openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Perlenfunde aus Eiszeithöhlen drückten Gruppenidentität aus

28.07.201714:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Perlenfunde aus Eiszeithöhlen drückten Gruppenidentität aus
Die dreifach durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein wurden bisher nur im Hohle Fels gefunden. (Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen)
Die dreifach durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein wurden bisher nur im Hohle Fels gefunden. (Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen)

(openPR) Universität Tübingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren präsentieren 42.000 Jahre alten Schmuck aus Mammutelfenbein: Herstellung und Tragen waren wohl nur auf der Schwäbischen Alb Tradition

---
Schon vor 42.000 Jahren nutzten Menschen Schmuck als Ausdruck von Gruppenidentität. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen haben in den Weltkulturerbe-Höhlen des Achtals und Lonetals Perlen aus Mammutelfenbein gefunden, die in ihrer Machart bislang ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vorkommen. Am Fundort Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal wurden zudem Perlenformen ausgegraben, die gänzlich einmalig für diese Höhle zu sein scheinen. Professor Nicholas Conard und sein Team präsentierten am Freitag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) neue Schmuckfunde aus den Grabungsarbeiten - mit 40 Schmuckstücken ist die Anzahl der Funde ungewöhnlich hoch.



Conard ist zugleich wissenschaftlicher Direktor des urmu, der Schmuck ist dort ab sofort als „Fund des Jahres 2017“ zu sehen. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung dazu erschien am 28. Juli in den Archäologischen Ausgrabungen Baden-Württemberg, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg.

Die archäologischen Ausgrabungen im Hohle Fels bei Schelklingen liefern jährlich faszinierende Fundstücke aus der Jüngeren Altsteinzeit. Aus den Schichten des Aurignacien, die zwischen 42.000 und 34.000 Jahre alt sind, wurden im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Schmuckstücke ausgegraben. „Diese Schmuckstücke sind wichtig für die Entwicklung unserer Art: neben Kunst und Musikinstrumenten dokumentieren sie als symbolische Artefakte die frühesten Schmuckfunde in dreidimensionaler Formgebung aus Elfenbein.
Sie unterstreichen die gemeinsame Kultur und soziale Einheit der Menschen im Ach- und Lonetal, die neue Formen systematisch produziert haben – eventuell als Ausdruck einer Konkurrenz-Situation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltveränderungen in dieser Zeit“, sagte Nicholas Conard. „Und wir können sogar Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen während dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen.“

So haben die Grabungsteams der Universität Tübingen in den Höhlen des Achtals wie auch des Lonetals über die Jahre hunderte von doppelt durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein geborgen. Sie sind in der Mitte verdickt und zu den Enden beidseitig abgeflacht. Die Lochungen entstanden durch das Bohren mit einem feinen Feuersteingerät oder durch wiederholtes Einschneiden. Die Perlen liegen in allen Stadien des Herstellungsprozesses vor, vom Rohling bis zum getragenen Stück. In ihrer Herstellungsart kommen sie ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vor. Zudem sind die Schmuckstücke aus den schwäbischen Höhlen der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit. Noch spezieller sind dreifach durchlochte Perlen aus Mammutelfenbein aus der ältesten aurignacienzeitlichen Schichten des Hohle Fels im Achtal. Hier laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die beiden äußeren Löcher werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Einkerbungen entstanden durch mehrfaches Ansetzen und Schneiden des entsprechenden Steinwerkzeugs. Dieser Perlentyp ist nur vom Fundort Hohle Fels bekannt und besitzt derzeit keine Parallelen zu anderen Funden.

Dass auch die doppelt durchlochten Perlen nur aus Grabungen auf der Schwäbischen Alb bekannt sind, zeigt für die Wissenschaftler, dass sie Ausdruck einer Gruppenidentität waren. „Diese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden; dieser Perlentyp war offensichtlich für die Gruppen im Ach- und Lonetal bestimmt“, sagt Dr. Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin und Mitarbeiterin des Senckenberg Centre HEP. Zudem träten die Perlen über einen Zeitraum von 6.000 Jahren auf: „Das bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab.“

„Neben den figürlichen Kunstwerken und Musikinstrumenten ist die Entwicklung des Schmucks als persönliches und gesellschaftliches Ausdrucksmittel ein wichtiges Element der kulturellen Entwicklung vor 40.000 Jahren. Die Bandbreite von Materialien und Formen wird bei uns im Museum vorgestellt“, sagt Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des Urgeschichtlichen Museums in Blaubeuren.

Das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) liegt in unmittelbarer Nähe der Schwäbischen Steinzeithöhlen, die von der Unesco am 9. Juli 2017 zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Als Museum für Altsteinzeit in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen stellt das urmu das eiszeitliche Leben am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren vor. Höhepunkte sind die älteste Kunst und die ältesten Musikinstrumente der Menschheit mit Originalfunden aus der Region. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“.

Weitere Originalfundstücke aus den Höhlen zeigen neben dem Urgeschichtlichen Museum (www.urmu.de) das Museum der Universität Tübingen MUT (www.unimuseum.uni-tuebingen.de), der Archäopark Vogelherd bei Niederstotzingen (www.archaeopark-vogelherd.de/Niederstotzingen) das Landesmuseum Württemberg und das Museum Ulm (www.museum-ulm.de).

Kontakt:
Prof. Nicholas Conard PhD
Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen
Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Telefon +49 7071 29-72416
E-Mail

Dr. Sibylle Wolf
Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen
Telefon +49 7071 29-75420
E-Mail

Dr. Stefanie Kölbl
Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
Telefon +49 7344 9669 911
E-Mail

Ausstellungsdaten:
Die Funde können ab dem 28. Juli 2017 bis Anfang Januar 2018 im Urgeschichtlichen Museum in einer Kabinettausstellung betrachtet werden. Die Originale werden mit Rekonstruktionen zu Funktions- und Trageweise ergänzt.

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 961149
 517

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Perlenfunde aus Eiszeithöhlen drückten Gruppenidentität aus“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Eberhard Karls Universität Tübingen

Bild: Pflanzen zeigen Entscheidungsspielraum im Kampf um LichtBild: Pflanzen zeigen Entscheidungsspielraum im Kampf um Licht
Pflanzen zeigen Entscheidungsspielraum im Kampf um Licht
Biologinnen der Universität Tübingen zeigen, dass Pflanzen unter Konkurrenz zwischen verschiedenen Strategien wählen können --- Pflanzen sind in der Lage, auf unterschiedliche Konkurrenzsituationen mit verschiedenen Strategien zu reagieren. Biologinnen vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen konnten zeigen, dass die Reaktionen sich an Höhe und Wuchsdichte der Konkurrenz orientieren. In der aktuellen Studie zeigen die Forscherinnen nun, dass sich Pflanzen zwischen verschiedenen Reaktionen auf Konkurrenz entscheiden k…
Hochzeit in der Quantenwelt
Hochzeit in der Quantenwelt
Physiker der Universität Tübingen koppeln erstmals Atome und Supraleiter als Etappe auf dem Weg zu einer neuen Hardware für Quantencomputer und deren Vernetzung --- Moderne Quantentechnologien sollen in den kommenden Dekaden die Informationsverarbeitung, die Kommunikation und die Sensorik revolutionieren. Die Grundbausteine für künftige Quantenprozessoren sind zum Beispiel Atome, supraleitende quantenelektronische Schaltkreise, Spinkristalle in Diamanten und Photonen. In den vergangenen Jahren ist klar geworden, dass keiner dieser Quantenbau…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Debütalbum nach zehn Jahren gratis veröffentlicht – Hip-Hop aus Heimanbau, im Barrique gereiftBild: Debütalbum nach zehn Jahren gratis veröffentlicht – Hip-Hop aus Heimanbau, im Barrique gereift
Debütalbum nach zehn Jahren gratis veröffentlicht – Hip-Hop aus Heimanbau, im Barrique gereift
… auf dem Album vertreten ist. Für den damals 14jährigen Wunderflo ist es der erste eigene Song überhaupt. Als Ergebnis einer einjährigen Schulung formt der Titel die Gruppenidentität und legt den Grundstein für den offiziellen Start der Albumproduktion im Jahr 2004. Das ständige Hin- und Herschicken der aus den gemeinsamen Ideen entwickelten Texte und …
Bild: Mobbing: „Reden statt streiten“ – Mediation in MobbingfällenBild: Mobbing: „Reden statt streiten“ – Mediation in Mobbingfällen
Mobbing: „Reden statt streiten“ – Mediation in Mobbingfällen
… Autorin die Wahrnehmung des Lesers auf das frühzeitige Erkennen und den richtigen Umgang mit den unausweichlichen Konflikten, welche häufig der Findung einer Gruppenidentität dienen, aber leider der Produktivität einer Arbeitsgruppe zumindest kurzfristig entgegenstehen. 6) Konfliktmediation Wenn die Beteiligten eines Konflikts nicht aus eigener Kraft …
openBC startet Premium Gruppen: Die Premium-Lösung für Community Management im Internet
openBC startet Premium Gruppen: Die Premium-Lösung für Community Management im Internet
… individuell gebrandete Bereiche auf openBC, die es den Communities ermöglichen, sich mit eigenen Logos und Grafiken zu präsentieren. Die Online-Präsenz stärkt nicht nur die Gruppenidentität, sondern hat auch eine sehr effiziente Werbewirkung, welche den Aufbau von Bekanntheit und Glaubhaftigkeit innerhalb der großen openBC Community leicht macht. Die Logos …
Sprachwandel durch Genetik verstehen
Sprachwandel durch Genetik verstehen
… erklärt Balthasar Bickel, Co-Leitautor und Direktor des NFS Evolving Language. „Es deutet darauf hin, dass die soziale Dynamik des Kontakts, wie Machtungleichgewichte, Prestige und Gruppenidentität, allfällige Prinzipien aufheben kann, wenn Leute eine neue Sprache lernen und von ihr Strukturen entlehnen.“In einigen Fällen fand das Team sogar das Gegenteil …
Sie lesen gerade: Perlenfunde aus Eiszeithöhlen drückten Gruppenidentität aus