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Überwachung auf Facebook und Co – NutzerInnen wissen wenig

21.09.201512:49 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Ein Projekt des Wissenschaftsfonds FWF hat untersucht, welche Rolle Überwachung und Privatsphäre bei den Nutzerinnen und Nutzern sozialer Medien spielen. 90 Prozent der Befragten sind besorgt um ihre Privatsphäre, haben aber wenig Wissen über Datenüberwachung.



Die Zahlen sprechen für sich: Knapp 3,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind auf Facebook registriert, bei Personen bis zu 26 Jahren sind es über eine Million. Auf Platz zwei und drei der beliebtesten Online-Netzwerke folgen, laut einer Umfrage der Online-Agentur Liechtenecker aus 2014, WhatsApp und Google+. Weltweit, so verkündete Facebook erst kürzlich, wurde die Marke von einer Milliarde Nutzerinnen und Nutzer innerhalb eines Tages geknackt. In dem mehrjährigen Projekt des Wissenschaftsfonds FWF "Social Networking Seiten in der Überwachungsgesellschaft" hat ein Team der Forschungsgruppe "Unified Theory of Information", unter der Leitung von Christian Fuchs, erstmals für den deutschsprachigen Raum das Wissen und die Meinung der Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien zu den Themen Überwachung und Privatsphäre analysiert. Dabei haben die Medienexperten auch erforscht, wie diese Aspekte mit ihrem Verhalten im Internet korrelieren. In 30 Interviews und einer Onlineumfrage mit 3558 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden Studierende in Österreich im Durchschnittsalter von 25 Jahren befragt.

Wissenslücken und Skepsis
Die Ergebnisse zeigen, dass das Wissen über Datenschutz und Überwachung bei 70 Prozent der Befragten gering ist. Gleichzeitig zeigen sich fast alle Befragten (90 Prozent) sehr oder eher besorgt um ihre Privatsphäre. Das entspricht aktuellen europaweiten Umfragen. 84 Prozent sind weiters sehr kritisch bis kritisch gegenüber Überwachung. "Wir sind hier mit einem Paradoxon konfrontiert: Nutzerinnen und Nutzer sind kritisch und besorgt, wenn es um die Verletzung der Privatsphäre geht, haben aber kaum Wissen darüber, was mit ihren Daten passiert", sagt Fuchs, der Professor für Internetforschung an der Universität Westminster ist. Das Problem ist, dass Überwachung weitgehend unsichtbar und versteckt erfolgt. Dies sei auch anhand der Aufdeckungen Edward Snowdens deutlich geworden, erklärt Fuchs. "Die Öffentlichkeit hatte keine Ahnung, dass Geheimdienste in Kooperation mit Kommunikationsunternehmen wie Facebook, Google, Microsoft oder Apple und privaten Sicherheitsunternehmen eine Massenüberwachung des Internets durchgeführt haben." Das Argument, dass Massenüberwachung Terrorismus und Kriminalität verhindern würde, führe jedoch zur Aushöhlung der Bürgerrechte, warnt der Forscher.

Kaum alternative soziale Medien
Auch die Datenschutzbestimmungen lassen den Nutzerinnen und Nutzern der sozialen Medien nur wenig Spielraum. Und Alternativen, wie etwa nicht kommerzielle Plattformen, sind nach wie vor rar. Dabei sprechen sich die Userinnen und User klar für institutionelle und materielle Unterstützung zur Entwicklung alternativer Formen aus. Zudem wünschen sie sich mehr zwingende Rechtsvorschriften, so dass etwa personalisierte Werbung erst nach Zustimmung der Nutzerin/des Nutzers möglich ist, durch ein sogenanntes Opt-in. Hier tun sich komplexe Probleme auf: Die internationalen Unternehmen wie Facebook und Google profitieren enorm von den Werbeeinnahmen, zahlen in Europa aber keine Steuern, wodurch sie in den vergangenen Jahren auch unter Kritik geraten sind.

Mehr Regulierung und Diskurs
Fuchs schlägt eine Besteuerung entsprechend dem Anteil der Nutzerinnen und Nutzer in den einzelnen Ländern vor. "Dazu bedarf es aber einem koordinierten steuerlichen Vorgehen der EU", betont Fuchs. Generell könnte Werbung, und dabei auch personalisierte Onlinewerbung, seiner Meinung nach mehr besteuert werden. Mit den Einnahmen dieser gleichsam "partizipativen Mediengebühr" könnte wiederum in nicht kommerzielle Projekte investiert werden. Großbritannien beispielsweise hat einen ersten Schritt gesetzt und 2014 eine sogenannte "Google-Steuer" eingeführt. Sollen gesetzliche Regelungen und Alternativen zu kommerziellen Plattformen Realität werden, braucht es eine breite öffentliche Diskussion, sind die Expertinnen und Experten überzeugt. Zivilgesellschaftliche und öffentlich-rechtliche Internetplattformen müssten generell gestärkt werden. Der Ruf nach Alternativen ist jedenfalls da, wie die Studie belegt.

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