(openPR) Wiesbaden, 05. März 2015 – Am 30. Januar 2015 hat das soziale Netzwerk Facebook seine Nutzungsbedingungen wieder geändert. Seit dem werden auch Daten gespeichert, die Nutzer auf Websites außerhalb von Facebook hinterlassen. Beispielsweise verraten Standortdaten, wo der Nutzer sich gerade aufhält und sollen so häufiger gezielt mit Werbung verknüpft werden. Fast gleichzeitig eröffnet die Bundesregierung ein eigenes Facebook-Profil. Mit Meldungen und Filmchen zeigt sie hier ihre Sicht der Dinge und bietet den Bürgern gleichzeitig eine Plattform für Kritik.
Martin Kuppinger, Principal Analyst und Gründer von KuppingerCole betrachtet diesen Schritt der Bundesregierung kritisch: „Während der Bundesjustizminister Heiko Maas dem Bundesverband der Verbraucherzentralen den Rücken bei deren Abmahnung von Facebook stärkt, macht die Bundesregierung ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt den Schritt hin zu einer eigenen Facebook-Präsenz“.
Mit den geänderten Nutzungsbedingungen hat Facebook seine Möglichkeiten, die Daten von Nutzern auszuwerten, massiv ausgebaut. Zwar erhält der Benutzer die Möglichkeit, seine Einstellungen für die eigene Privatsphäre besser steuern zu können Fakt ist aber, dass Facebook noch mehr Daten in schwer zu kontrollierender Weise sammeln kann. „Nutzer wissen nicht, welche Daten erhoben und wie sie verwendet werden“ stellt auch Bundesjustizminister Maas fest.
Laut Kuppinger sorgt die Bundesregierung mit ihrem Facebook-Profil dafür, dass Facebook indirekt auch Informationen über die politischen Interessen und Präferenzen der Nutzer erhält. Nachdem aber nicht nachvollziehbar ist, wie diese Informationen heute oder zukünftig genutzt werden können, ist das ein bedenklicher Schritt. Mit den zusätzlichen Informationen, die über das Facebook-Profil der Bundesregierung verfügbar werden, können beispielsweise auch Interessensgruppen zukünftig gezielt Werbung auf Facebook schalten. Es zeigt sich, dass die Implikationen von geschäftlichen Facebook-Profilen nicht verstanden werden. Der Wert von Facebook-Fans wird oftmals überschätzt – es handelt sich nicht um Kunden, nicht um Leads und auch nicht um Wähler, sondern bestenfalls um Personen mit einem mal mehr, oft aber nur vagem Interesse.
Das Geschäftsmodell von Facebook besteht darin, Informationen wie: Wer interessiert sich für meine Produkte, meine politischen Stellungnahmen (und welche) oder für meine sonstigen Aussagen auf Facebook? zu monetisieren – mit den neuen Geschäftsbedingungen, sogar noch mehr als bisher. Für ein Unternehmen hat dies zur Folge, dass solche Informationen auch für den Wettbewerb nutzbar werden. Somit könnte man auch sagen: Facebook ist die beste Möglichkeit, den Wettbewerb über seine (mehr oder minder interessierten) Follower zu informieren.
„Im Marketing, aber auch in der Politik, sollte man diesen Zusammenhang verstehen und abwägen, ob der Mehrwert den implizit zu zahlenden Preis in Form von für Wettbewerber interessanten Daten zahlen möchte“ so Martin Kuppinger.
Endbenutzern empfiehlt Martin Kuppinger, sich die neuen Einstellungen für die Privatsphäre genau anzuschauen und diese soweit wie möglich zu begrenzen, falls man auf Facebook bleiben will. Die Bundesregierung wäre laut Kuppinger in jedem Fall gut beraten, wenn sie sich erst einmal über den tatsächlichen Nutzen ihrer Facebook-Präsenz klar würde. 50.000 Follower sind keineswegs 50.000 Wähler. Die Bundesregierung sollte sich zudem über den Widerspruch zwischen ihrem Anspruch an starke Datenschutzregeln und ihrem Handeln klar werden: „Jetzt noch auf Facebook zu gehen, ist nicht einmal mehr modern – es ist schlicht der falsche Schritt zur falschen Zeit“ so Martin Kuppinger.
Marketing-Verantwortlichen in Unternehmen sollte darüber hinaus aus Sicht von KuppingerCole genau analysieren, welchen Preis sie für den erhofften Mehrwert eines Facebook-Profils zahlen – oft zahlt man mehr, während der tatsächliche Nutzen deutlich geringer ist. Ein Facebook-Profil kann durchaus seinen Nutzen haben. Man sollte aber immer genau prüfen, ob wirklich ein Mehrwert entsteht.
Den kompletten Beitrag von Martin Kuppinger finden Sie unter: www.blogs.kuppingercole.com/kuppinger/2015/03/05/facebook-profile-of-the-german-federal-government-thwarts-efforts-to-improve-data-protection/.
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