ins IPP
Forschungsaufenthalte in Garching / Auszeichnung der Helmholtz-Gemeinschaft Die französische Plasmaphysikerin Dr. Pascale Hennequin zählt zu den fünf herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die jetzt von der Helmholtz-Gemeinschaft mit dem Helmholtz International Fellow Award ausgezeichnet wurden. Ihr Preisgeld finanziert Forschungsaufenthalte im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching. --- Die vom IPP für diese Ehrung vorgeschlagene Wissenschaftlerin ist Plasmaphysikerin am französischen Laboratoire de Physi…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Zehn Jahre Wendelstein 7-X – zehn Jahre Fusionsforschung an der WeltspitzeBild: Zehn Jahre Wendelstein 7-X – zehn Jahre Fusionsforschung an der Weltspitze
Zehn Jahre Wendelstein 7-X – zehn Jahre Fusionsforschung an der Weltspitze
Zahlreiche internationale Medienvertreter hatten sich am 10. Dezember 2015 um die Mittagszeit im Kontrollraum versammelt, um den Start von Wendelstein 7-X mitzuerleben. Zusätzlich waren mehrere internationale Fusionslaboratorien live per Videostream zugeschaltet, als die Betriebsmannschaft von Wendelstein 7-X zum ersten Mal ein Milligramm Heliumgas in …
Bild: Gemeindewerke Wendelstein und Stadtwerke SchwabachBild: Gemeindewerke Wendelstein und Stadtwerke Schwabach
Gemeindewerke Wendelstein und Stadtwerke Schwabach
Mehr Strom aus Windkraft: Am 11. Mai 2012 haben die Gemeindewerke Wendelstein sowie die Stadtwerke Schwabach gemeinsam mit weiteren 21 bayerischen Energieversorgern Kaufverträge zum Erwerb von drei Windparks in Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit insgesamt 42 Megawatt-Leistung und einem Investitionsvolumen von über 75 Millionen Euro unterzeichnet. Der …
Bild: „Fünf – Vereine – Lauf“ der SPD Wendelstein am DreikönigstagBild: „Fünf – Vereine – Lauf“ der SPD Wendelstein am Dreikönigstag
„Fünf – Vereine – Lauf“ der SPD Wendelstein am Dreikönigstag
Die SPD Gemeinderatsfraktion Wendelstein lädt alle Interessierten am 6. Januar 2008 zum „Fünf - Vereine – Lauf“ ein. Schirmherr Bürgermeister Wolfgang Kelsch wirbt begeistert für das sportliche Ereignis zum Jahresauftakt: Am Dreikönigstag werden auf vier Etappen die fünf Sportvereine im Gemeindegebiet „erlaufen“. Dabei geht es nicht um Wettkampf und …
Die Ganztagsschule - Ein Schritt in die Zukunft
Die Ganztagsschule - Ein Schritt in die Zukunft
Die SPD Wendelstein setzt sich auch weiterhin für den Umbau der Hauptschule zur Ganztagsschule ein. Nachdem ein Elterninformationsabend zu diesem Thema in der Wendelsteiner Hauptschule auf großes Interesse stieß, müssen nun die Weichen richtig gestellt werden. Bisher besuchen in Deutschland nur 15,2 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule, in Bayern …
Wendelstein 7-X feiert Jubiläum
Wendelstein 7-X feiert Jubiläum
Am Mittwoch, 10. Dezember, jährt sich zum zehnten Mal die erste erfolgreiche Erzeugung eines Plasmas in der Fusionsforschungsanlage Wendelstein 7-X des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald. Dazu erklärt Wissenschaftsministerin Bettina Martin:„Die Forschungsarbeit am Stellarator Wendelstein 7-X ist weltweit führend und hat bereits …
Bild: Gemeinde entlastet Familien mit KindernBild: Gemeinde entlastet Familien mit Kindern
Gemeinde entlastet Familien mit Kindern
In der nächsten Sitzung des Schul-, Jugend- und Kulturausschusses des Marktgemeinderates Wendelstein wird über die Übernahme der Elternbeiträge durch die Gemeinde für Geschwister beziehungsweise Vorschulkinder in den Wendelsteiner Kindertageseinrichtungen entschieden. Das Thema kam durch einen im vergangenen Januar eingereichten Prüfungsantrag der SPD-Marktgemeinderatsfraktion …
Bild: Neugründung des JU-Ortsverbandes in der Marktgemeinde WendelsteinBild: Neugründung des JU-Ortsverbandes in der Marktgemeinde Wendelstein
Neugründung des JU-Ortsverbandes in der Marktgemeinde Wendelstein
Junge Union Wendelstein wieder aktiv Wendelstein: Im „Flaschner“, der Gaststätte die schon symbolisch für den politischen Umbruch nach den letzten Kommunalwahlen in Wendelstein steht, fand nun ein weiteres großes Ereignis statt, die Neugründung der Jungen Union (JU) Wendelstein. An der Gründungsveranstaltung nahmen der amtierende erste Bürgermeister …
Alpha ist wichtige Ergänzung der Arbeit von Wendelstein 7-X
Alpha ist wichtige Ergänzung der Arbeit von Wendelstein 7-X
… abgelöst werden soll. Dieses Vorhaben wird das Spektrum der Maschinen in der Fusionsforschung nach dem Stelleratorprinzip erweitern. Es ergänzt damit die Arbeit der Max-Planck-Forschungsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald hervorragend und ist essentiell auch für die weitere Arbeit von Wendelstein 7-X. Mit Wendelstein 7-X verfügen wir in Greifswald über …
Bild: Geisterhafte Reiter und kulinarische KöstlichkeitenBild: Geisterhafte Reiter und kulinarische Köstlichkeiten
Geisterhafte Reiter und kulinarische Köstlichkeiten
Bad Feilnbacher Partyservice Forster lud Kunden zum mystischen Abend Bad Feilnbach, 16.03.2008 - „Mystisches rund um den Wendelstein“ – unter diesem Motto lud der Bad Feilnbacher Partyservice Forster (partyservice-forster.de) am Wochenende Kunden und Geschäftspartner aus der Region, Bayern und ganz Deutschland nach Oberholzham ein. Rund 120 Kunden, darunter …
Bild: Wir sprechen gewerbischBild: Wir sprechen gewerbisch
Wir sprechen gewerbisch
… es sprechen damit bewegen können. Wie neugierig sind Sie, sehr geehrte Damen und Herren? Wir sprechen gewerbisch! Präsentation der neuen Imagebroschüre des Gewerbeparks Nürnberg-Feucht-Wendelstein Nürnberg/ Im Zeichen von Ich AGs und Medienkampagnen wie "Du bist Deutschland", setzt der Zweckverband des Gewerbeparks Nürnberg- Feucht-Wendelstein auf das …
Sie lesen gerade: Wendelstein 7-X: Zweite Experimentierrunde hat begonnen