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Warum Faszien trainieren?

21.09.201509:39 UhrSport
Bild: Warum Faszien trainieren?

(openPR) Früher nannte man es Bindegewebe. Heute heißen sie Faszien. Früher war es meistens nur schwach. Heute sind sie ein phänomenales Multitalent. Um zu verstehen, warum derzeit so ein Aufheben um diese glitschige Haut gemacht wird, muss man wissen, was sie kann. Und das ist eine Menge.



Aufgabe der Faszien ist zunächst Schutz durch Umhüllung. Und das kollagene Fasernetz schützt und umhüllt wirklich alles im Körper: Sehnen, Muskeln, Bänder, Nerven, Gefässe, Organe, Kapseln usw. Es findet sich in der Hirnhaut ebenso wie in der Lederhaut des Auges, im Knochenmark, den Zwischenwirbelscheiben oder in den lymphatischen Organen. Faszien sind sozusagen das Zwischenraum-Organ, denn sie füllen jeglichen Raum zwischen Zellen und Zellverbünden (=Organen). Die wässrige Trennschicht sorgt dafür, dass alles reibungslos aneinander vorbeigleiten kann. Gleichzeitig wirkt diese hauchdünne, teilweise aber auch mehrere Milimeter dicke Schicht verbindend, indem etwa ein Drittel der bindegewebigen Fasern in die jeweilige Umgebung hineinstrahlen und alles mit allem verbinden.

Faszien sind deshalb zum Trendthema geworden, weil Forscher entdeckt haben, dass man es trainieren kann. Bislang glaubte man nämlich, dass schwaches Bindegewebe genetisch bedingt sei und als unabänderliches Schicksal hingenommen werden muss. Fakt aber ist, dass es sich – ähnlich wie Muskeln – gezielt trainieren läßt.

Diese Erkenntnisse sind vor allem dem Rolfer und Humanbiologen Robert Schleip zu verdanken, der an der Uni Ulm forscht. Faszientraining strafft den Körper und festigt das Gewebe. Doch nicht nur das. Das fasziale Gewebe ist ein Multitalent mit vielen Fähigkeiten. Ein gut trainiertes Fasziensystem verbessert die Haltung und lässt uns durch neu gewonnene Beweglichkeit größer, schlanker, eleganter und jünger wirken. Das Training schützt unsere Muskeln vor Verletzungen, verkürzt die Regenerationszeit, erhöht die Leistungsfähigkeit, verbessert Koordination und Ergonomie, reduziert Schmerzen, verringert Wasseransammlungen im Gewebe (und reduziert so den Umfang von Oberschenkeln, Po und Hüfte), regt die Durchwässerung an, verbessert den Stoffwechsel, verhindert Verklebungen, bringt den Lymphfluss zum Fliessen und unterstützt damit das Immunsystem.

Während herkömmliches Training Muskeln stärkt, zielt Faszientraining auf das Bindegewebe. Es handelt sich dabei nicht um etwas komplett Neues, denn Bewegungen können nicht neu erfunden werden. Die einzelnen Segmente des Faszientraining sind bereits bekannt, Elemente stammen zum Beispiel aus der Medau-Gymnastik, dem Yoga, Pilates, Bodyart, Shaolin, Tai Chi, Chi Gong und anderen asiatischen Kampfkünsten. Neu ist, dass man weiß, worauf das Gewebe anspricht und deshalb alle entscheidenden Komponenten zusammengefasst und unter dem Namen Faszientraining oder Faszienfitness bekannt gemacht hat.

Um straff statt schlaff zu werden, ist also nicht nur wichtig, dass man sich bewegt, sondern vor allem wie. Die auf das Bindegewebe zielende Fitness ist eine Ergänzung zum Kraft- und Ausdauertraining. Wichtig ist und bleibt, Muskeln und Herz-Kreislaufsystem zu stärken. Das Faszientraining ist ein unverzichtbarer Baustein, der jetzt einfach noch hinzukommt.

Ein umfassendes Faszientraining besteht idealerweise aus 4 verschiedenen Bausteinen:

1. Fasziales Ent-Spannen: durch Selbstmassage mit einer Schaumstoffrolle
2. Fasziales Dehnen: sowohl dynamisch federnd als auch in langen Muskelketten
3. Katapulteffekt: Bewegungsenergie in faszialen Strukturen speichern und nutzen
4. Eigenwahrnehmung: Training der Rezeptoren in den Faszien

Selbstmassage mit einer Rolle, Springen, Schwingen, Langziehen und Federn: all das strafft nachweislich das Bindegewebe. Der Faszienforscher Robert Schleip dazu: „Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass regelmäßig federnde Bewegungen bei älteren Tieren zu einem jugendlichen Re-Modelling des Bindegewebes führte. Auch bei der Anwendung der sogenannten Faszien-Rollen konnte man nachweisen, dass das eine beschleunigte Kollagen-Erneuerung bewirkte. Zusätzlich zeigte sich lokal eine erhöhte Produktion von Stickoxid, einem Viagra-ähnlichen Botenstoff, der die Gefäße jugendlich-elastisch macht.“ Das Multitalent Faszien kann aber noch mehr.

Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen. Dachte man bisher. Laut aktueller Forschung gilt das jedoch nur für Zweidrittel aller Muskelfasern. Der Rest zieht in die Faszienschichten, die den Muskel umgeben. 30% der Muskelkraft wird also direkt ins Bindegewebe geleitet und beeinflusst die dort liegenden Muskeln und Gelenke. Weil auch ein Drittel dieser Muskeln in das Umfeld einstrahlt, entstehen lange Verbindungen durch den Körper: Fasziale Leitlinien.

Faszien beeinflussen also alle Bewegungen, die komplette Muskulatur, die Gelenkmechanik und die Körperhaltung. Es sind nicht die Knochen, die dem Menschen Stabilität geben. Das wahre tragende System des Menschen ist das, was die Knochen verbindet: das dreidimensionale Fasernetzwerk des Bindegewebes. Durch die Hauptbestandteile Kollagen (straff) und Elastin (elastisch) sorgt dieses Organ dafür, dass feste Bestandteile nie aufeinander treffen, sondern zu einem biegsamen, starken Gesamtgerüst werden. Je höher die fasziale Beteiligung an Bewegungen ist, desto besser ist die Ökonomie, Ergonomie und Koordination.

Wer fitte Faszien hat, dessen Muskeln, Sehnen und Bänder sind optimal vor Rissen, Zerrungen und Überdehnungen geschützt, denn ein gesundes Bindegewebe funktioniert wie ein elastischer Ganzkörper-Stoßdämpfer. Beginnt die feuchte Gleitschicht auszutrocknen, bleiben die Faszien aneinander kleben. Was zunächst recht harmlos klingen mag, weil es in so kleinen Dimensionen stattfindet, kann trotzdem große Auswirkungen haben. Wenn Faszien verhärten, nimmt die Beweglichkeit des Menschen ab, er wird steif und ungelenk. Liegen Nervenendigungen in diesem Bereich und werden sie gequetscht, kann es zu Beschwerden kommen. Nacken- und Rückenschmerzen gehören häufig zu diesen faszial bedingten Schmerzen.

Nerven leiten die Information „Schmerz“ an das Gehirn weiter. Neu ist die Entdeckung, dass in den Faszien sechs Mal so viel Nervenendigungen liegen wie in den Muskeln. Das bedeutet, dass zwei Drittel aller Schmerzen durch Verletzungen in den Faszien ausgelöst werden und nur ein Drittel tatsächlich Muskelverletzungen sind.

Da jetzt bekannt ist, dass ein Großteil von Rücken- und Nackenschmerzen, aber auch von Schulter-, Knie-, Hüft- oder Ellbogenproblemen faszial bedingt ist, lassen sich solche Beschwerden zielgerichtet und effektiv über die Faszien behandeln und Schmerzen reduzieren. Mit der sogenannten myofaszialen Selbstmassage wird direkt der Ort der Schmerzentstehung bearbeitet: die Faszie. Dabei rollt man mit Schaumstoffrollen über die einzelnen Körperbereiche und bestimmt mit dem eigenen Gewicht, wieviel Druck die schmerzende Stelle aushalten kann.

Wie lässt sich das Bindegewebe straffen?
Der menschliche Körper besteht etwa aus 210 Knochen, 650 Muskeln, circa 100 Gelenken, aber nur aus einer einzigen Faszie, die mit ihren überall hinfliessenden Fasern einen dreidimensionalen Raum schafft, der starken Zug aushält und dabei gleichzeitig elastisch und beweglich macht. Dieses holistische Netz stabilisiert und formt den menschlichen Körper und wird dabei vom jeweiligen Lebens- und Ernährungsstil geprägt. Jede Faszie ist einmalig und ein Unikat. Es kommt kein zweites Mal auf der Welt vor. Der Zustand dieses Gewebes bestimmt die Erscheinung, die typische Silhouette des Menschen, die schon von Weitem erkennbar ist. Um ein gesundes, festes Bindegewebe bekommen, sollten drei Dinge beachtet werden:

1. ausreichend fasziale Bewegungsreize
2. eine faszien-freundliche Ernährung
3. ein möglichst stressfreier Lebensstil

Was passiert beim Training? – In den Faszien gibt es Bindegewebszellen (Fibroblasten), die vor Ort körpereigenes Kollagen und Elastin produzieren. Diese Produktion kann durch entsprechende Übungen angeregt werden. Ähnlich wie ein Muskel, der auf schwere Hantelübungen mit Verdickung reagiert, lassen sich Bindegewebszellen durch spezielle Druck- und Zugübungen zur Produktion von Bindegewebsfasern anregen. Dabei wird darauf geachtet, möglichst lange faszialen Ketten zu nutzen, sich weich, fliessend und elegant zu bewegen, aber auch rhythmisiert oder mit kleinen Winkelveränderungen zu arbeiten und so alle möglichen Richtungen auszunutzen. Durch regelmäßiges Training und wenn die anschließende Regenerationszeit eingehalten wird, verdichtet sich das Netzwerk und strafft so das Gewebe.

Die Faszienstruktur ändert sich nicht so schnell wie die der Muskeln. Die einzelnen Bestandteile der Faszien benötigen unterschiedliche Zeiträume, um sich zu erneuern. Nach dem derzeitigen Wissensstand ist die Hälfte des Fasziennetzes nach etwa einem Jahr erneuert. Der Prozess findet natürlich kontinuierlich statt und Erfahrungen zeigen, dass sichtbare Ergebnisse nach etwa drei Monaten zu erwarten sind, individuell aber verschieden ausfallen. Neben regelmäßigem Training und der unbedingt einzuhaltenden Regenerationszeit, haben auch der Lebensstil (keine Stressfaktoren) und die Ernährung (basenüberschüssig) äußerst positiven Einfluß auf die Kollagensynthese der Faszien. Nach eineinhalb bis zwei Jahren ist das Bindegewebe schließlich vollständig erneuert. Der Begriff Ausdauererhält in der Faszienfitness also eine ganz neue Bedeutung.

Trainingsempfehlung
Um das Bindegewebe zu straffen, wird idealerweise zwei Mal pro Woche mit zwei Tagen Pause dazwischen und einer Mindesttrainingszeit von 20-25 Minuten trainiert. So lange benötigt das Fasziennetz, um auf den Trainingsreiz von außen zu reagieren und sich umzustrukturieren. Mehr ist nicht nötig und mehr hilft auch nicht mehr. Anschließend sollte kein Krafttraining erfolgen, da die Verletzungsgefahr zu hoch ist. Wer bereits ein gutes Bindegewebe hat uznd es erhalten will, sollte etwa ein bis zwei Mal pro Monat seine Faszien pflegen, um ihren Zustand zu erhalten.

Gegenanzeigen
Wer unter Venenproblemen, Krampfadern, Besenreisern oder Durchblutungsstörungen leidet, sollten vor dem Rollen einen Arzt konsultieren. Grundsätzlich gilt, dass das Training bei Schmerzen abgebrochen werden muss. Ein „Wohl-Weh“ zählt dabei aber nicht als Schmerz. Gerade wenn Sie verspannt sind oder Verklebungen haben, werden Sie dieses Wohl-Weh bei der Selbstmassage mit der Rolle öfter zu spüren bekommen. Sollten Hautrötungen auftreten, dann dürfen sie nicht länger als zwei Minuten bestehen.

Weitere Informationen sowie das kostenlose Ebook "Straffe Oberarme dank Faszientraining" stehen unter http://fasziendo.de zur Verfügung.

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