openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Genomik gegen das Artensterben

08.09.201711:02 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Genomik gegen das Artensterben
Eines der „Taxon-OMICS“-Forschungsobjekte: ein Ruderfußkrebs aus der Nordsee.   (© Senckenberg)
Eines der „Taxon-OMICS“-Forschungsobjekte: ein Ruderfußkrebs aus der Nordsee. (© Senckenberg)

(openPR) Frankfurt, den 08.09.2017. Die Deutsche Forschungs-gemeinschaft (DFG) fördert mit dem neuen Schwerpunktprogramm „Taxon-OMICS“ vier Senckenberg-Projekte mit einer Million Euro. Die geförderten Arbeitsgruppen nutzen die zusätzlichen Finanzmittel, um die Entstehung und Abgrenzung von Arten aus unterschiedlichsten Verwandtschaftskreisen und Lebensräumen zu untersuchen. Die genetische Taxonomie gewinnt zunehmend an Bedeutung bei der Erfassung, der Beschreibung und dem Schutz der biologischen Vielfalt.



---
Seit 300 Jahren versucht die „Taxonomie“ die verwirrende Vielfalt der Arten, die die Erde bevölkern, zu beschreiben und in eine verwandtschaftliche Ordnung – eine Systematik – zu bringen.
„Hierbei gewinnt die Untersuchung des Erbguts von Organismen zunehmend an Bedeutung“, erklärt Dr. Christian Printzen vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Die DNA hilft uns Taxonomen und Systematiker Arten zu unterscheiden und ihre Stammbäume zu ermitteln. So können auch optisch schwer zu trennende Arten oft schneller erkannt werden. Die erlangten Daten werden besonders in Zeiten weltweiter Massensterben von Arten dringend benötigt, um entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen zu können.“

Die DFG bündelt nun Mittel, um Forschungsprojekte, die Taxonomie und Genomik verbinden, in einem neuen Schwerpunktprogramm „Taxon-OMICS“ zu fördern. Ziel des Programms ist es, neue Methoden und Ansätze zu finden, um die Taxonomie schneller und kostengünstiger zu machen. Vier Arbeitsgruppen bei Senckenberg erhalten aus diesem Programm fast eine Million Euro, um die Entstehung und Abgrenzung von Arten aus unterschiedlichsten Verwandtschaftskreisen und Lebensräumen zu untersuchen.

Am Senckenberg Museum für Tierkunde in Dresden wird in den nächsten Jahren die Artbildung in der Gattung Hyles, einer auffälligen, aber schwierig zu bestimmenden Gruppe von Nachtfaltern untersucht. „Die 7 bis 15 Arten aus Zentralasien sind mit dem bei uns heimischen Wolfsmilchschwärmer verwandt und lassen sich selbst anhand von Genitalpräparaten kaum unterscheiden. Wir sind deshalb bisher zu keinem Konsens darüber gekommen, wie viele Arten zu dieser Gruppe gehören“, so Dr. Anna Hundsdörfer, die Projektleiterin. „Erschwerend kommt hinzu, dass viele Arten hybridisieren, also über Artgrenzen hinweg Nachkommen bilden. Solche Hybride wollen wir mit genomischen Daten aufspüren, um Ordnung ins bisherige Chaos zu bringen.“

Angesichts des rapide fortschreitenden Artensterbens steht seit einiger Zeit besonders die schnelle und sichere Zuordnung von Arten im Fokus der Taxonomie. Hier sollen zwei Senckenberg-Projekte Fortschritte bringen, die neben molekulargenetischen Daten auf hochmoderne physikalische Verfahren setzen.
Dr. Steffen Pauls vom Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt untersucht afrikanische Köcherfliegen mit Methoden, die sonst in der Satelliten-Fernerkundung eingesetzt werden. Köcherfliegen stellen die artenreichste Gruppe wasserlebender Insekten dar und haben enorme Bedeutung für die Ernährung von Fischen und Wasservögeln. Pauls hierzu: „Die Spektralanalyse eignet sich bei Insekten auch zur ‚Naherkundung’. Wir testen wie gut die Reflektions- und Absorptionsmuster Unterschiede zwischen Arten anzeigen. Diese Information wollen wir ferner mit genetischen Daten integrieren, um im Hochdurchsatzverfahren tausende Arten von Köcherfliegen bestimmen und differenzieren zu können. Wenn wie in Afrika die Spezialisten fehlen, brauchen Ökologen zuverlässige Methoden, um belastbare Studien zur biologischen Vielfalt zu produzieren.“

Ähnliche Probleme treiben Dr. Jasmin Renz und Dr. Silke Laakmann von Senckenberg am Meer im Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung in Hamburg um: „Die Ruderfußkrebse im Zooplankton der Meere sind ein wichtiger Bestandteil der Nahrung vieler Fischarten. Eine Routineüberwachung von Zooplankton erfordert einen hohen Zeitaufwand, daher wäre ein kostengünstiges und schnelles Verfahren zur Artbestimmung von enormer Wichtigkeit sowohl für das nachhaltige Management mariner Ressourcen als auch für die Biodiversitätsabschätzung in bisher weitgehend unerforschten Lebensräumen wie der Tiefsee. Wir wollen herausfinden, ob wir mit Hilfe von Massenspektrometern Arten von Ruderfußkrebsen anhand ihrer Proteinmuster erkennen können.“

Etwas anders liegen die Schwierigkeiten bei den Flechten: „Flechten kann man nicht in Fallen fangen. Man muss sie an ihrem Standort aufspüren. Die interessantesten Funde werden selten von molekulargenetisch arbeitenden Flechtenkundlern gemacht, sondern von Leuten, die viel im Gelände unterwegs sind. Wir wollen diesen Geländebotanikern, besonders denen, die sich mit winzigen Krustenflechten auskennen, Zugang zu molekulargenetischen Methoden verschaffen, damit nicht mehr Jahrzehnte vergehen, bevor eine neue Art als solche erkannt und beschrieben wird. Das richtet sich explizit nicht nur an Fachwissenschaftler“, so Printzen.

In den kommenden drei Jahren, und vielleicht darüber hinaus, können die neuen Ideen und Ansätze jetzt erprobt werden. „So geht bei Senckenberg die 200jährige Forschungstradition zur Beschreibung und Bewahrung der Natur auch mit neuen Methoden weiter“, schließt Printzen.

Kontakt
Dr. Christian Printzen
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Tel. 069 97075-1154
E-Mail

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
E-Mail

Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 967660
 346

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Genomik gegen das Artensterben“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Bild: Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsseltBild: Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
Frankfurt, 11.12.2017. Senckenberg-Wissenschaftlern ist es gelungen das vollständige Genom der Rotbuche zu entschlüsseln. Die Erfassung des Genoms zeigt unter anderem, dass es keinen Genaustausch mit den zahlreichen Pilzarten, die in enger Symbiose mit der Buche leben, gibt. Die Genomsequenz gibt Wissenschaftlern ein Werkzeug in die Hand, das für nachfolgende naturschutzgenetische Untersuchungen wichtig ist und mittelfristig ermöglicht, trockenresistente Genotypen zu identifizieren und für die Forstwirtschaft in Anpassung an den Klimawandel z…
Bild: Insekt des Jahres 2018: Die SkorpionsfliegeBild: Insekt des Jahres 2018: Die Skorpionsfliege
Insekt des Jahres 2018: Die Skorpionsfliege
Berlin/Müncheberg, den 06.12.2017. Heute wurde in der Bundesgeschäftsstelle des NABU die Gemeine Skorpionsfliege Panorpa communis zum Insekt des Jahres 2018 gekürt. Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Thomas Schmitt, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg, prämierte das harmlose Insekt mit dem gefährlichen Namen aus einer Reihe von Vorschlägen. Die Skorpionsfliege ist in Europa weit verbreitet, aber dennoch kaum bekannt. Unter anderem zeichnet sich diese Schnabelfliegenart durch einen komplizierten Akt in ihre…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Kempen: Gesund und sicherBild: Kempen: Gesund und sicher
Kempen: Gesund und sicher
… Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) in Kempen. „Wir brauchen mehr Lebensqualität in der Stadt Kempen“ so Jeyaratnam Caniceus (ÖDP), fraktionsloser Ratsherr in Kempen. Auch das Thema „Artensterben“ liegt der ÖDP in Kempen am Herzen. Die ÖDP wird in Kempen mit Forderungen und Vorschlägen „gesund und sicher in Kempen“ zur Kommunalwahl antreten. Die Luftreinhaltung …
Die Life Sciences Industrie in Ontario - Tempomacher für das Gesundheitswesen
Die Life Sciences Industrie in Ontario - Tempomacher für das Gesundheitswesen
… und decken das gesamte Spektrum der Branche ab: von der traditionellen Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln und Medizintechnik bis hin zu neuen Bereichen wie Genomik/ Proteomik, Pharmakogenomik und Bioinformatik. Ontario ist der drittgrößte Life Sciences Standort in Nordamerika. Zwischen 1994 und 2004 sind die Exporte des Sektors um jährlich …
Bild: Erstes „African Plant Genomics Symposium“ legt Grundstein für zukünftiges wissenschaftliches WachstumBild: Erstes „African Plant Genomics Symposium“ legt Grundstein für zukünftiges wissenschaftliches Wachstum
Erstes „African Plant Genomics Symposium“ legt Grundstein für zukünftiges wissenschaftliches Wachstum
… Chatukuta, Vorsitzende des Organisationskomitees und Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen, wurde das Symposium konzipiert, um die Forschung im Bereich der pflanzlichen Genomik in Afrika zu beleuchten und ein Netzwerk von Forschenden und Interessengruppen aufzubauen. Die Veranstaltung zog Wissenschaftler:innen aus Europa und Afrika an, …
Bild: Hongkonger Startup bringt Genomik Services nach AsienBild: Hongkonger Startup bringt Genomik Services nach Asien
Hongkonger Startup bringt Genomik Services nach Asien
… geändert. ------------------------------ Zusammen mit der rasanten Entwicklung der Kenntnisse über die Genetik kam auch ein deutlicher Preisrückgang für das Genscreening. Dieser ermöglicht Genomik Services, die vielen Menschen bei einer Risikoeinschätzung helfen können. Vom Hongkonger Startup Ambio Technology kommt eine Screening-Technologie, die solche Tests …
Bild: „Functional Genomics“ in der dritten Auflage erschienenBild: „Functional Genomics“ in der dritten Auflage erschienen
„Functional Genomics“ in der dritten Auflage erschienen
… beschreiben Forschergruppen aus der ganzen Welt 28 hochaktuelle molekularbiologische, proteinchemische sowie bioinformatische Vorgehensweisen aus dem noch jungen Forschungsgebiet der Funktionellen Genomik. Die Autoren ermöglichen somit biochemisch orientierten Forschern den Zugang zu neuen innovativen Techniken, mit deren Hilfe die Funktion bislang unbekannter …
Papierkonzern zerstört Regenwald auf Sumatra - ForestFinance fordert Stopp der illegalen Rodungen
Papierkonzern zerstört Regenwald auf Sumatra - ForestFinance fordert Stopp der illegalen Rodungen
… dem WWF bereits mit illegalem Holzeinschlag im Regenwald negativ auf. Die Bonner ForestFinance Gruppe fordert die sofortige Beendigung des illegalen Holzschlags. Regenwald-Zerstörung beschleunigt Artensterben Über 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Erde leben im tropischen Regenwald. Nur etwa ein Prozent der geschätzten 30 Millionen Arten des …
EUR 3,5 Millionen für NRW-Verbund zur Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Lungenkrebs
EUR 3,5 Millionen für NRW-Verbund zur Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Lungenkrebs
… Die Fünfjahres-Überlebensrate liegt unter 15%. "Nur personalisierte Therapieansätze können diese katastrophale Situation verbessern", so Prof. Roman Thomas, Leiter der Abteilung für Translationale Genomik an der Universität zu Köln. Lungenkrebs ist das Paradebeispiel für den Erfolg der personalisierten Medizin. So profitieren z.B. Patienten mit einem …
Onco-Innovations gibt Ernennung von Professor Steven Jones zum Senior Scientific Advisor bekannt und stärkt damit seine technische Kompetenz im Bereich der KI-gestützten Präzisionsonkologie
Onco-Innovations gibt Ernennung von Professor Steven Jones zum Senior Scientific Advisor bekannt und stärkt damit seine technische Kompetenz im Bereich der KI-gestützten Präzisionsonkologie
… Distinguished Scientist am BC Cancer Research Institute. Er ist international als einer der meistzitierten Forscher auf seinem Gebiet anerkannt und hat bahnbrechende Beiträge zur Genomik und Krebsforschung geleistet. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen die Mitgliedschaft in der Royal Society of Canada und der Canadian Academy of Health Sciences …
Zwei neue Professoren wechseln an das IST Austria
Zwei neue Professoren wechseln an das IST Austria
Fyodor Kondrashov und Edouard Hannezo sind die ersten in einer Reihe von neuen Professoren – Ihre neuen Forschungsgruppen untersuchen evolutionäre Genomik und physikalische Prinzipien in biologischen Systemen --- Mehrere neue Professoren kommen im Herbst 2017 an das Institute of Science and Technology (IST Austria). Unter ihnen sind Fyodor Kondrashov …
UN-Naturschutzkonferenz in Bonn - Tierrechtler - Verzehr von tierischen Produkten mitschuldig am Artensterben
UN-Naturschutzkonferenz in Bonn - Tierrechtler - Verzehr von tierischen Produkten mitschuldig am Artensterben
Pressemitteilung Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. 12.05.2008 - UN-Naturschutzkonferenz in Bonn Tierrechtler: Verzehr von tierischen Produkten mitschuldig am Artensterben Vom 19. bis 30. Mai findet in Bonn die 9. UN-Naturschutzkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt statt. Bereits am 12. Mai beginnt …
Sie lesen gerade: Genomik gegen das Artensterben