(openPR) „Die Klugheit eines Menschen wird daran gemessen, wie viel Unsicherheiten er zu ertragen vermag.“ (Immanuel Kant) Wenn Kant Recht hat, wird 2015 sicherlich ein besonders gutes Meßinstrument abgeben.
Die globale wirtschaftliche Entwicklung sieht weltweit trübe aus. Darüber kann auch der Zweckoptimismus so mancher Finanzanalysten, Wirtschaftsforscher und der Hofberichterstatter von Notenbanken und Regierungen nicht hinwegtäuschen. Die Banken sind nach wie vor systemkritisch, ihre Spielbankaktivitäten mit Derivaten bleiben ein unkalkulierbares Risiko, und die Staatsschulden steigen in den meisten Ländern der Welt weltweit munter weiter.
Weiter ungehemmte Geldvermehrung der Notenbanken in Japan, den Vereinigten Staaten und Europa treibt Aktien- und Anleihenkurse in absturzgefährdete Höhen. Reale Negativzinsen vernichten Sparkapital und private Altersversorgungen, machen darüber hinaus Lebens- und Krankenversicherern zunehmend Schwierigkeiten, die in ihre Versicherungsangebote einkalkulierten Kapitalerträge zu erwirtschaften.
Die polit-ökonomische Herrscherklasse der Vereinigten Staaten kämpft immer verzweifelter um die Erhaltung ihrer wirtschaftlichen Vorherrschaft in der Welt. Ihre Mittel sind neben unverhohlener politischer Einflußnahme unter anderem, Papiergold-Leerverkäufe, um den Goldpreis zu drücken, und sogenannte Investitionsschutzklauseln in Freihandelsabkommen, mit denen die gesetzgeberische Souveränität von Vertragsstaaten in wichtigen Teilen dem Diktum von privaten Schiedsgerichten überantwortet wird, vor denen US-Großunternehmen Schadenersatz einklagen können, wenn ihre Profite zum Beispiel durch Umwelt- oder Verbraucherschutzgesetze der Vertragsstaaten gemindert werden.
Wenn der US-Dollar als weltweit genutztes Zahlungsmittel und Reservewährung weiter an Boden verliert, geht den USA die Möglichkeit verloren, sich kostenlos und unbegrenzt mit der Druckerpresse zu Lasten anderer Staaten zu verschulden und das bisher verborgene Siechtum ihrer Währung zu vertuschen. Diese für das USA-Establishment bequeme Rolle des US-Dollar wird jedoch langfristig nicht zu halten sein. Da nützt alles Eindreschen auf den Goldpreis nichts mehr. Zu den derzeitigen Preisen ist ja physisches Gold kaum noch haben. Auch wenn es den US-Amerikanern gar nicht gefällt: die künftige Weltleit- und Reservewährung wird eine goldgedeckte Währung sein, und zwar voraussichtlich der chinesische Renminbi.
Die Entscheidung der OPEC, die Ölförderung nicht zu drosseln und auch einen Ölpreis unter 50 US-Dollar zu tolerieren, bringt die US-Finanzwirtschaft in neue Schwierigkeiten. Denn das mit Milliardenkrediten finanzierte Fracking wird dadurch zu einem riesigen Verlustgeschäft, wodurch die Kredite gefährdet werden und die betroffenen Banken in ernsthafte Schwierigkeiten geraten können. Beendet ist fürs erste auch der Traum der USA, von Ölimporten unabhängig zu werden.
Sowohl Schwierigkeiten bei der Eindeckung von ungedeckten Goldverkäufen us-amerikanischer Großbanken wie auch der Zusammenbruch der Fracking-Finanzierung könnten die inzwischen chronifizierte globale Finanzkrise erneut kräftig entfachen.
In Japan werden die bisher erfolglosen Bemühungen nach der Wiederwahl Shinzo Abes verstärkt fortgesetzt, ein selbsttragendes Wirtschaftswachstum zu erreichen. Dazu wird die Geldmenge immer weiter erhöht und die Abwertung des Yen mit Nachdruck betrieben. Sollte sie außer Kontrolle geraten, könnte das einen weltweiten Abwertungswettlauf auslösen, mit allen katastrophalen Folgen für die globale Realwirtschaft. Das exportlastige Deutschland wäre davon besonders hart betroffen.
In China läuft die Wirtschaft schon längere Zeit auch nicht mehr rund. Spekulationsblasen, vor allem im Immobiliensektor, bergen große Gefahren für die chinesische Finanzwirtschaft. Als Absatzmarkt für stark exportlastige Länder wie Deutschland wird das Land bis auf weiteres nicht mehr hilfreich sein. Längerfristig wird China aber erheblich an Bedeutung gewinnen und mit einem stabilen goldgedeckten Renminbi die künftige Weltleit- und Reservewährung stellen.
Rußland befindet sich infolge der Sanktionen wegen seiner völkerrechtswidrigen Interventionen in der Ukraine in einer ernsten Schwächephase. Die Verluste derer, denen das Land faktisch gehört erreichen bereits hohe zweistellige Milliardenbeträge. Der Rubel befindet sich im freien Fall und die Preise von Importgütern steigen rasant. Das wäre nicht nötig gewesen. Das Land könnte aber noch Trümpfe ausspielen: Zum Beispiel den Rubel mit Gold unterlegen und dadurch stabilisieren, Rohstoffe nur noch gegen die eigene Währung verkaufen, und die von ihm gehaltenen us-amerikanischen Staatsanleihen verkaufen.
In Europa ist Griechenland wieder das Sorgenkind Nr. 1. Das potentielle Faß ohne Boden könnte sich am 29. Dezember in ein aktuelles solches verwandeln. Kommt es dazu, könnte das in der Folge im schlimmsten Fall die Währungsunion sprengen. Die Politiker werden jedoch mit zusätzlichen Krediten alles versuchen, um diese Entwicklung zu verhindern. Damit würden sie das Krisendrama weiter verlängern, ohne einer Lösung näher zu kommen. Und wenn dann auch noch die Probleme in Italien und Frankreich eskalieren . . .
ESM und EZB beweisen: Recht und Gesetz werden von skrupellosen Politikern und Raffgierigen Bankstern und Gangstern mit Füßen getreten. Die Dummen sind letztlich die andern, nämlich die sogenannten „kleinen Leute“, die auslöffeln müssen, was ihnen die „Großen“ eingebrockt haben. Die große Welt-Finanzkrise ist nicht mehr lösbar. Politik und Notenbanken können die Lösung nur noch hinausschieben, riskieren aber dadurch, daß der Knall umso lauter wird. Das ahnen längst auch die Börsenspekulanten, wissen sich aber im Strudel von Angst und Gier auch nicht zu helfen.
Neben chronischer Banken- und Staatschuldenkrise und einem sich ausbreitenden Weltwirtschaftskrieg gibt es auch immer mehr politische Krisenherde in der Welt, in denen viel Blut vergossen wird. Der islamistische Terror verheert große Teile der Welt und treibt die Aufwendungen für Sicherheit vor seinen Attacken weltweit in ungeahnte Höhen.
Wenn in den USA und in Deutschland die veröffentlichte Meinung schon wieder aus einigen Quellen mit der frohen Botschaft vom nächsten Wirtschaftsaufschwung beschwipst wird, ist allerhöchste Vorsicht angebracht. 2013 war es genauso. Was danach kam, wissen wir: Katzenjammer. Geändert hat sich seitdem nichts Wesentliches. Die Weltwirtschaft ist weiterhin auf Gedeih und Verderb der Finanzwirtschaft und deren entfesselter Profitgier ausgeliefert, und Politik und Notenbanken wissen sich nicht anders zu helfen, als weiterhin Geld zu drucken, Spekulanten damit zu versorgen, damit diese noch größere Blasen erzeugen können, und Sparer mit realen Negativzinsen zu enteignen.
Sind Deutschland und Europa auf die möglichen katastrophalen Folgen dieser Gemengelage vorbereitet? Wir können sicher sagen: Nein. Daher ist 2015 mit allem zu rechnen, wirtschaftlich, sozial und politisch. Da wird Klugheit mehr denn je gefordert sein.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert das fragwürdige Treiben der Alpha-Menschentiere. In vier knapp 200 Seiten starken eBooks wurden seine Beiträge unter dem Obertitel Tacheles gesammelt. Sie sind im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital erschienen. Sie sind dort und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen für je 9,95 Euro zu haben.
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