(openPR) FRIEDRICHSHAFEN – Wer einem Menschen im Sterben beistehen will, braucht Orientierung. Im Zuge der aktuellen Debatte über Sterbehilfe und Sterbebegleitung veranstaltete der Ambulante Kinderhospizdienst AMALIE – eine Kooperation zwischen Stiftung Liebenau und Maltesern – eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Sterben – und helfen?". Zahlreiche ehrenamtliche Patinnen und Paten in der Kinderhospizarbeit und Interessierte sind ins evangelische Gemeindehaus nach Friedrichshafen gekommen, um mit Vertretern aus Politik, Medizin und Theologie sowie betroffenen Eltern ins Gespräch zu kommen.
Leiden erleichtern statt aktiver Sterbehilfe
"Der Abend soll keine Patentlösung in Sachen Sterben bieten, sondern mutiger im Zusammenhang mit dem Lebensende machen", schickte Barbara Weiland, Koordinatorin beim Ambulanten Kinderhospizdienst Bodenseekreis, der Diskussion voraus. Auch Sozialdiakon Bernd Strohmaier, der den Abend moderierte, unterstrich, dass es darum gehe, sich gegenseitig zu stärken und eine innere Position zu finden. Christof Metzler, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, sagte, dass schon der Fall eines todkranken Kindes reiche, um tief berührt zu sein. "Das Ziel ist, die Eltern so zu begleiten, dass sie den Weg leichter gehen können." In seiner Praxis hätten Eltern noch nie nach aktiver Sterbehilfe für ihr Kind gefragt. Es stelle sich eher die Frage, wie dem Kind das Leiden erleichtert werden könne.
Eltern wünschen einfacheres Hilfesystem
Elisabeth Burkart ist Mutter eines schwerkranken Jungen. "Zuerst hat man nur die Diagnose und muss erst mal damit fertig werden." Als ihr Sohn ein Jahr alt war, stellte sich die Frage, ob er eine Magensonde bekommen soll oder nicht. Elisabeth Burkart berichtete, dass viel Unterstützung nötig sei. "Dabei geht es nicht nur um die Pflege, sondern auch um unser schwer durchschaubares Hilfesystem." Dies müsse dringend vereinfacht werden. Immer wieder sei die Familie in einer Krisensituation. "Die Krisen sind nicht vorhersehbar. Man ist immer in einer Anspannung, auch in guten Phasen", erzählte die Mutter, des heute Neunjährigen. Belastend sei auch, dass es bei Ämtern immer nur um die Defizite ihres Kindes gehe. "Ich kann nie mitteilen, wie toll mein Kind trotz allem ist."
Den Betroffenen ihr Tempo lassen
Bernhard Bayer, Vorsitzender des Hospiz- und Palliativverbandes Baden-Württemberg, stimmte zu: "Ich verstehe einfach nicht, warum manche Dinge nicht voran gehen. Familien kämpfen bei den Kostenträgern um jedes bisschen." Während der ganzen Zeit der Erkrankung hätten Eltern unglaublich schwierige Entscheidungen zu treffen. "In der Regel ist kein Kind bereit zu sterben, solange die Eltern nicht bereit sind, den Weg mitzugehen", so Bayer. Wichtig sei immer, den Betroffenen ihr Tempo zu lassen. Dem kann Elisabeth Burkart nur zustimmen: "Es gibt keine Trennlinie, die genau sagt, ab hier ist das Leben lebenswert und ab hier nicht."
Sterben kennt keine Kategorien
Für Klinikseelsorger Thomas Borne ist das Sterben ein täglicher Begleiter. "Es entzieht sich jeder Kategorisierung und es gibt eine unglaubliche Vielfalt, wie mit dem Thema umgegangen wird." Eine Ehrenamtliche im Publikum schilderte dem Klinikseelsorger ihr Gefühl der Ohnmacht, wenn in der Familie der Todesfall eintritt und bat um einen Ratschlag. "Das Angebot, diese Ohnmacht mit auszuhalten, ist schon sehr viel." Hans-Peter Wetzel, Rechtsanwalt und FDP-Politiker, ist häufig mit Fragen zur Patientenverfügung konfrontiert. "Es ist immer dann problematisch, wenn sich ein Patient nicht mehr selbst äußern kann. Daher ist die Patientenverfügung ein Akt der Selbstbestimmung", so Wetzel. Grundsätzlich ist die Patientenverfügung erst ab 18 Jahren möglich. "Für Kinder entscheiden die Eltern, wobei das Kindeswohl der Maßstab ist."
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