(openPR) Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt seit Jahren. Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit 322 Millionen Menschen betroffen. Dies entspräche rund 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. Doch was braucht die Seele, um gesund zu bleiben? Welchen Beitrag können Kirchengemeinden leisten, um seelische Gesundheit zu fördern? Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) sensibilisiert gemeinsam mit Partnern interessierte Kirchengemeinden für das Thema psychische Gesundheit. Im Kirchenkreis Stuttgart erarbeiten Gemeinden mit Unterstützung des Difäm und des gemeindepsychiatrischen Zentrums der Evangelischen Gesellschaft (eva) gesundheitsfördernde Angebote. Neben der professionellen Behandlung einer psychischen Erkrankung ist auch eine gesundheitsfördernde Umwelt wichtig.
Psychische Erkrankungen nehmen zu und bedeuten für Betroffene und ihre Angehörigen oft eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Deshalb ist es wichtig, die seelische Gesundheit bereits vor möglichen Erkrankungen zu fördern. "Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens schwere Momente oder Krisen. In manchen Lebenssituationen sind die Herausforderungen zu bewältigen, in anderen nicht. Deshalb wollen wir die Mitglieder von Kirchengemeinden für das Thema seelische Gesundheit sensibilisieren", sagt Difäm-Gemeindereferentin Dr. Beate Jakob. Gerade soziale und spirituelle Faktoren spielen für das Wohlbefinden oder die Genesung eine wichtige Rolle. Die Kirchengemeinden bieten ein soziales Netz und einen Ort der Gottesbegegnung. "Zum einen kann das Beziehungsnetz einer Kirchengemeinde psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen unterstützen", so Beate Jakob. "Zum anderen können die Gemeinden Lebenssinn und Hoffnung vermitteln, nicht nur für Menschen in besonderen Belastungssituationen." Daher soll das Netzwerk innerhalb der Kirchengemeinden gestärkt und Angebote wie thematische Gottesdienste, Themenreihen und Gesprächsgruppen konzipiert oder ausgebaut werden.
Aktuelle Projekte von Kirchengemeinden
Die Kirchengemeinde Alt-Heumaden ist in die Projektarbeit stark involviert. „Wir möchten Menschen mit psychischen Erkrankungen bewusster wahrnehmen und unsere eigene Seele aufmerksamer erleben", erklärt Heidrun Ferguson aus der Projektgruppe. Aktuell läuft in der Gemeinde ein Themenjahr mit verschiedenen Angeboten. An einigen Samstagen treffen sich singfreudige Frauen und Männer zum "Singen für die Seele". Neue Erfahrungen mit der Bibel versprechen Einheiten zu "Bibellesen neu entdecken – Texte aus dem Neuen Testament". Zudem werden Vorträge, Workshops und Themengottesdienste über das Jahr hinweg angeboten. Die Zielgruppe sind dabei nicht nur Menschen mit einer seelischen Erkrankung, sondern alle Gemeindeglieder.
Die Thomasgemeinde in Kaltental-Dachswald plant ab Ende 2017 ein Themenjahr zu seelischer Gesundheit. Hierfür wurde eine Projektgruppe gegründet. Über das Jahr hinweg soll es Gottesdienste zum Thema geben sowie Vorträge, Seminartage, ein Feierabendmahl und Podiumsveranstaltungen. Die Kirchengemeinde Möhringen führte schon eine Vortragsreihe zu seelischer Gesundheit und Krankheit durch und knüpft mit dem Projekt daran an.
In den Kirchengemeinden Zuffenhausen, Himmelsleiter, Zazenhausen und Stammheim wurden ebenfalls bereits verschiedenen Themengottesdienste, Vorträge und Initiativen wie die Einrichtung einer thematischen Bücherecke gestartet. Die Gemeindeblätter werden genutzt, um regelmäßig über psychische Erkrankungen und Maßnahmen zur Prävention zu informieren sowie Berührungsängste abzubauen. Auch der Aufbau einer Selbsthilfegruppe ist in Planung.
Zum Hintergrund
Im Herbst 2014 startete das gemeinsame Projekt „Kirchengemeinde und Depression“ des Difäm und des Lehrstuhls Praktische Theologie III der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Zwei Jahre lang wurden die gesundheitsfördernden Angebote in Kirchengemeinden für Menschen mit depressiven Störungen dokumentiert, die nun in interessierten Kirchengemeinden entsprechend ausgebaut werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden evaluiert und im Buch "Menschen mit Depressionen. Orientierung und Impulse für die Praxis in Kirchengemeinden" veröffentlicht.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) empfahl das Depressionsprojekt zur Nachahmung in weiteren Kirchengemeinden. Denn Seelsorge sei die „Muttersprache der Kirche“. Die Erfahrungen des Modellprojekts zum Thema Depression werden nun entsprechend in dem neuen gemeinsamen Projekt des Difäm und der Evangelischen Gesellschaft (eva) Stuttgart genutzt, um in weiteren Kirchengemeinden, diesmal auch im Kreis Stuttgart, seelische Gesundheit zu fördern.
Anstehende Termine
Informationsabend "Wenn die Seele leidet" im Hospitalhof Stuttgart am Dienstag, 26.09.2017, 19.00 - 21.00 Uhr
Wir laden Sie herzlich ein zum Informationsabend "Wenn die Seele leidet – Kirchengemeinden fördern seelische Gesundheit" am 26. September 2017 im Hospitalhof, Büchsenstraße 33 in Stuttgart. Bei der Abendveranstaltung sollen Menschen in Kirchengemeinden für das Thema sensibilisiert und fundierte Informationen erhalten. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden Ideen entwickeln, wie sie seelisch kranke Menschen begleiten und sich mit diakonischen Diensten vernetzen können. Der Abend wird organisiert von Dr. Beate Jakob, Gemeindereferentin im Difäm, Dekan Klaus Käpplinger sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden in Kooperation mit der eva Stuttgart, dem Kirchenkreis Stuttgart und dem Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof. Prof. Dr. Jürgen Armbruster von der eva Stuttgart moderiert die Veranstaltung. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Ihre Ansprechpartnerin im Difäm
Dr. Beate Jakob
Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V.
Mohlstraße 26, 72074 Tübingen
07071 704 90 17
www.difaem.de/laender/deutschland









