(openPR) Sie wissen wie es ist, wenn man seine Heimat verlassen muss. Viele Bewohner des St. Marien Altenheims haben selbst in ihren Leben Flucht und Vertreibung erlebt. Und sind während und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht freundlich empfangen worden. „Geht wieder weg.“ Das waren die Worte, die Gerda Bösel 1945 gehört hat, als sie mit ihrer Mutter auf einem Gutshof ankam. „Ich kann die Leute heute verstehen, ich weiß, wie schlimm es ist, wenn man seine Heimat verlassen muss“, sagt die 88-Jährige, die heute im St. Marien Altenheim in Monheim lebt. Gemeinsam mit 22 weiteren Bewohnern hat sie heute über 32 Kilogramm Äpfel geschält, in Spalten geschnitten und damit den Teig auf zehn Kuchenblechen belegt. Auf jeder Etage im Haus wurden die Backöfen angeheizt und die Kuchen gebacken.
Heike Jaspers-Djeukam von der Sozialen Betreuung hatte die Idee, und alle zogen sofort mit. „Die Bilder im Fernsehen und in den Zeitungen haben die Erinnerungen an Flucht und Vertreibung, die sie selbst erlebt haben, bei unseren Bewohnern wieder lebendig werden lassen“, erzählt sie. „Unsere Bewohner wollen helfen.“ Ein Anruf bei der Stadt Monheim. Und dann ging alles ganz schnell. Montags hatte Heike Jaspers-Djeukam noch die Bitten um Apfelspenden im St. Marien Altenheim verteilt. Am Dienstag brachten Angehörige und Mitarbeiter tüten- und körbeweise Früchte aus den Gärten Monheims. Die Zutaten für den Rührteig spendete das Haus.
An langen Tischen sitzen die 23 Bewohner und schälen. Hauchdünn sind die Schalen. Schließlich haben die 21 Frauen und zwei Männer auch die Nachkriegszeit erlebt und wissen hauszuhalten. Man erinnert sich. Früher seien die Schalen getrocknet worden und für Tee oder eine seltene Süßspeise verwendet worden. Heute ist das freilich anders. Nur die guten, süßen Apfelstücke landen auf dem Rührteig. Die fertigen Kuchen wollen die Bewohner selbst in der Liselott-Diem-Sporthalle an die Flüchtlinge des Jahres 2015 verteilen. Fünf Bewohner fahren nach Baumberg, um nachher den anderen davon zu erzählen „Es war uns wichtig, dass wir so die Aktion auch rund bekommen“, sagt Heike Jaspers-Djeukam. Den Kuchen abholen zu lassen, das sei nicht konkret genug.
Gerda Bösel hält inne. Sie erinnert sich daran, wie sie Silvester 1945 in einen Zug verfrachtet worden sei. Zwei Tage und Nächste seien sie gefahren, um in Stettin in einem Durchgangslager anzukommen. Von dort seien sie auf die umliegenden Städte verteilt worden. Die Reisen gleichen sich. Der Duft von Apfelkuchen als Willkommen ist neu.













