(openPR) „If you are depressed, you are living in the past. If you are anxious, you are living in the future. If you are at peace, you are living in the present.“
Lao Tzu
Veränderungen werden von vielen Menschen gefürchtet. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn alles über Jahre hinweg so bleibt, wie sie es gewohnt sind. Es gibt aber auch Menschen, die nach Veränderungen lechzen. Bleibt etwas über einen gewissen Zeitraum hinweg konstant, verspüren sie Langeweile und suchen nach neuen Herausforderungen.
Warum ist das so? Ist die eine Variante besser als die andere? Kann man lernen, Veränderungen offen zu akzeptieren? Und wenn ja, auf welche Weise?
Angst vor versus Sucht nach Veränderungen
Für alle Ungeduldigen unter Ihnen lauten die Antworten: Weil Menschen nun mal verschieden sind, nein und ja. Für alle, die gerne viel lesen, betrachten wir die Fragen und Antworten nun etwas dezidierter.
Ob wir Veränderungen fürchten oder sie bewusst herbeiführen, hängt unter anderem von unserem sozialen Hintergrund ab. Eltern, Schule, Freunde und gegebenenfalls Religion prägen uns in jungen Jahren. Dabei ist es aber nicht vorhersagbar, auf welche Weise sich Erfahrungen in der Kindheit und Jugend auf uns auswirken. War das Elternhaus durch Routinen und Stabilität geprägt, können wir eine Abwehr und Vorsicht gegen Veränderungen entwickeln. Es ist aber genauso gut möglich, dass wir im Erwachsenenleben oder im Job ständig das Neue suchen werden, sei es aus innerer Rebellion oder Langeweile. Umgekehrt gilt das Gleiche für instabile soziale Verhältnisse. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir als Reaktion auf das Erlebte das sich ständig verändernde Chaos genauso bevorzugen wie Ruhe, Alltag und Ordnung ist gleich hoch. Das heißt, der soziale Hintergrund allein ist nicht ausschlaggebend für unsere Toleranz gegenüber Veränderungen. Auf alle Faktoren einzugehen, würde den Rahmen sprengen und daher kurz zusammengefasst: Wie viele Faktoren man auch einbeziehen mag, unsere Einstellung gegenüber Veränderungen entwickelt sich mit uns weiter, weil auch wir uns täglich verändern – häufig ohne es bewusst mitzubekommen.
Somit haben wir also auf der einen Seite die „Angsthasen“, die panische Angst davor haben, dass auch nur eine Komponente ihres Lebens einer Veränderung unterliegt, ob Beruf, Partnerschaft, Freundeskreis, Supermarkt oder Zugverbindung. Diese Menschen verlassen sich auf Routinen und schöpfen aus ihnen die nötige Kraft für ihre täglichen Aufgaben. Auf der anderen Seite stehen die „Abenteurer“, diejenigen, die ein halbes Jahr nach der Renovierung ihrer Wohnung die Nase voll haben und eine neue Wohnung kaufen. Sie brauchen Projekte, denen sie sich widmen können, die Vielfalt und den Kitzel. Häufig spiegelt sich das auch in den Urlaubsreisen wider – am Strand liegen kann man, wenn man in Rente ist.
Natürlich habe ich diese beiden Pole überspitzt dargestellt. Wie bereits erwähnt, kann meiner Meinung nach keiner von ihnen allein einen gesunden Lebensstil darstellen. In einem Extrem kommen wir nie zur Ruhe, im anderen verschließen wir uns vor dem Leben und seinen Facetten. Wenn sie sich aber selber mal genau betrachten oder von einem Freund oder Partner einschätzen lassen, werden sie feststellen, dass sie eine stärkere Tendenz zum einen oder zum anderen haben. Das ist aber in Ordnung, denn beide Seiten haben auch ihre positiven Aspekte.
Die Krux ist, dass wir Menschen in der Lage sind, die positiven Eigenschaften beider Seiten zu vereinen. Wir haben es nur vergessen.
Achtsamkeit als Schlüssel für Offenheit
Sie werden es ahnen: Es gibt einen Weg, der uns die goldene Mitte ermöglicht. Der uns erlaubt, mit dem, was wir haben, zufrieden zu sein, aber gleichzeitig flexibel auf Neues zu reagieren und offen für sich bietende Chancen zu sein – selbst wenn diese mit Risiken verbunden sind. Denn seien wir ehrlich: Veränderungen gehen häufig mit Türen einher, die sich öffnen. Es können einmalig auftauchende Möglichkeiten für uns sein, sich weiterzuentwickeln und auszuprobieren. Wie bei so vielen Sachen im Leben müssen wir uns nur trauen, den Schritt über die Türschwelle zu setzen. Selbst wenn es zu Rückschlägen kommen sollte, muss man diese als Chance für Wachstum sehen. Ich weiß selber, wie schwer es ist, kann Ihnen aber aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es sich lohnt. Bei mir war es der Jobwechsel, zu dem ich mich überwinden musste. Nachdem ich den Schritt gewagt, die Entscheidung getroffen hatte, merkte ich erst, wie schlecht meine alte Arbeitsumgebung für mich war.
Der Schlüssel zum Mut heißt Achtsamkeit. Achtsamkeitsmeditationen finden nicht nur unter Experten großen Anklang, sondern halten auch in immer mehr Unternehmen Einzug. Einer der prägenden Namen in diesem Kontext ist Jon Kabat Zinn, der mit seinem 8-wöchigen MBSR-Programm (Mindfulness-based stress reduction) große Erfolge erzielt hat. Das Buch zu dem Programm werde ich im Rahmen meines Blogs näher betrachten.
Was bedeutet Achtsamkeit?
Mein ehemaliger Vorgesetzter hat einst zu mir gesagt: „Ich mag das Wort nicht. Es hat was von einem Schild, auf dem ‚Achtung’ steht.“ Nun, da hatte er etwas Wahres gesagt, nur falsch gedacht: Achtsamkeit heißt nichts anderes als auf den jetzigen Moment achten. Den Augenblick fokussieren. Ich bin eine große Verfechterin dieses Wortes. Mein Kopf war ständig mit mindestens vier Sachen gleichzeitig beschäftigt, während meine Motorik nur mit einer hinterher kam. Achtsamkeit hat mich gelehrt, mich vollständig einer Sache zu widmen. Wenn ich schreibe, gilt meine Aufmerksamkeit dem Stift (ja, ich schreibe meine wichtigen Texte per Hand vor, weil ich nur über den Stift als Verlängerung meiner Hand den Worten Ausdruck verleihen kann, die aus meinem Inneren kommen); wenn ich spazieren gehe, bin ich achtsam gegenüber der Umgebung, den Geräuschen oder meinen Schritten. Ich ergebe mich voll und ganz der Tätigkeit oder Person, mit der ich mich gerade beschäftige. Achtsamkeitsmeditation bedeutet entsprechend die Fokussierung auf einen Bereich, sei es der Atem, der Körper, ein Gefühl oder eine Frage.
Entsprechend bedeutet Achtsamkeit auch, Tatsachen oder Umstände zu akzeptieren – so, wie sie im Augenblick sind. Und damit schließen wir den Kreis zum Thema Veränderungen. Wie das obige Zitat zeigt, hat Furcht vor Veränderungen derjenige, der zu sehr in der Vergangenheit lebt. Übersteigerte Sehnsucht nach ihnen spricht wiederum für eine Verankerung in der Zukunft. Die Mitte liegt in der Gegenwart – und diese zu schätzen, bedeutet, achtsam zu sein. Die Chancen, die sich ergeben, können wir nur erkennen, wenn wir unseren Fokus auf das Jetzt lenken. Dann wird uns gleichzeitig auch bewusst, dass Veränderungen natürlich sind und immer im Jetzt stattfinden. Wir müssen sie nicht herbeizwingen, wir müssen sie aber auch nicht fürchten. Ich habe dazu ein sehr schönes Zitat gelesen:
Time is like a river. You cannot touch the same water twice, because the flow that has passed will never pass agein.
Each moment of life is a place you’ve never been – explore it fully.“
Das Jetzt ist so wie es ist, perfekt, und das nächste Jetzt kann ganz anders aussehen – wird aber genauso perfekt sein.
Achtsamkeit und Change Management in Unternehmen
Change Management und Veränderungen an sich werden in vielen Unternehmen sehr stiefmütterlich behandelt. Als neumodischer Begriff abgestempelt und nur mit unnötigen Zusatzkosten assoziiert, wird das Change Management nicht in der Unternehmenspolitik verankert. Solange das Unternehmen floriert, können die Prozesse ja so weiterlaufen, wie sie es bereits seit 30 Jahren tun. Gerät die Firma aber in Schieflage, werden Veränderungen auf Teufel komm raus und über Nacht beschlossen – Personalstreichungen, Budgetkürzungen oder „innovative“ Prozessideen sollen das Heil bringen. Das Fatale daran: Kommuniziert wird meistens nur notdürftig. Die Mitarbeiter fühlen sich vor den Kopf gestoßen und die Produktivität sowie die Identifikation mit dem Unternehmen sinken. Ein Teufelskreis beginnt.
Wie man diesem mit Achtsamkeit vorbeugen kann, zeigt das Unternehmen Google. Mit seinem Achtsamkeitsprogramm „Search Inside Yourself“ verhilft es einerseits seinen Mitarbeitern zu einer neuen, positiven Lebenseinstellung, gestärkten Gesundheit und Spaß an der Arbeit. Andererseits profitiert das Unternehmen von erhöhter Motivation, gesteigerter Leistungskraft und Flexibilität der Mitarbeiter. Das wirkt sich auch auf die Unternehmenskultur aus. Diese Tatsachen wurden in zahlreichen Studien belegt, auf die ich aufgrund von Platzmangel nicht näher eingehe. In meinem Blog werde ich aber auch das Buch zu Google’s Programm rezensieren und dort genauer auf die Ergebnisse eingehen.
In einem Unternehmen wie Google stehen Veränderungen an der Tagesordnung. Starre Strukturen und veränderungsresistente, aber auch unruhige, weil gelangweilte Mitarbeiter wären da verheerend. Und das gilt auch für kleine und mittlere Unternehmen. Achtsamkeit beugt dem genauso vor, wie voreiligen, panischen Führungskräften, die Veränderungen durch übereilte Entscheidungen aus Aktionismus herbeiführen. Sie werden gelassener und ruhiger. Entscheidungen werden bewusst getroffen.
Achtsamkeit und die entsprechenden Meditationspraktiken sind ein wichtiger Weg, um uns für Veränderungen zu öffnen, sie aber nicht erzwingen zu wollen. Das gilt für einzelne Menschen ebenso wie für Unternehmen. Ein wichtiger Faktor kommt noch hinzu: Achtsamkeit beflügelt unser intuitives Empfinden. Und wer, wenn nicht unsere Intuition, hätte einen besseren Riecher dafür, welche Veränderungen wann gut für uns sind.
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