(openPR) Offene Ateliers im Josefshaus
„Ja, wir sind gut angekommen“, kommt es wie aus einem Mund. Die fünf Künstler der Künstlergemeinschaft Wettringen fühlen sich sichtlich wohl in ihrem neuen Zuhause. Und das, obwohl sie den Kreis Steinfurt erst seit einem knappen Jahr kennen. Im vergangenen Herbst hatte sich der Wettringer Berthold Krümpel auf die Suche nach Künstlern gemacht und ist durch Zufall auf die fünf Künstler aus dem Sauerland gestoßen. Er wollte in Erfahrung bringen, ob sich aus den jahrelang ungenutzten Räumen des ehemaligen Kirchengebäudes geeignete Ateliers machen lassen und unter anderem damit die Kirche vor dem drohenden Abriss bewahrt werden kann. Die Bedenken, die er hatte, konnten die angereisten Künstler gleich bei ihrem ersten Rundgang ausräumen.
„Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Alexander Klar. „Als wir hier ankamen, auf diesem weitläufigen Gelände und vor dem imposanten Kirchengebäude standen, wurden bereits die ersten Umzugspläne geschmiedet.“ Die fünf Künstler sind teilweise seit vielen Jahren befreundet, aber zur festen Gemeinschaft wurden sie erst mit dem gemeinsamen Umzug ins Unbekannte. Und nicht zuletzt die kollektive Anstrengung, Wohnateliers in dem alten Gemäuer zu installieren, hat sie zusammengeschweißt.
Seitdem dient die ehemalige Kirche des St. Josefshauses Wettringen ihnen als inspirierende Wirkungsstätte und soll über die kommenden Monate weiter zum Atelier- und Ausstellungsort ausgebaut werden. Der Großteil der Arbeiten am Gebäude ist jetzt weit genug vorangekommen, um die Türen des alten Gemäuers für das Publikum zu öffnen – und zwar dem Gebäude gemäß an zwei Sonntagen.
Unter dem Motto „Op zondag naar de kerk“ stellen sich die neuen Bewohner den Wettringer Bürgern und Kunstinteressierten aus der Region vor und laden zum Gespräch und Austausch über ihre Arbeit und ihren neuen Lebensmittelpunkt ein. So ähnlich sich die Fünf in ihrer Begeisterung für das Josefshaus nämlich sind, so unterschiedlich und abwechslungsreich ist ihre Arbeitsweise.
Marcel Häkel beispielsweise geht häufig in der Natur auf Entdeckung. „Dort begegne ich den Grundelementen, die in den Kreislauf meiner Arbeit einfließen“, erklärt Häkel die Inspiration seiner Gemälde, Photographien und Skulpturen. „Das Wahrnehmen der kleinen Dinge gibt mir die Möglichkeit, in ihnen die wahre Größe und Bedeutung zu entdecken.“
Am anderen Ende des Gebäudes verarbeitet Knut Kargel genau das Gegenteil von Natürlichem, nämlich Kunststofffolien. Melted Collages nennt Kargel die von ihm selbst erfundene Technik, bei der er mit Bügeleisen Folien miteinander zu Farbflächen verschweißt und diese teilweise wieder übermalt. Daneben präsentiert der Absolvent der Kunstakademie Münster und Meisterschüler von Prof. Udo Scheel aber auch neueste Ölgemälde, traditionell auf Leinwand gearbeitet.
Ähnlich aufgespannt zwischen klassischen Techniken wie Zeichnung und Radierung sowie modernen Medien wie Objekten und Rauminstallationen liegt das Werk von Ada Klar. Gemein haben ihre unterschiedlichen Arbeiten den ihr eigenen Blick auf die „Welt hinter dem Offensichtlichen oder die im Verborgenen liegenden Stimmungen und Seinszustände“, wie sie den Ursprung ihrer Arbeiten verortet.
Gleich nebenan ist das Atelier von Nina Lieven, die in Collagen, Bildern und Objekten das Zusammenspiel individueller und kollektiver Entwicklungen verarbeitet sowie deren geschichtliche Wiederholung in den Fokus nimmt. „Besonders faszinieren mich dabei die auf den ersten Blick unvereinbar erscheinenden, doch nebeneinander bestehenden, Bedürfnisse und Gefühle“, beschreibt sie den Hintergrund ihrer Arbeit.
Im Atelier von Alexander Klar im ersten Obergeschoss sind dagegen konkret nur wenige Arbeiten zu sehen. An den Wänden hängen Skizzen und Konzepte. „Zwischenideen“ nennt er das, was er produziert. Denkanstöße, die weitergedacht werden können. „Ich betrachte Gesellschaftsphänomene, gehe Sprachauffälligkeiten auf den Grund – häufig bis zur Absurdität, einem Ort, wo für mich die Realität brüchig wird.“
Alle fünf Ateliers sind am zweiten und dritten Sonntag im September (11. und 18.9.), jeweils von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Die Ausstellung findet im St. Josefshaus, Dorfbauerschaft 31 in Wettringen statt. In älteren Navigationsgeräten geben Sie bitte die alte Hausnummer 30 an.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.kgw.st













