(openPR) "In Quest of Traces" lautet die Akündigung der Galerie Helga Maria Bischoff am Kollwitzplatz in der Kollwitzstr. 74. Spurensuche in der Malerei kennen wir von Mark Rothko oder Malewitsch. Kerstin Heller befragt die Zeichen in einer sinnlichen Exkursion, die den Übergang zu rauschhaften Erlebnissen vermittelt.
Die Künstlerin trägt bei ihrer Malerei in einem ersten, intuitiven Akt den Malgrund in Öl auf und lässt ihre Arbeiten dann schichtweise darauf wachsen. Die aufgetragenen Farbschichten strukturieren den Bildraum. Eingefügte Ritzungen, Zeichnungen und die spezifische Handschrift des Spachtelwerkzeugs, aber auch die Löschvorgänge und Überschreibungen veranschaulichen einen komplexen Entstehungsprozess. Kerstin Heller, die ihr Archäologiestudium bei Prof. Detlef Rössler abgeschlossen hat, bezieht sich in ihrem künstlerischen Schaffensprozess auf die ursprünglich bei alten Pergamenthandschriften übliche Technik von Überlagerungen; ursprüngliche Schriften werden abgewaschen, abgeschabt, um neue Schrift aufzutragen (Palimpsesten = codices rescripti). Sie beschreibt ihre Arbeitsweise wie folgt: »Beim Malen und dann für "fertig" gedachten Bild kann darüber eine Freude entstehen, die entweder bleibt oder sich wieder verflüchtigt. Manchmal entdecke ich das "Verkehrte" am Bild auch erst nach Wochen oder Monaten. Dann wird kurzer Prozess gemacht und übermalt, obwohl vielleicht einiges gar nicht nur "verkehrt" war. Die übermalten Bilder können mit den Spuren des gelöschten lange als mögliche Anregung dastehen und warten. Eine auf dem Malteller gemischte Farbe kann den Auslöser zum erneuten Tun geben. Die besten Zustände sind die, wo sich das Tun von selbst "schreibt", also malt, und "unbeabsichtigt" ein Ausdruck gefunden wurde, der nun existieren darf und nicht mehr weiter geschrieben, also übermalt wird.«
Wer ihrer Malerei gegenübertritt, empfindet als ersten Eindruck eine vibrierende Ruhe, die sich - sowohl subtil als auch einprägsam - zwischen den Polen von Bewegung und Stille entfaltet. Ihren Ölbildern wohnt eine Kraft inne, die aus dem Prinzip von Gleichklang und Variation gespeist wird. Die Farben wirken bei Kerstin Heller, wo sie flächig aufgetragen sind, wie ruhende Energiefelder, die das Licht der Umgebung sammeln - um es teils verhalten, teils mit symphonischer Fülle wieder abzustrahlen. Wer länger bei den Bildern verweilt, erkennt, dass der vielstimmige Farbklang durch empfindsame, sich gegenseitig aufschwingende Farbfelder angeregt wird. Es entsteht so ein Rhythmus von Struktur, Farbe und Linie, der an mythisches Sprechen erinnert. Die rhythmischen Schwingungen verbinden und öffnen zugleich ihre Gestaltungsräume und es entsteht so ein Spiel der Variationen, das, bei aller Differenzierung der Farbe und Intensität der Liniengestaltung, in einer gemeinsamen Wurzel zusammenläuft.
Die Arbeiten von Kerstin Heller lassen einen kommunikativen Diskurs entstehen, sowohl innerhalb der einzelnen Bildelemente wie auch zwischen Bild und Betrachter, der sich nicht zugunsten einer zwingenden Entscheidung auflöst. Stimmigkeit und Unstimmigkeit, Harmonie und Disharmonie, so genannte Schönheit und so genannte Hässlichkeit treten als transitorische Elemente in ihren Bildern auf, die den Fluss der Dinge und deren permanente Veränderung wiedergeben. Dabei wechselt sie vom vermeintlich abstrakten zum so genannten Gegenständlichen und zurück. Sie nimmt dadurch den beiden Begriffen, die die Auseinandersetzung mit Malerei in jüngerer Zeit prägen, ihre polemische Stoßrichtung und - mit einem Augenzwinkern - ihre vermeintliche Ernsthaftigkeit.
(Uwe Dehler)
Kerstin Heller: In Quest Of Traces
Ausstellungseröffnung: Fr. 13.02.2015, 19.00 Uhr
Ort: Galerie Helga Maria Bischoff
Kollwitzstr. 74
10435 Berlin
Ausstellungszeitraum: 17.02.2015-28.02.2015
www.kerstinheller.de










