(openPR) Münster - Vom 12.-14.5. tagten in Münster auf Einladung des Bundesvereins barrierefreier Tourismus Tourismusberater, Vertreter von Tourismusregionen und –projekten aus ganz Deutschland zum Thema „Barrierefreier Tourismus als Zukunftsaufgabe“. Sie diskutierten über konkrete zukunftsweisende Tourismusprojekte.
Vernetzung von Angeboten hilft bei der Vermarktung.
So berichtete Bernhard Endres aus dem Fränkischen Seenland, wie es durch gemeinsame Anstrengung gelungen ist, diese Tourismusregion weitgehend barrierefrei zu gestalten. Durch gemeinsame Werbung für barrierefreie Ferienwohnungen und barrierefreie Angebote wie z.B. für Rollstuhlfahrer zugängliche Badeseen konnte die Übernachtungszahl bei barrierefreien Ferienwohnungen deutlich gesteigert werden. Die Schifffahrtslinien auf den fränkischen Seen haben rollstuhlfahrende Gäste als potentielle Kunden für ihre Ausflugsschiffe entdeckt, die nun per Rampe befahrbar sind und geeignete Toiletten haben. Die Anfrage von vielen rollstuhlfahrenden Anglern hat dazu geführt, dass dort jetzt barrierefreie Angelplätze angelegt werden. Je mehr geeignete Angebote vorhanden und bekannt sind, desto größer ist der Nutzen für die Region.
Nicht nur behinderten Menschen profitieren davon
Mehrfach wurde von der Erfahrung berichtet, dass Projekte, die für bestimmte Gruppen von behinderten Menschen geplant wurden, auf eine viel breitere Resonanz stießen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Reiseführer in leichter Sprache über Münster, den Zugvogel e.V. herausgegeben hat. Dieses von der Aktion Mensch geförderte Projekt war ursprünglich für und mit Menschen mit Lernschwierigkeiten geplant worden. Ein halbes Jahr nach der Fertigstellung hat sich herausgestellt, dass viel mehr Zielgruppen den Reiseführer nutzen: So wird er beim Sprachunterricht für ausländische Münsteraner genutzt oder bei einem Alphabetisierungsprojekt. Gehörlose Menschen freuen sich über die leichten Texte, genauso wie Eltern mit Kindern im Grundschulalter.
Ähnliche Erfahrungen machten auch andere Projekte. So berichtete Bernhard Harborg vom Benediktushof in Maria Veen (Westmünsterland) über barrierefreie Radwege in der Region und den Verleih von Rollfietsen, mit denen Rollstuhlfahrer an Radtouren teilnehmen können. Die barrierefreien Radwege werden gerne auch von Eltern mit radelnden Kindern oder Fahrrad-Kinderanhänger genutzt, weil sie sicher sind, dass sie auch für sie geeignet sind. Und die Rollfietsen werden nicht nur von Rollstuhlfahrern genutzt sondern oft auch von „Kurzzeitbehinderten“. Wenn der Kegelklub eine Radtour machen will, ein Mitglied aber ein gebrochenes Bein hat, wird ein Rollfiets entliehen und die Radtour kann wie geplant stattfinden.
Als Fazit ließ sich sagen: alle Projekte, die Erfolg hatten, genauso wie diese Tagung, waren mit Beteiligung von Betroffenen geplant worden und das Wissen von Experten in eigener Sache war in einem frühen Stadium eingeholt worden. So wurden die Radwege zusammen mit Rollfietsfahrern, Dreiradfahrern und Handbikefahrern getestet. Der Münster-Reiseführer wurde mit Beteiligung von „Mensch zuerst – Netzwerk Poeple First Deutschland e.V.“ geplant und geschrieben, und das Projekt „Eifel barrierefrei“, von dem Alexander Sobotta aus Nettersheim berichtete, holte während der Projektlaufzeit fachkundigen Rat ein, wie z.B. ein Naturlehrpfad barrierefrei gestaltet werden kann. Das gilt auch für die rollstuhlgerechten Angelplätze, von denen Bernhard Endres berichtete. Es gibt sie in allen Größen für einzelne Rollstuhlfahrer und für ganze Gruppen, aus allen möglichen Materialien. Aber ohne die Mitarbeit von Anglern, die wissen, wo die Fische anbeißen, hilft der barrierefreieste Angelplatz nichts.
Der Vorsitzende des Bundesvereins barrierefreier Tourismus e.V., Michael Prestel aus Berlin und die Teilnehmer dankten den Organisatoren, der Münsteraner Firma Holtz & Faust GbR für die gute Organisation. Sie freuten sich über die konkreten Themen und die gute Themenauswahl, die konstruktive Gespräche mit den Referenten provozierte. Projekte aus dem ganzen Bundesgebiet und zu unterschiedlichen Behinderungen wurden vorgestellt. Allgemein wurde die Tagung als Bereicherung für die eigene Arbeit angesehen. „Es hat mir einen Motivationsschub für meine Arbeit gegeben“, nannte es eine Teilnehmerin von der Münsterland Touristik.
Ein Höhepunkt der Tagung war die Stadtführung mit Giesela Holtz, in leichter Sprache durch Münster - leider im Nieselregen. Besonders begeistert waren nicht nur die blinden Teilnehmerinnen von den verschiedenen Tastmodellen, die Münsters Innenstadt zeigt.
Der Bundesverein Barrierefreier Tourismus e.V. (BBTeV) will Menschen mit Behinderung, ihren Angehörigen und Freunde auf dem Gebiet des barrierefreien Tourismus beraten und unterstützen, um Ihnen die Führung eines gleichberechtigten und selbstbestimmten Leben zu erleichtern.
Gleichzeitig fördern die Tourismusberater im BBTeV in Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden und Akteuren der Tourismuswirtschaft die weitere Verbreitung des barrierefreien Tourismus.



















