(openPR) Wiesbaden, 02.08.06. Was denken hessische Kinder über Arbeitslosigkeit? Mit wem lernen sie für die Schule? Wofür geben sie ihr Taschengeld aus? Antworten auf diese Fragen gibt das „Kinderbarometer Hessen 2005“, das in diesen Tagen von der hessenstiftung – familie hat zukunft“ herausgegeben wurde. Befragt wurden 2.271 hessische Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis 14 Jahren an 130 hessischen Schulen. Schwerpunkte der Befragung waren die Bereiche Lernen und Lernmotivation, Lesen und Lesevorlieben sowie das Thema Taschengeld. Eine erste Befragung von hessischen Kindern war im Jahr 2004 von der hessenstiftung und dem Institut „Prokids“ durchgeführt worden.
Dabei zeigte sich, dass sich die befragten Kinder intensiv mit dem Thema Arbeitslosigkeit auseinander setzen. Auf die Frage „Was würdest Du verändern, wenn Du Politiker wärst“ nannten 20 Prozent der Befragten das Thema Arbeitslosigkeit. Im Jahr zuvor hatten nur acht Prozent der Kinder dieses Thema genannt. „Daraus lässt sich ableiten, dass Kinder sehr wohl registrieren, was uns Erwachsene umtreibt“ sagte Sozialministerin Silke Lautenschläger mit Blick auf dieses Ergebnis. Zudem könne man an daran erkennen, dass politische Themen auch bei Kindern und Jugendlichen schon eine große Rolle spielen.
Lernverhalten und Schule
Genauer unter die Lupe genommen wurde das Lernverhalten der Kinder. Erfreulich ist, dass 47 Prozent der befragten Kinder mit einem sehr guten oder guten Gefühl in die Schule gehen. Weitere 22 Prozent gaben an, mit einem „eher guten“ Gefühl in die Schule zu gehen. Nur sechs Prozent hätten ein schlechtes oder sehr schlechtes Gefühl. Mädchen gehen dabei tendenziell lieber in die Schule als Jungen. Ihre Lernmotivation schöpfen die Kinder im Wesentlichen aus drei Faktoren: Sie lernen, weil sie wissen, dass „das für mich persönlich wichtig ist“, weil „ich den Unterrichtsstoff richtig verstehen will“ und weil „ich will, dass die Lehrer eine gute Meinung von mir haben“. Nur ein kleiner Teil der Schüler gibt an, nicht zu wissen, warum „ich in der Schule lernen soll“.
Das Kinderbarometer 2005 zeigt darüber hinaus, dass sich Kinder mehr Mitbestimmungsrechte bei den Lerninhalten wünschen. Jungs präferieren dabei praxisbezogene Fächer wie Sport oder Chemie, Mädchen hätten gerne mehr Wochenstunden in Kunst. Besonders unbeliebt sind bei den Jungen Spanisch- und Französischunterricht, bei den Mädchen Physik, Chemie und Erdkunde. Hoch im Kurs stehen Nachmittagsangebote wie Nachhilfe- oder projektorientierter Unterricht.
Unterstützung beim Lernen erhalten die Schülerinnen und Schüler vor allem von der Mutter. Der Vater sowie die Freunde und Geschwister spielen demgegenüber eine weniger wichtige Rolle. Hauptschüler lernen im Vergleich mit anderen Kindern besonders selten mit ihren Eltern. Kinder mit Migrationshintergrund lernen deutlich häufiger als deutsche Kinder mit den Geschwistern und Freunden, dafür seltener mit den Eltern. Auch beim Lernen außerhalb der Schule gibt es Unterschiede zwischen Hauptschülern und Schülern anderer Schulformen. So erklärten 18 Prozent aller Realschüler und Gymnasiasten, sie würden beim Lesen etwas lernen – der Anteil der Hauptschüler lag hier bei nur sechs Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied beim Musizieren: Nur ein Prozent der Hauptschüler, aber zwölf Prozent der Schüler anderer Schulformen gaben an, bei dieser Beschäftigung etwas zu lernen. „Kinder mit Migrationshintergrund“, so Kultusministerin Wolff, „erklären dafür deutlich häufiger als andere Kinder, dass sie bei der Nachhilfe etwas lernen.
Sozialministerin Lautenschläger nahm diese Ergebnisse zum Anlass, erneut auf die Notwendigkeit eines Bildungs- und Erziehungsplanes für Kinder hinzuweisen, wie er derzeit in Hessen erprobt werde. „Es ist wichtig, dass Kinder möglichst früh das Lernen lernen. Gerade Kinder aus bildungsfernen Schichten können davon profitieren, dass bereits im Kindergarten Bildung eine wichtige Rolle spielt und sie so Spaß am Lernen entwickeln.“
Lebenssituation der Kinder
48 Prozent aller befragten Kinder leben mit einem Geschwister zusammen. Jedes fünfte Kind hat zwei Geschwister. Mehr als drei Geschwister haben sieben Prozent der befragten Kinder, zwölf Prozent sein Einzelkinder. Die Zahl der Kinder mit getrennt lebenden Eltern ist gegenüber der Befragung im Jahr 2004 gleich geblieben und lag bei 21 Prozent. Die Zahl der allein erziehenden Mütter stieg von sechs auf acht Prozent. Elf Prozent der Kinder haben mindestens einen arbeitslosen Elternteil – 2004 waren es acht Prozent. Wie im Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit der Eltern bei Kindern mit Migrationshintergrund (17 Prozent) weit verbreiteter als bei Kindern ohne Migrationshintergrund (sieben Prozent).
Taschengeld
Im Durchschnitt erhalten hessische Schüler ein monatliches Taschengeld in Höhe von 19,40 Euro. Bei Jungen und bei Kindern mit Migrationshintergrund liegt diese Summe etwas höher. Jedes zweite Kind bessert sich sein Taschengeld durch Nebenjobs wie Babysitten oder Rasenmähen auf.
Das „Kinderbarometer Hessen 2005“ kostet 9,80 Euro und ist im Buchhandel erhältlich (ISBN: 3-936705-83-6).








