(openPR) Die Versorgung von Contergangeschädigten in NRW steht vor neuen Herausforderun-gen. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Lebenssituation der Betroffenen unter Leitung von Prof. Dr. Klaus M. Peters, Chefarzt in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik. Wie es jetzt weitergeht, diskutierten am Samstag, 09. April, Experten und Betroffene im Hotel Hilton Cologne.
Köln. „Wir müssen dringend etwas tun, um die Contergangeschädigten besser versorgen zu können“, betont Prof. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie und Osteologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik. Seit über 15 Jahren behandelt er contergangeschädigte Patienten in der Nümbrechter Rehaklinik und bietet eine Spezialsprechstunde für Betroffene an. „Dabei haben wir immer wieder festgestellt, dass Contergangeschädigte zunehmend unter Folgeschäden wie Rücken- oder Nackenschmerzen und psychischen Beschwerden leiden.“
In einer 2011 vom Landeszentrum Gesundheit NRW in Auftrag gegebenen Studie unter Leitung von Prof. Peters bestätigte sich diese Beobachtung. Über 200 Teilnehmer und damit jeder vierte Conterganbetroffene aus Nordrhein-Westfalen beteiligten sich an der Studie. „Mit Besorgnis haben wir festgestellt, dass die körperliche und psychische Gesundheit und damit auch die Lebensqualität von Contergangeschädigten beständig sinken und die Pflegebedürftigkeit zunimmt. Auf diese Probleme ist das medizinische Versorgungssystem in NRW nicht vorbereitet“, warnt Prof. Peters. Um die Betroffe-nen, die heute im Schnitt 54 Jahre alt sind, auch im Alter angemessen versorgen zu können, müsse jetzt dringend etwas geschehen.
Konkrete Versorgungsmaßnahmen
Das bestätigt auch Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, in Ihrem Vortrag. Damit die Betroffenen weiterhin am Arbeitsleben partizipieren und selbständig leben können, seien konkrete Versorgungsmaßnahmen notwendig. Wie auch Prof. Peters betrachtet sie die Errichtung eines medizinischen Kompetenzzentrums als wichtigen Schritt für eine bedarfsgerechte Versorgung der Contergangeschädigten.
„In einem Medizinischen Kompetenzzentrum wollen wir die Kompetenzen zur Behandlung von Con-terganbetroffenen bündeln und für eine Verbesserung des Versorgungsangebots sorgen“, erklärt Prof. Peters. So sollen zum Beispiel regelmäßige Untersuchungen der Folgeschäden, Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen angeboten werden. Auch Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen für Ärzte und Therapeuten sind geplant. „Bei uns in der Rhein-Sieg-Klinik haben wir mit solchen Schulungen gute Erfahrungen gemacht, um unseren Mitarbeitern mehr Sicherheit im Umgang mit Conterganpatienten zu ermöglichen“, erklärt der Chefarzt. Für ein möglichst selbständiges Leben im Alter seien alternative Wohnformen wie generationsübergreifende Wohnquartiere ein Lösungsansatz.
„Noch haben wir die Möglichkeit, die Versorgung von Contergangeschädigten im Alter zu verbessern. Aber nur, wenn wir jetzt handeln“, betont Prof. Peters.
Contergan-Studie und Peer-to-Peer-Projekt
Die Querschnittsstudie zur Lebenssituation von Contregangeschädigten in Nordrhein-Westfalen hatte das Landeszentrum Gesundheit NRW 2011 in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie von einem Team der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht und der Universität zu Köln. Studienbegleitend wurde ein Peer-to-Peer-Projekt eingerichtet. „Das bedeutet, dass Conterganbetroffene, die an der Studie teilgenommen haben, andere Betroffene bei ihrer Studienteilnahme begleitet und unterstützt haben“, erklärt Udo Herterich, 1. Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter NRW e. V. Da das Projekt so erfolgreich verlief, wurde es nach Studienabschluss in ein Beratungsangebot von Betroffenen für Betroffene umgewandelt.
Homepage des Interessenverbandes Contergangeschädigter NRW e. V. : http://www.contergan-nrw.eu/
Interessierte können die Studie hier herunterladen: http://www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/gesundheit/contergangeschaedigte-Abschlussbericht.pdf








