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Rückblick: 9. Darmstädter Tage der Fotografie

03.05.201609:02 UhrKunst & Kultur

(openPR) Darmstädter Tage der Fotografie 2016 mit dem Thema „Projektion – Fotografische Behauptungen“
Rückblick auf das Festivalwochenende vom 22. bis 24. April 2016
„Projektion – Fotografische Behauptungen"

Zum 9. Mal holten die Darmstädter Tage der Fotografie internationale Fotografie nach Darmstadt und schafften an über 10 Orten der Stadt viel Raum für Austausch und Begegnungen. Das diesjährige Thema „Projektion – Fotografische Behauptungen“ reflektierte aktuelle Diskurse zur zeitgenössischen Fotografie und überraschte die Besucher mit Bildern, die nicht immer auf Anhieb als Fotografien erkennbar waren.



Trotz des launischen Wetters kamen mehr als 3.000 Menschen, um die Werke von 46 internationalen Künstlern zu sehen und erlebten die Vielfalt aktueller Fotokunst in einer beeindruckenden Dichte.
Gewinner des 6. Merck-Preises: Alexander Gehring Die Jury der Fototage (Initiatoren und Kuratoren des Festivals: Albrecht Haag, Alexandra Lechner, Rüdiger Dunker, Gregor Schuster, Ute Noll und Prof. Dr. Kris Scholz) beeindruckte in besonderem Maße die Arbeit „Messages from the Darkroom“ von Alexander Gehring. Der Berliner Fotograf erhielt den mit 7.000 Euro dotierten 6. Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie.

Begründung der Jury:
Subtil, humorvoll und poetisch beleuchtet Alexander Gehring das Medium Fotografie. Er bezieht sich auf das Magische, das der Fotografie seit seiner Erfindung anhaftet – und inszeniert es aus heutiger Sicht. Er liefert vermeintliche Beweise für die mystische Welt der Geister und Phänomene. Er nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch die verlorene Dunkelkammer-Welt, der gleichzeitig auch ein Philosophieren über das Medium Fotografie ist. Indem er die historische Beweisführung von Okkultisten wie dem Münchner Arzt Albert von Schrenk-Notzing wiederholt, offenbart er den Behauptungscharakter der Fotografie. Die Arbeit hat die Jury vom Konzept bis zur Präsentation an der Wand überzeugt.
Die beiden weiteren Nominierten Stephanie Gudra und Michel Le Belhomme erhielten je 1.500 Euro Preisgeld.

Stifter des Preises ist das Darmstädter Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck. Die Werke aller drei Nominierten waren im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe ausgestellt. Die Preisverleihung fand am Abend des Eröffnungstages am 22. April 2016 statt. Große Vielfalt in den Ausstellungen Die Tage der Fotografie machten Darmstadt auch bei der 9. Auflage zur Meile der Fotokunst: An 10 Orten von Mathildenhöhe über Centralstation bis zur Kunsthalle zeigten 46 Künstler ihre Arbeiten zum Thema „Projektion – Fotografische Behauptungen“. Die Bandbreite der gezeigten Positionen reichte von Fragestellungen zum Wahrheitsgehalt des Mediums Fotografie bis hin zu Experimenten zu den Grenzen des Fotografischen.

Allein die Hauptausstellung mit 12 künstlerischen Positionen zeigte ein großes Spektrum. Phillip Toledano visualisiert beispielsweise mit aufwändiger Maske und schauspielerischem Talent Bilder seiner eigenen Zukunft, die er auf Grundlage von DNA-Test, Aussagen von Wahrsagern und Auswertungen von Statistiken inszeniert. Georg Brückmann beschäftigt sich auf ganz andere Weise mit der Darstellung von Realität im fotografischen Bild. Er fragt nach der Möglichkeit, Zeit und Raum abzubilden und überlagert verschiedene Zustände der Wirklichkeit in nur einem Bild. Wie weit der Begriff des Fotografischen gefasst werden kann, zeigen die abstrakt wirkenden Arbeiten von Stefanie Seufert.

Ihre Fotogramme bilden nicht die sichtbare Welt ab und verwischen die Grenzen zwischen Fotografie und Skulptur. Auch der chinesische Künstler Wang Ningde geht über die zweidimensionale Fotografie hinaus. Er erzeugte in seiner Installation aus der Serie „Form of Light“ mittels schmaler Diapositivstreifen ein aus zahllosen Projektionen zusammengesetztes fotografisches Bild. Doch auch die Ausstellungen des Rahmenprogramms auf einem Parcours vom Haus Olbrich, über die Centralstation bis zur Kunsthalle zogen zahlreiche Besucher an und erstaunten mit Wandinstallationen, fotochemischen Experimenten und
seriellen Zusammenstellungen.

Fotografische Behauptungen – das Symposium

Zum Programm der Darmstädter Tage der Fotografie gehört immer auch die theoretische Reflexion des Festivalthemas. Boris von Brauchitsch führte in den Tag ein und diskutierte anhand von unterschiedlichen Darstellungen aus verschiedenen Zeitepochen den Wahrheitsgehalt von Fotografie. Mark Farid, Medienkünstler aus London, berichtete über die Erfahrungen mittels virtueller 3-D Brille in die Identität eines Fremden zu schlüpfen und dessen Leben „live“ mitzuerleben. Die Künstlerin Viktoria Binschtok gab einen Einblick in ihr fotografisches Werk von der Konzeption bis zu dessen Präsentation an der Wand. Aus der Perspektive der Kuratorin sprach Nadine Wietlisbach über den Umgang mit den aktuellen fotografischen Formen im Kunstraum. Als letzter Redner sprach Phillip Toledano zu seiner bei den Fototagen präsentierten Arbeit „Maybe“. Er berichtete über die vorangegangene Arbeit über seinen Vater und wie daraus die Ansätze zu „Maybe“ entstanden. Zum Ende des Symposiums wurden einige Fragen und Ansätze, die im Lauf des Tages angesprochene wurden, noch einmal zusammenfassend diskutiert. Auf dem Podium waren Boris von Brauchtisch, Ute Noll, Prof. Dr. Kris Scholz und Nadine Wietlisbach. Sie diskutierten mit Dr. Kai Buchholz, der die Moderation übernahm, und dem Publikum Aspekte zur Rezeption und Präsentation von Fotografie.

Den Austausch unter Künstlern und die Begegnung mit dem Publikum, mit Kuratoren oder Galeristen zu fördern, ist ein großes Anliegen der Darmstädter Tage der Fotografie. Das Programm bot dafür zahlreiche Gelegenheiten. Fast alle ausstellenden Künstler sind für das Wochenende nach Darmstadt gereist und haben die gemeinsame Zeit zum Austausch untereinander, aber auch mit den interessierten Besuchern und Experten der Fotografie, genutzt.

Der Festival-Katalog

Zum Festival ist ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen der ausstellenden Künstler und der Referenten des Symposiums erschienen. Er kann über die Webseite www.dtdf.de bezogen werden und kostet 25 EUR (ISBN: 978-3-9813629-6-1).

Förderer und Partner

Die 9. Darmstädter Tage der Fotografie wurden ermöglicht durch die Stadt Darmstadt, die Merck KGaA, den Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie durch weitere Förderer und Partner. Ein Shuttle-Service von Skoda stand allen Künstlern und Besuchern für die Fahrt zu den beteiligten Ausstellungsorten zur Verfügung.

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