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Schreckreflex statt Hirnscan

02.06.201515:19 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Wiener Wissenschafter überraschen Hirnforscher – Menschliche Vorlieben lassen sich objektiv messen


Unbewusstes Augenblinzeln verrät mehr über unsere Vorlieben und Sympathien als umfangreiche Befragungen oder komplexe Hirnscans. Denn unbewusste affektive Sinnesverarbeitung – und nicht so sehr bewusste Wahrnehmung – ist verantwortlich dafür, ob wir einen Sinnesreiz als angenehm oder unangenehm einstufen. Das argumentieren Wissenschafter der Webster Vienna Private University und der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) heute auf dem internationalen Gmunden Retreat on NeuroIS 2015. Und dabei rütteln sie durchaus an lange akzeptierten Konzepten der Neurowissenschaften, was genau Emotionen eigentlich sind.



Forschung mit Augenzwinkern

Unwillkürliches Augenblinzeln (engl. Startle Reflex) ist eine reflexartige Reaktion auf kurze laute akustische Reize. Dieses bekannte Phänomen lässt sich hervorragend in den Neurowissenschaften einsetzen, wenn es darum geht, affektive Verarbeitung – also die Einordnung eines Reizes als angenehm oder unangenehm – zu erfassen. Dies ist nicht nur für Wissenschafter von Interesse, sondern auch für Meinungsforscher, Marketingmanager, Modemacher u.v.m., denn so lassen sich Rückschlüsse auf Vorlieben und Präferenzen ziehen. Zu der so einfachen wie aussagekräftigen Methode meint der Leiter des Departments für Psychologie an der Webster Vienna Private University, Prof. Peter Walla: "Tatsächlich konnte schon früher gezeigt werden, dass die Stärke des Schreckreflexes von tief im Gehirn stattfindender affektiver Verarbeitung abhängt. Ist man mehr positiv eingestellt, fällt das schreckhafte Blinzeln weniger heftig aus als wenn man negativ eingestellt ist. So kann die Intensität des Schreckreflexes mit der unbewussten Einordnung eines Reizes als unangenehm oder angenehm korreliert werden." Prof. Walla und seine Kollegin Prof. Monika Koller von der WU Wien argumentieren nun, dass der Schreckreflex im Vergleich zu traditionellen Befragungen ein wesentlich objektiveres Maß für das Messen von Präferenzen ist.

Was sind Emotionen?

Die höhere Objektivität des Testes hat dabei eine ganz grundlegende Ursache, wie Prof. Walla erläutert: "Einen Reiz als angenehm oder unangenehm einzustufen, ist eine uralte, unbewusste Funktion des menschlichen Gehirns, die sich in der Evolution lange vor der Entwicklung höherer kognitiver Funktionen und des Sprachvermögens gebildet hat. Werden Probanden aber zu ihren Empfindungen über einen Reiz befragt, müssen sie diese zur Verbalisierung erst kognitiv verarbeiten. Das kann unweigerlich zu Verfälschungen und Fehleinschätzungen führen." Für Prof. Walla ist diese Trennung zwischen unbewusster affektiver Verarbeitung eines Reizes und der nachfolgenden kognitiven Verarbeitung der Information eine ganz wesentliche – betrifft sie doch die grundsätzliche Definition von Emotion. Prof. Walla und Prof. Koller argumentieren diesbezüglich, dass Emotion keine neuronale Informationsverarbeitung ist, auch kein Gefühl, sondern ein Verhalten, das erst daraus resultiert (der expressive "Output") – dass Emotion und affektive Verarbeitung also zu trennen sind.

Hinweise, die ihre Ansicht stützen, finden beide tatsächlich in Versuchen, die sie auf der Gmundener Konferenz zitieren. In diesen wurden die Ergebnisse von Befragungen zur positiven oder negativen Einstellung gegenüber Reizen mit Messungen des Schreckreflexes verglichen. Dabei, so zeigen die Resultate, wichen die Ergebnisse beider Methoden zum Teil stark von einander ab. Für Prof. Walla ist das keine Überraschung, denn das bewusste Überlegen, wie man seine Einstellung beschreibt oder kategorisiert, verfälscht durch kognitive Prozesse die Einstufung der unbewussten Grundeinstellung.

Die von Prof. Walla und Prof. Koller vorgestellte Methode ist aber nicht nur objektiver, sondern bietet zusätzlich auch eine genauere Quantifizierung der Reizverarbeitung als bisherige Ansätze. Denn alternativ zu subjektiven Befragungen werden auch moderne bildgebende Verfahren wie die funktionale Magnetresonanztomographie des Hirns eingesetzt, um eine höhere Objektivität der Ergebnisse zu erreichen. Doch ist es mit diesen Methoden schwierig, die Intensität einer positiven oder negativen Einstellung genau zu erfassen. Eine Differenzierung, die mit der nun vorgeschlagenen Methode technisch einfach möglich ist. In Kombination mit der hohen Objektivität dieses Verfahrens bietet sich die Nutzung des Schreckreflexes daher für grundlegende Neurowissenschaften genauso an wie für die klinische oder angewandte Forschung.

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