(openPR) Die Entwicklung der Arbeitsunfälle ist auf einem guten Weg, das Niveau des Arbeitsschutzes hierzulande grundsätzlich hoch. Gleichwohl sind weiterhin Anstrengungen notwendig, um kontinuierlich die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu verbessern. Zu diesem Fazit kamen Fachleute aus Unternehmen und Beratung bei einem Expertengespräch im Museum der Arbeit zusammen mit der Handwerkskammer Hamburg, die sich ebenfalls seit vielen Jahren für mehr Arbeitssicherheit einsetzt.
In großen Firmen ist Arbeits- und Gesundheitsschutz etabliert, dort existieren Stabsstellen „Health & Safety“ als vollwertige Management-Funktionen, inklusive Kenngrößen und konkreten Jahreszielen. Auch der Mittelstand versteht die Themen heute zunehmend als eine Führungsaufgabe. Es reift die Einsicht, dass sich Prävention lohnt, und moderner Arbeitsschutz sinnvoll in bestehende Strukturen integriert werden kann. So konnte in Hamburg z.B. die Zahl der Arbeitsunfälle von rund 21.200 im Jahr 2011 auf rund 18.500 im Jahr 2013 gesenkt werden. Eine positive Entwicklung, insbesondere da die Zahl der Erwerbstätigen im gleichen Zeitraum von 0,836 auf 0,867 Millionen anstieg. Einig sind sich die Experten, dass die Arbeitsschutzziele in der Hansestadt noch nicht erreicht sind.
Halbierung der Arbeitsunfälle in den letzten 20 Jahren
Bundesweit ist in den vergangenen 20 Jahren ein Rückgang der meldepflichtigen Arbeitsunfälle um ca. 55 Prozent zu verzeichnen. Die Zahl tödlicher Arbeitsunfälle ist in diesem Zeitraum sogar um ca. 71 Prozent zurückgegangen – leider sind die tödlichen Unfälle im Jahr 2014 wieder leicht angestiegen. Weiterhin seien daher erhebliche Anstrengungen notwendig, um den Arbeitsschutz noch effizienter zu gestalten: „Das reicht von entbürokratisierten Aufsichtsmethoden über branchenbezogene Kooperationen bis hin zu mehr Eigenverantwortung von Arbeitgebern und Beschäftigten“, erklärt Dieter Fuhrmann, Arbeitsschutzexperte der Handwerkskammer Hamburg. „Denn jeder Arbeitsunfall ist ein Unfall zu viel!“
Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist weiterhin erheblich. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geht für 2013 von rund 1,6 Millionen ausgefallenen Erwerbsjahren in Deutschland aus. „Das kommt einem Bruttoverlust von knapp 100 Mrd. Euro gleich“, ergänzt Fuhrmann. Insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen erkennt die Handwerkskammer Handlungsbedarf. „In den letzten Jahren ist deutlich mehr Verantwortung vom Gesetzgeber auf die Unternehmer übertragen worden und damit der Bedarf an qualifizierter Beratung gestiegen, um komplexen Herausforderungen wie der Gefährdungsbeurteilung gerecht werden zu können.“ Zudem stünde das Handwerk insgesamt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines zunehmenden Fachkräftemangels vor der Herausforderung, zeitgemäße und damit auch sichere Arbeitsplätze anzubieten, um als Branche für junge Menschen attraktiv zu werden.
Das Ziel: Mitarbeiter als „selbständig lernenden Organisationen“ beim Arbeitsschutz
Auch der Hygiene- und Hautschutzexperte BODE Chemie betrachtet die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Sinne des Arbeitsschutzes als einen kontinuierlichen Prozess. „Arbeitsschutz ist eine Aufgabe, die man nicht vom Pult aus dirigieren kann. Das geht nur vor Ort und direkt mit den Menschen: Es gilt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzubeziehen, sonst entsteht keine Akzeptanz. Wir wollen erreichen, dass die Beschäftigten die Gefährdungsbeurteilung ihres Arbeitsplatzes selbst erarbeiten, denn so können sie die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen besser beurteilen. Über einen langen Zeitraum haben wir erreicht, dass jeder einzelne Mitarbeiter bei uns ein Bewusstsein dafür entwickelt hat, für Arbeitssicherheit mitverantwortlich zu sein“, erklärt Dr. Klaus Michelsen Mitglied der BODE- Geschäftsleitung und verantwortlich für den Arbeitsschutz. „Den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen haben wir gut im Griff. Wir können definitiv noch besser werden beim Vermeiden kleinerer Gefährdungen, die zu Bagatellverletzungen wie kleinen Schnittwunden führen.“
Die größte Gefährdung für die Beschäftigten erkennt Michelsen perspektivisch in den Belastungen, die aus der zunehmenden Arbeitsverdichtung, also der Konzentration von Aufgaben pro Mitarbeiter, resultieren. „Auslastung und Überlastung – das ist häufig ein sehr schmaler Grat und kann dauerhaft krank machen. Hier vorzubeugen bzw. rechtzeitig zu handeln ist eine der wesentlichen Herausforderungen im Arbeitsschutz der Zukunft.“
Zunehmend wichtig: bedarfsgerechte und praxisbezogene Beratung
Arbeits- und Gesundheitsschutz ist heute viel mehr als die bloße Vermeidung von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen, bestätigt auch Wolfgang Möwius, Geschäftsführer des Hamburger Arbeitsschutzexperten MÖWIUS GmbH. „Produkte treten dabei zunehmend in den Hintergrund, es gibt für jede Gefährdung die entsprechende Ausrüstung und einen hohen Produktstandard. Worum es im Arbeitsschutz von heute vorrangig geht ist das Erkennen von Gefahren und Steuern von Prozessen in den jeweiligen Unternehmen. Denn jeder Arbeitsunfall ist vermeidbar!“
Ein hoher Standard beim Arbeits- und Gesundheitsschutz ist zunehmend auch ein ganz wesentlicher Image-Faktor für Unternehmen. Zeitgemäßer Arbeits- und Gesundheitsschutz sei heute, so der Beratungsexperte, geprägt von zielorientierter Prävention, Ergonomie und Gesundheitsförderung, der altersgerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen und vielem mehr. „Hier kommen kleine Betriebe oftmals nicht hinterher, weil ihnen die fachlichen Kenntnisse und teilweise die Mittel dazu fehlen. Manche Firmen scheuen sich vor zu viel Systematik im Arbeits- und Gesundheitsschutz, weil sie diese mit Managementsystemen verbinden und deshalb deutlich mehr Bürokratie befürchten“, ergänzt Möwius.













