(openPR) Kassel, 18.05.2016. Meist erkennen Eltern schon lange vor der Einschulung die Sprechstörung ihres Kindes. Doch mit dem Besuch der Schule und den steigenden Sprechanforderungen nimmt das 'Stotterproblem' enorm an Bedeutung zu.
Spielen und Sprechen mit Mitschülern wird für Betroffene genauso zur Belastung wie die mündliche Teilnahme am Unterricht. Stottern ist bei vielen Betroffenen mit einem hohen Leidensdruck verbunden.
Eltern von stotternden Kindern wenden sich mit ihren Sorgen oft zunächst an ihren Kinderarzt oder direkt an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. In den meisten Fällen werden sie mit einem Rezept für eine ambulante Therapie an einen Logopäden verwiesen. Über mehrere Wochen besuchen sie dann einmal wöchentlich eine logopädische Praxis. „Gemessen an der Komplexität der Sprechstörung ist das oft zu wenig“, weiß Dr. Alexander Wolff von Gudenberg. „Nachweislich wirkungsvoller als ambulante Therapien sind Intensivtherapien, in denen ganztägig über einen längeren Zeitraum an der Sprechstörung gearbeitet wird.“
Als Selbst-Betroffener gründete er vor mehr als 20 Jahren die Kasseler Stottertherapie, eine der wenigen Institutionen, die den Erfolg ihrer Therapie aufgrund objektiver, wissenschaftlicher Kriterien nachweisen kann.
Die meisten Stotternden entwickeln die Sprechstörung bis zum 6. Lebensjahr, eine vollständige Heilung gilt nach Ende des Vorschulalters als unwahrscheinlich.
„Oftmals durchlaufen Stotternde einen 'Therapiemarathon', jedoch ohne langfristigen Erfolg und verlieren so wertvolle Jahre in denen sie soziale, schulische und berufliche Einschränkungen erleben müssen“, erklärt Dr. Wolff von Gudenberg.
Manche seiner Therapieteilnehmer berichten auch von seltsamen Erfahrungen mit fragwürdigen Stottertherapeuten. Vom Lieder singen über Verspannungen in den Stimmlippen ausmassieren bis hin zur Infrarotbestrahlung des Sprachzentrums ist da alles vertreten, erzählt zum Beispiel Anja Fuhrmann, die selber jahrelang unter ihrer Sprechstörung litt und heute als Therapeutin bei der Kasseler Stottertherapie anderen Betroffenen hilft.
Was Stottern für junge Menschen bedeutet, wird auf einer Informationsveranstaltung der Kasseler Stottertherapie deutlich: Ein 21 Jahre junger Mann erzählt einem interessierten Publikum von seinem wichtigsten Therapieerfolg: Nach dem Abschluss der Intensivtherapie habe er quasi als Mutprobe das erste Mal in seinem Leben eine junge Frau angesprochen und gefragt, ob sie mit ihm einen Kaffee trinken möchte. Aus Angst vor Zurückweisung hätte er so etwas vorher nicht gewagt. Und lachend fügt er hinzu: „Sie hat leider Nein gesagt. Aber dieses Mal nicht wegen meinem Stottern.“
Die Kasseler Stottertherapie: Flüssigeres Sprechen unter wissenschaftlicher Leitung
Das Konzept der Kasseler Stottertherapie (KST) basiert auf dem verhaltenstherapeutischen Fluency Shaping Programm nach Webster (1974). Ergänzt um integrierte Elternarbeit und eine strukturierte Nachsorge verfolgt die Therapie das Ziel eines dauerhaft flüssigeren Sprechens und Kontrolle über den eigenen Sprechablauf. Ein geschultes, interdisziplinäres Team teils selbst betroffener Therapeuten behandelt Patienten in drei verschiedenen Altersgruppen.
In das Konzept der KST sind verhaltenstherapeutische Anteile zur Verminderung von sprechbegleitenden Emotionen, z.B. Ängsten, eingewoben. Dadurch verbessert sich nicht nur die Sprechflüssigkeit der Betroffenen, sondern auch die Lebensqualität im Alltag.
Die KST kombiniert eigene Erfahrungen mit Ergebnissen medizinischer Hirnforschung, um die Wirksamkeit von Stottertherapien zu verstehen und zu verbessern. Eine enge Verzahnung mit führenden Institutionen und in der Stotterforschung renommierten Wissenschaftlern gewährleistet den hohen wissenschaftlichen Anspruch der Kasseler Stottertherapie.







