openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Depression: Veranlagung schon im Mutterleib erworben?

02.02.201519:37 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Kann die Veranlagung für Depressionen bereits mit in die Wiege gelegt werden? Dieser provokanten Frage widmet sich ein neues Projekt des Wissenschaftsfonds FWF. Konkret soll dabei an der Medizinischen Universität Wien geklärt werden, ob Immunreaktionen bei schwangeren Müttern dazu führen, dass Kinder später zu Depressionen neigen. Hinweise, dass mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft einen Einfluss auf die Entstehung bestimmter psychischer Erkrankungen haben können, gibt es bereits – doch inwieweit dies speziell für Depressionen zutrifft, ist unbekannt. Jetzt werden daher im Tiermodell zelluläre und molekulare Prozesse analysiert, die zu einer solchen Veranlagung führen können.



Der Gedanke ist erschreckend – doch die wissenschaftlichen Hinweise sind eindeutig: Einflüsse, denen eine Mutter in der Schwangerschaft ausgesetzt ist, können sich auf die psychische Entwicklung des Kindes negativ auswirken. Tatsächlich gilt es als gesichert, dass Schizophrenie und Autismus bei Kindern durch Infektionskrankheiten schwangerer Mütter verursacht werden können. Ob dies auch für Depressionen gilt, untersucht nun Prof. Daniela Pollak-Monje Quiroga am Department für Neurophysiologie und Neuropharmakologie der Medizinischen Universität Wien in einem dreijährigen Projekt des Wissenschaftsfonds FWF.

Maus & Mensch
Das erste Ziel ihrer Arbeit an Mäusen, die hier als Modellorganismus dienen, ist es festzustellen, ob depressionsartiges Verhalten im späteren Leben der Kinder tatsächlich durch Immunreaktionen während der Schwangerschaft hervorgerufen werden kann. Ihre weiteren Ziele erläutert Prof. Pollak-Monje Quiroga so: "Uns interessiert auch, ob eine solche Immunantwort mit einer veränderten Hirnentwicklung zusammenhängt und ob das auf mangelnder Wirkung eines speziellen Wachstumsfaktors beruht. Zusätzlich analysieren wir strukturelle, anatomische, molekulare und funktionelle Veränderungen des Gehirns."

Die Arbeit von Prof. Pollak-Monje Quiroga ist dabei sowohl von großer gesellschaftlicher als auch wissenschaftlicher Bedeutung. Tatsächlich zählen Gemütserkrankungen wie Depressionen zu den häufigsten und schwersten psychischen Problemen – doch über die verantwortlichen zellulären und molekularen Vorgänge weiß man noch immer sehr wenig. Für Prof. Pollak-Monje Quiroga ist dies auch einer der Gründe weswegen für Diagnose und Behandlung solcher Erkrankungen nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Verfügung stehen: "Es gibt für Depressionen kein klinisch objektives Diagnoseinstrument. Wir sind auf das gemeinsame Auftreten verschiedener Symptome als Kriterium angewiesen. Ähnlich steht es um die Behandlung – noch immer werden Substanzen eingesetzt, die auf sogenannte Monoamine, also spezielle Neurotransmitter, wirken. Deren Wirkung wurde vor über 50 Jahren rein zufällig entdeckt, setzt therapeutisch langsam ein und ist von schweren Nebenwirkungen begleitet bzw. ist bei einem großen Anteil der Patienten und Patientinnen völlig unwirksam."

Um einen Beitrag zur Verbesserung dieser Situation zu leisten, wird sie sich in den nächsten drei Jahren mit den zellulären und molekularen Vorgängen befassen, die zu Depressionen führen können. Doch sie geht noch einen Schritt weiter: "Wir werden uns auch genetische Aspekte anschauen. Es kann sein, dass bestimmte genetische Voraussetzungen dazu beitragen, dass mütterliche Immunantworten in der Schwangerschaft zu einer späteren höheren Veranlagung zu Depressionen führen. Das werden wir klären."

Nervensache
Ihrer Arbeit liegt dabei die Annahme zugrunde, dass die Neurogenese – also die Bildung von Nervenzellen – im Hippocampus von Erwachsenen einen Einfluss auf die Entstehung von Depressionen hat. Tatsächlich folgt die Neubildung in diesem Alter dem exakten Muster während der embryonalen Entwicklung – was Prof. Pollak-Monje Quiroga zu der Überlegung führte, dass eventuell bereits während dieser embryonalen Neurogenese die Weichen für spätere Depressionen gestellt werden könnten. Eine Überlegung, die nun untersucht wird.

Insgesamt ist dieses vom FWF über drei Jahre unterstützte Projekt die erste umfassende Untersuchung zur Wirkung mütterlicher Infektionen während der Schwangerschaft auf die Entwicklung von Depressionen im späteren Leben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden sowohl für die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung als auch für die Identifizierung neuer Behandlungsmöglichkeiten von unschätzbarem Wert sein.

Bild und Text ab Montag, 2. Februar 2015, ab 10.00 Uhr MEZ verfügbar unter:
http://www.fwf.ac.at/de/wissenschaft-konkret/projektvorstellungen/2015/pv2015-kw06

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 837287
 798

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Depression: Veranlagung schon im Mutterleib erworben?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von FWF - Der Wissenschaftsfonds

Von der Angst zur Annäherung
Von der Angst zur Annäherung
Eine Salzburger Forschergruppe um die Psychologin Eva Jonas untersucht die neuropsychologischen Mechanismen, die hinter existenziellen Ängsten stecken. Was genau in dem Prozess zwischen Bedrohung und Verteidigung passiert, steht im Fokus einer aktuellen Studie, die vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird. Es ist ein interessantes Phänomen: Der Klimawandel wird immer deutlicher, die Bedrohung wächst und eigentlich wäre aktives Handeln gefragt. Tatsächlich legen aber die meisten Menschen Vermeidungsverhalten an den Tag, wenn es um große und…
Solidarität in Zeiten der Krise
Solidarität in Zeiten der Krise
Ein Team von Soziologinnen und Soziologen in Österreich und Ungarn untersucht mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF, wie die fortgeschrittene Wirtschaftskrise die Motive hinter Solidarität beeinflusst. Denn diese kann inklusiv im Sinne sozialer Gerechtigkeit und exklusiv für die eigene nationalistisch-ethnische Gruppenzugehörigkeit gewährt werden. Solidarität ist ein Wert, den sich viele auf die Fahnen heften. Stets geht es um Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Gegenseitigkeit in einer Gruppe. Aber wer zu der Gruppe gehört und wer außen …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Verkehrt herum richtigBild: Verkehrt herum richtig
Verkehrt herum richtig
… Neurologie am SRH Zentralklinikum Suhl. Der Grund warum es Rechts- und Linkshänder gibt, ist noch nicht abschließend erforscht. Die beiden Hauptthesen sind genetische Veranlagung oder eine hormonbedingte Prägung des Embryos. Die erste These wurde teilweise durch Zwillingsstudien widerlegt. Wissenschaftler stellten fest, dass eineiige Zwillinge trotz fast …
Bild: Info-Vortrag am 13.10.2014: „Den eigenen Lebenskurs finden – damit die Seele gesund bleibt“Bild: Info-Vortrag am 13.10.2014: „Den eigenen Lebenskurs finden – damit die Seele gesund bleibt“
Info-Vortrag am 13.10.2014: „Den eigenen Lebenskurs finden – damit die Seele gesund bleibt“
… umso besser behandelbar, je früher sie diagnostiziert werden. „Unser Ziel ist die Aufklärung. Denn psychische Erkrankungen sind nicht ausschließlich auf genetische Veranlagung zurück zu führen, sondern müssen ganzheitlich gesehen werden. Falsches Körperverhalten, stressvolle Umgebung und falsche Ernährung kann die Entstehung nachweislich begünstigen“, …
Bild: Internationaler Tag der seelischen Gesundheit: Über den Zusammenhang von Ernährung und PsycheBild: Internationaler Tag der seelischen Gesundheit: Über den Zusammenhang von Ernährung und Psyche
Internationaler Tag der seelischen Gesundheit: Über den Zusammenhang von Ernährung und Psyche
… Depression sind sehr unterschiedlich: Das können Krisen oder Verluste im Privat- oder Berufsleben sein, als auch negative Erfahrungen in der Kindheit oder eine genetische Veranlagung. "Allen Auslösern ist jedoch eines gleich: ein Ungleichgewicht an chemischen Botenstoffen im Körper - den Neurotransmittern. Das kann auch durch ungesunde Ernährung und …
Bild: Rien ne va plus- Nichts geht mehr Depression-mehr als nur traurig seinBild: Rien ne va plus- Nichts geht mehr Depression-mehr als nur traurig sein
Rien ne va plus- Nichts geht mehr Depression-mehr als nur traurig sein
… die Hauptgründe genau hier. Auch negative Erfahrungen im tagtäglichen Leben, schlechte Ernährung, Verluste, Leistungsdruck, dramatische und traumatische Erlebnisse, Krankheiten, genetische Veranlagung, biologische Faktoren und mehr können Ursache von Depressionen sein. Warum und wie hilft der DantseLog? Dantse Dantse, der erfolgreiche Autor, Analytiker …
Bipolare Störungen stehen im Fokus – Chefärztin Dr. Menges referiert
Bipolare Störungen stehen im Fokus – Chefärztin Dr. Menges referiert
… im Spannungsfeld von Manie und Depression ein geregeltes Leben meist nicht möglich. Erhöhtes Suizidrisiko Die Ursachen für bipolare Störungen sind vielfältig. Neben erblicher Veranlagung und biologischen Faktoren spielen oftmals psychosoziale Faktoren wie traumatische Ereignisse eine große Rolle. Die bipolare Störung bedarf nach Diagnostik der fachärztlichen …
Australische Studie -  Depressionen vermeiden durch Vollwertkost
Australische Studie - Depressionen vermeiden durch Vollwertkost
… Gesundheitsexperten eine frühe Interventionsmethode zur Verfügung zu stellen. „Das Ziel des RIDs ist die Prävention", sagt Dr Dipnall. „Mit seiner Hilfe können auch Personen mit einer Veranlagung für Depressionen identifiziert werden, was der entscheidende Faktor zur Reduzierung dieses Risikos ist." Laut Dr Dipnall ist der RID der erste Risikoindex seiner Art und wird …
13.10.2014: Info-Vortrag: „Den eigenen Lebenskurs finden – damit die Seele gesund bleibt“
13.10.2014: Info-Vortrag: „Den eigenen Lebenskurs finden – damit die Seele gesund bleibt“
… umso besser behandelbar, je früher sie diagnostiziert werden. „Unser Ziel ist die Aufklärung. Denn psychische Erkrankungen sind nicht ausschließlich auf genetische Veranlagung zurück zu führen, sondern müssen ganzheitlich gesehen werden. Falsches Körperverhalten, stressvolle Umgebung und falsche Ernährung kann die Entstehung nachweislich begünstigen“, …
Volkskrankheit Depression – So denkt Deutschland
Volkskrankheit Depression – So denkt Deutschland
… dass in der deutschen Bevölkerung die Bedeutung von belastenden Lebensereignissen für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt und gleichzeitig die Bedeutung der Veranlagung unterschätzt wird. Nahezu alle Deutschen sehen die Ursachen der Depression in Schicksalsschlägen (96 Prozent) und Belastungen am Arbeitsplatz (94 Prozent). Dass die …
Bild: Seelenrückholung - ein schamanischer Weg zur Heilung und Ganzheit der SeeleBild: Seelenrückholung - ein schamanischer Weg zur Heilung und Ganzheit der Seele
Seelenrückholung - ein schamanischer Weg zur Heilung und Ganzheit der Seele
Bianka Denise Albrecht hilft den Lesern in "Seelenrückholung", verlorene Teile ihrer Seele zurückzugewinnen. ------------------------------ Menschen, die unter ständiger Müdigkeit, Lustlosigkeit, Traurigkeit oder Depression leiden, wissen oft nicht, dass dies manchmal damit zusammenhängen kann, dass ein Teil der eigenen Seele irgendwann einmal verloren …
Haftung des Arztes für psychische Folgen nach Mitteilung einer Erbkrankheit des anderen Elternteils
Haftung des Arztes für psychische Folgen nach Mitteilung einer Erbkrankheit des anderen Elternteils
… einen Schadensersatzanspruch der Frau wegen der Verletzung des aus Art. 2 Grundgesetz folgenden "Rechts auf Nichtwissen" verneinte der BGH. Das Recht, die eigene genetische Veranlagung nicht zu kennen stehe allenfalls den möglicherweise betroffenen Kindern zu, nicht aber der Frau. Aus einer etwaigen Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Kinder könne …
Sie lesen gerade: Depression: Veranlagung schon im Mutterleib erworben?