(openPR) Nordpol. Weihnachten steht vor der Tür und am Nordpol werden die Geschenke gebastelt. Aus den Werkstätten dröhnt der Lärm der fleißigen Helfer. Bei einem seiner Rundgänge wundert sich der Weihnachtsmann, dass heuer Hochgeschwindigkeits-Straßenbahnen und super hohe innerstädtische Parkhäuser auf den Wunschzetteln stehen. Er schaut in seiner Wunschliste nach und sieht, dass diese Wünsche aus dem rheinischen Colonia kommen.
In seinem großen Buch nachschlagend, findet er viele Eintragungen von Leuten aus dieser Stadt. Ihm fällt ein, dass es schon einmal Probleme gegeben hatte. Damals hatten sich die Einwohner Colonias mehr Bequemlichkeit gewünscht und dass die Arbeit sich von alleine erledige. Auf Rat der Elfen wurde damals ein eigener Trupp dorthin entsandt, um die Wünsche zu erfüllen. Natürlich sollte niemand erfahren, wer die Arbeiten heimlich ausführt. Aber das ging gehörig schief, wie noch heute in den so genannten Heinzelmännchen-Papers nachzulesen ist. Der Rat der Elfen bestimmte damals als Aufsicht für die Wünsche aus dieser Stadt einen Sonderbeauftragten, den Colonia Elf.
Sich daran erinnernd, bestellt der Weihnachtsmann den Elf ein und fragt ihn, was denn in der Stadt am Rhein in letzter Zeit so alles geschehen ist, woraufhin der Colonia Elf tief Luft holt und betrübt seinen Bericht abgibt:
„Ach, Weihnachtsmann, es ist ja nicht so, dass sich die Verantwortlichen in Colonia nur etwas wünschen, denn wenn sie es nicht bekommen, dann beschaffen sie es sich einfach selbst – koste es, was es wolle. Ob es gut für sie ist oder nicht, das wird gar nicht mehr geprüft. Auf die Einwohner der Stadt wird nicht gehört, aber ihnen wird mit vollen Händen das Geld aus der Tasche gezogen. Die Verantwortlichen haben noch nicht einmal Skrupel, denn sie empfinden ihre Entscheidungen äußerst bequem und glauben, das Geld käme von alleine. Der Psycho-Elf hat mir bestätigt, dass es sich dabei wohl um das Posttraumatische-Heinzelmännchen-Syndrom (PHS) handelt.
Die Beaufsichtigung durch mich als Elf ist schon schwierig. Vieles scheint insgeheim abgesprochen zu werden – geklüngelt sagen die in Colonia – und niemand weiß, wer die eigentlichen Strippenzieher sind. Erst als ich mich genauer mit den Geldströmen und dem Wunsch von Politikern nach einträglicheren Ämtern beschäftigt habe, ist mir Erstaunliches aufgefallen.
So wurde z.B. für den Neubau der Messehallen in Colonia geklüngelt und kein ordnungsgemäßes Ausschreibungsverfahren durchgeführt. Trotz der festgestellten Rechtswidrigkeiten sollten aber immer wieder die Einwohner der Stadt mit ihren Steuergeldern für den entstandenen Schaden aufkommen.
In Colonia haben sie sich ein Dach über ihre Autobahn gebaut, wegen des Lärms. Trotz hoher Kosten haben sie aber nicht einmal daran gedacht, das Dach zu begrünen oder für die Energiegewinnung mit Photovoltaikanlagen zu versehen. Die Autos dürfen dort übrigens nur langsam fahren: der zu verhindernde Lärm entsteht daher gar nicht mehr.
Am Rheinufer haben sie sich einen Boulevard aus Steinen gebaut, die so empfindlich sind, dass sie am besten gar nicht betreten werden. Statt Nächstenliebe und dringender sozialer Projekte sind jetzt jedes Jahr enorme Reinigungskosten zu zahlen.
Auf einem Abfallberg wollten sie einen Hubschrauberlandeplatz bauen, ohne den Untergrund genauer untersucht zu haben. Es wurden viel Geld ausgegeben und eine stabilisierende Bepflanzung entfernt. Heute ist der Abfallberg gefährlicher als je zuvor. Weihnachtsmann, du solltest auf keinen Fall dort mit deinem Schlitten landen.
In ihrer Oper lassen sie jetzt für eine sehr, sehr lange Zeit Bauarbeiter schauspielen und das kostet auch noch richtig viel Geld. Für die Schauspieler wird ein anderes Gebäude genutzt, das aber schon verkauft wurde und weil sich die dort geplanten Umbauten verzögern, muss die Stadt noch mehr Geld zahlen.
Sie bauen in ihrer Stadt ständig Museen, sogar noch auf ihren letzten freien Plätzen in der Innenstadt, obwohl es sinnvollere Alternativen gäbe. Trotzdem lassen sie ihre Gebäude verfallen, die Schulen, Kindergärten, Jugendzentren und natürlich auch ihre Museen. Sogar Verwaltungsgebäude verfallen und werden seit Jahren nicht instand gesetzt.
Die Luftverschmutzung durch Feinstaub ist ganz schlimm in Colonia. Die Messwerte haben sich nur leicht gebessert, als die Messstationen von den Straßen in Wäldchen verlegt wurden. Die offensichtlichsten Lösungen, um auf Busse und Bahnen auszuweichen, werden völlig ignoriert, auch die Vorschläge der betroffenen Einwohner.
Die zunehmenden Sommertage mit tropischen Nächten sind zwar bekannt, aber in Colonia bauen sie weiterhin Plätze ohne Pflanzen, jetzt wieder am Breslauer Platz. Die Bauzeichnung hat ihnen so gefallen, dass sie an die Umweltfolgen nicht mehr gedacht haben. Sie fällen im gesamten Stadtgebiet Bäume. Es sollen sogar 300 Bäume an der Bonner Straße und am Verteilerkreisel Köln-Süd gefällt werden, weil dort eine „Baumallee“ angelegt werden soll. Richtig böse werden die Verantwortlichen bei Vorschlägen, wie die Bäume stehen bleiben könnten, wenn die Planung nur geringfügig geändert würde.
Statt 150 km Straßenbahnschienen zu verlegen, haben sie das Geld für Schienen in einem nur 4 km langen Tunnel ausgegeben. Der ist aber gar nicht nutzbar, weil an der tiefsten Stelle noch ein Gleiswechselwerk gebaut werden muss. Bei den Arbeiten wollten sie sparen und so sind die Seiten des Loches eingestürzt, mitsamt eines historischen Archivs und Nachbarhäusern – es sind sogar zwei Menschen ums Leben gekommen.
Sie wollten allerdings auch Menschen helfen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung sind. Für deren Unterbringung haben sie auch ein Hotel gekauft – allerdings ohne ihre eigenen Bauauflagen zu beachten, wie den Brandschutz. Auch die Sanitäreinrichtungen hatten Mängel. Jetzt soll das Hotel wieder verkauft werden. Die Flüchtlinge sind derweil noch immer in Turnhallen untergebracht, was es sonst im ganzen Land nicht mehr gibt.“
Der Weihnachtsmann hört sich noch Stunden lang den Bericht an, doch sein Gesicht wird immer finsterer. Nachdem der Colonia Elf mit tief gesenktem Blick seinen Bericht vollendet hat, erhebt sich der Weihnachtsmann und dröhnt mit mächtiger Stimme: „Dieses Jahr gibt es keine Geschenke für die Verantwortlichen dieser Stadt. Sie sollen sich erst einmal klar werden, was sie mit ihrem Handeln alles angerichtet haben und welche Auswirkungen das für die Zukunft hat. Fertigt Ruten für sie an und befestigt daran ein Manifest mit der Aufschrift: Fangt endlich an, nachzudenken und verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Und wenn ihr im vollen Bewusstsein eurer geistigen Fähigkeiten seid, dann lasst euer Gehirn nie wieder unbeaufsichtigt, sonst haften noch die Enkel für euren Unfug.“











