(openPR) Es ist nicht klar, wie die Arbeitswelt von morgen aussieht, aber eines ist definitiv sicher: anders als heute.
Technische Innovationen und schnelles, mobiles Internet ermöglichen neue Arbeitsformen. Diese Entwicklung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen, z.B. im Hinblick auf die Daten- und Compliancevorgaben, Erfassung und Kontrolle von Arbeitszeiten, Mitbestimmung durch Betriebsräte und die Führung ihrer Mitarbeiter.
Nach der Mechanisierung, der Elektrifizierung und der Computerisierung ist der 4. Schritt – die Digitalisierung – bereits eingeleitet. Gilt das auch für Ihr Unternehmen?
Arbeitnehmer werden zukünftig stärker in unternehmensübergreifenden Projekten eingesetzt, in denen Mitarbeiter eines Unternehmens mit Dienstleistern aus anderen Unternehmen dezentral in Teams zusammen arbeiten. Dort entstehen neue Kommunikationsformen; es wird weniger über klassische E-Mail Programme und stärker über Messenger kommuniziert. Das künftige Arbeitsumfeld ist von Flexibilität, Mobilität und einem Zugriff auf alle Unternehmensanwendungen geprägt, egal von welchem Endgerät.
Arbeit 4.0 und die Generation Y
Die Vision von Arbeit 4.0 ist ein stärkerer Fokus der Unternehmen auf die menschlichen Bedürfnisse ihrer Arbeitnehmer. Dies ist kein Selbstzweck, sondern impliziert indirekt, dass durch die neu gewonnenen Freiräume die Kreativität und Produktivität der Arbeitnehmer steigt. Nur so lässt sich der Innovationsvorsprung im internationalen Wettbewerb aufrecht erhalten. Auch wird dem demographischen Wandel Rechnung getragen. Ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg ist das Gewinnen und Halten hochqualifizierter Arbeitskräfte. Hier rückt die Generation Y stark ins Blickfeld der Unternehmen. Die Jahrgänge von 1980 - 1995 werden auch als „digital natives“ bezeichnet. Sie gehen mit den neuen, digitalen Medien völlig selbstverständlich um. Sie haben ein Wertesystem, dem Unternehmen Rechnung tragen müssen. Die Generation Y lässt sich weniger mit üppigen Karriereperspektiven, hohen Gehältern oder einem großen Dienstwagen locken. Vielmehr verliert das eigene Auto für die oftmals in der Stadt wohnende Generation an Bedeutung. Man fährt mit der Bahn zur Arbeit und zur Not leiht man sich einen Wagen bei einem der vielen Car Sharing Portale. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Möglichkeit am Arbeitsplatz selbst gestalterisch tätig zu werden, eine Sinnhaftigkeit der Tätigkeit und Wirksamkeit der eigenen Person sind hingegen klare Anforderungen an die Unternehmen, die im Kampf um die Generation Y vorne mit dabei sein wollen.
Was bedeutet Arbeit 4.0 für die Führungskräfte
Das Arbeiten im digitalen Zeitalter erfordert viel Vertrauen - sowohl von Arbeitnehmern, als auch von Arbeitgebern. Die Mitarbeiter müssen ihren Vorgesetzten Vertrauen schenken, damit die „always-on“ Kultur nicht dazu führt, dass Führungskräfte einen übermäßigen Arbeitseinsatz und ständige Erreichbarkeit einfordern. Ebenso müssen die Führungskräfte ihren Mitarbeitern vertrauen, denn diese verrichten ihre Arbeit nicht mehr ausschließlich im Büro um die Ecke, sondern aus dem Home-Office oder auf der Parkbank sitzend oder auch abends, wenn die Kinder im Bett liegen. Aber wie können Führungskräfte zukünftig ihre Mitarbeiter informieren, wie stellen sie eine fristgerechte Erledigung der Tätigkeiten sicher, wie beurteilt man Mitarbeiter, die in dezentralen Projekten oder im Home-Office arbeiten?
Das Gründerteam des Coaching Portals Faircoach.de, hat Dajana Langhof zu den Anforderungen an die Führungskräfte befragt. Dajana Langhof ist systemischer Business Coach und Expertin für Arbeit 4.0.
Frau Langhof, was sind aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen, auf die sich Unternehmen im Hinblick auf Arbeiten 4.0 einstellen müssen?
Eine der großen Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung ist die zunehmende Flut an Impulsen und Informationen, die es im Alltäglichen zu verarbeiten gilt. Deutlich häufiger als früher müssen Mitarbeiter zwischen wichtigen und unwichtigen sowie dringenden und weniger dringenden Angelegenheiten unterschieden. Die Burnout-Raten sind nicht von ungefähr steigend. Den Fokus zu behalten und die täglichen Aufgaben mit Blick auf die Vision des Unternehmens und die kleinen, mittelfristigen und langfristigen Ziele zu meistern wird stets anspruchsvoller. Phasen der Entschleunigung und mehr Achtsamkeit sind gefragt, wofür auch Unternehmen zukünftig mehr Verantwortung tragen. Zudem ist unsere Zeit schon heute mehr denn je von Individualität geprägt. Die Bedürfnisse des Einzelnen rücken vermehrt in den Mittelpunkt. Um Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen und zu binden, braucht es daher Führungskräfte, die diesen Herausforderungen gewachsen sind.
Wie müssen die Unternehmen ihre Führungskräfte vorbereiten, um die Generation Y als hochmotivierte Arbeitnehmer zu rekrutieren und zu binden?
Generation Y sucht Freiheit und Sicherheit. Selbstverwirklichung muss die Arbeit von morgen ermöglichen. Die Frage nach dem persönlichen Sinn rückt für sie in den Mittelpunkt. Sie wollen verstehen, warum sie mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung der oder die Richtige für den Job sind. Sie wünschen sich Vertrauen und Verantwortung. Die Führungskraft von morgen sollte sich daher als Begleiter von Karrieren verstehen, denn Generation Y wird weiterziehen, wenn die persönliche und berufliche Weiterentwicklung im aktuellen Job nicht mehr erkennbar ist. Wichtige Kompetenzen für Führungskräfte sind daher Achtsamkeit, aktives Zuhören und gute Kommunikation. Die Welt der Technik macht Kommunikation auf ganz unterschiedlichen Wegen möglich. Dennoch gibt es Themen, für die ein persönliches Gespräch von Auge zu Auge angebrachter ist als ein Austausch per Email, Telefon oder Skype. Fazit: Wer führen will, muss Menschen lieben.
Was empfehlen Sie Unternehmen, um sich im Hinblick auf Arbeit 4.0 fit für die Zukunft zu machen?
Meine Empfehlung für Unternehmen ist, regelmäßig den Raum zu schaffen, in dem sich Führungskräfte und Mitarbeiter abteilungsübergreifend austauschen können, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Damit kann eine Kultur von Offenheit unterstützt werden. Offenheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Vertrauen, und Vertrauen die Basis für Verantwortung. Jeder Mitarbeiter sollte die Vision und die aktuellen Ziele des Unternehmens kennen und auf unterschiedliche Art und Weise regelmäßig daran erinnert werden. Nur so kann das eigene Handeln immer wieder in das große Ganze eingeordnet werden.
Freiheit beim Arbeiten verlangt auch freie Zeiteinteilung. Hier gilt es Arbeitszeitgesetze zu lockern, um Arbeitszeitmodelle zu schaffen, die Selbstorganisation ermöglichen und damit die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben erleichtern. Führungskräfte müssen Vielfalt managen können und mit Unterschiedlichkeit umgehen. Hier gibt es weiterhin einen großen Bedarf an guter Kommunikation, die in Trainings und Coachings vermittelt werden kann. Coaching ist eine geeignete Methode zum Innehalten, um das eigene Handeln zu reflektieren und auf neue Bedarfe anzupassen, um gestärkt, fokussiert und lösungsorientiert die eigene Arbeit zu gestalten.













