(openPR) Schnell-Lesen funktioniert, aber anders als Trainer glauben
Spritz funktioniert kaum
Zu diesem Ergebnis kommt das neu erschienene Buch Grundlagen des Schnell-Lesens. Geschrieben wurde das 400 Seiten starke Werk vom Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Schnell-Lesen, dem Münchner Informatiker und Reviewtechnikexperten Peter Rösler.
»Es ist richtig, dass man das Lesetempo knapp verdoppeln kann, beispielsweise von 250 Wörtern pro Minute auf 450 Wörter pro Minute.« Doch Rösler hält es für ausgeschloßen, dass diese Steigerung in einem Kurs erreicht werden könne, der nur ein oder zwei Tage dauere: »Man lernt dabei nur das überfliegende Lesen. Das Verständnis bleibt auf der Strecke. Weil bei vielen Kursen die Multiple-Choice-Fragen beim Abschlußtest zu leicht sind, merkt das aber kaum keiner.« Schnell-Lese-Kurse sollten nach Rösler mehrere Wochen lang dauern.
In Kursen, die noch länger dauern, nämlich einige Monate, könne man sogar das rein optische Schnell-Lesen lernen. Damit sei ein Lesetempo von 1.500 Wörtern pro Minute möglich, wie es nur die sogenannten natürlichen Schnell-Leser beherrschten. Rösler: »Kim Peek, der im Jahr 2009 verstorbene Autist, war ein solcher natürlicher Schnell-Leser. Ohne jemals einen Schnell-Lese-Kurs besucht zu haben, konnte er mit etwa 2.700 Wörtern pro Minute lesen. Kim Peek war damit etwa zehnmal so schnell wie normale Leser.«
Ungefähr einer aus 500 Personen sei ein natürlicher Schnell-Leser. In Berlin gibt es nach Rösler ungefähr 7.000 natürliche Schnell-Leser. (Andere Städte: Hamburg 3.500, München 3.000, Köln 2.000, Frankfurt a.M. 1.400, Stuttgart 1.200, Düsseldorf 1.200, Dortmund 1.200, Essen 1.100, Bremen 1.100, Leipzig 1.100, Dresden 1.100, Hannover 1.000, Nürnberg 1.000)
Vor zwei Jahren machte die App Spritz von sich reden. Mit Spritz werden die Wörter des Texts nacheinander in schneller Folge auf dieselbe Stelle des Bildschirms projiziert. Um Unterschied zu ähnlichen schon länger existierenden Techniken, die unter dem Begriff RSVP (Rapid Serial Visual Presentation) bekannt sind, optimiert Spritz die genaue Position der Wörter auf dem Bildschirm.
In Grundlagen des Schnell-Lesens wird begründet, warum Spritz kaum zu einer Erhöhung des Lesetempos beitragen kann. Rösler: »Der limitierende Faktor beim Lesen bis etwa 600 Wörtern pro Minute sind leider nicht die Augenbewegungen, die durch Spritz zugegebenermaßen optimiert werden. Es muss das Tempo des inneren Mitsprechens hochtrainert werden, wie es 2010 durch den Leseforscher Prof. Ralph Radach an 27 Teilnehmern gezeigt wurde.«
Trivia
Mit »Tachylexie« und »Tachylexigrafie« werden im Buch Grundlagen des Schnell-Lesens erstmalig passende Kunstwörter für »Schnell-Lesen« und bzw. »Schnell-Lese-Schrift« eingeführt.
1983 nahm das medizinische Wörterbuch Pschyrembel die »Steinlaus« als fingierten Eintrag auf. Im Buch Grundlagen des Schnell-Lesens ist ebenfalls ein fachlich nicht ernstgemeiner Hinweis versteckt.
Von Evelyn Wood (1909-1995), der wohl bekanntesten Schnell-Lese-Trainerin überhaupt, gibt es einen interessanten Deutschlandbezug: Evelyn Wood wurde zusammen mit ihrem Mann, einem Bischof der Mormonen, nach Nazi-Deutschland geschickt, um mehrere Hundert junge Kirchenmitglieder bei ihrer dortigen Missionarstätigkeit zu unterstützen. Als sich die Lage 1939 zuspitzte, mussten die Woods mithelfen, alle Missionarsgruppen aus Deutschland abzuziehen und konnten selber das Land buchstäblich erst am Tag vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verlassen.
Bestellinformation
Über www.grundlagen-des-schnell-lesens.de können die e-Book-Ausgaben (Kindle, PDF) für 4,99 EUR und die Printausgabe für 79,90 EUR bestellt werden. Die Webseite enthält auch eine 100-seitige Leseprobe des Buchs.










