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Er geht weiter, der Tanz auf dem Vulkan

13.11.201408:48 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Er geht weiter, der Tanz auf dem Vulkan
Tacheles - Beobachtungen und Kommentare zum Zeigeschehen und Zeitvergehen
Tacheles - Beobachtungen und Kommentare zum Zeigeschehen und Zeitvergehen

(openPR) Janet Yellen beendet das QE der FED und will die Zinsen weiter niedrig halten. Das hat verheerende Folgen, die auch ihr eigentlich nicht unbekannt sein sollten. Mit billigen Krediten wird das Schuldenmachen weiter angeheizt, werden die Spekulationsblasen noch weiter aufgebläht. Mit billigem Geld werden ach Investitionen vorgenommen, die unter normalen Umständen gar nicht rentabel wären.



Durch Machinationen der Notenbanken künstlich gedrückte Zinsen bewirken eine gefährliche Überbewertung von Vermögenswerten. Der Ausgleich kann letztlich nur durch Entwertung erfolgen, zum Beispiel in Gestalt eines Kurs- bzw. Preiszusammenbruchs. Die derzeit extrem überbewerteten Anleihen sind dafür besonders reif. Wer sich hinsichtlich seiner Altersversorgung auf private Vorsorge, zum Beispiel mit einer Kapitallebensversicherung, verlassen hat, wird die katastrophale Wirkung realer Negativzinsen wohl bald zu spüren bekommen.

Die globalen Schulden übersteigen derzeit schätzungsweise das globale Bruttoinlandsprodukt, also die globale Wirtschaftsleistung, schon um das Fünffache. Und sie steigen munter weiter. Immer häufiger können staatliche und private Schuldner auch ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Sollten die Zinsen – auch nur geringfügig - nachhaltig steigen, weil Spekulanten kalte Füße bekommen und sich deshalb mit dem Aufkauf von Schulden etwas zurückhalten, könnte das der erste Schritt in den Abgrund eines globalen Bankrotts sein.

Das von interessierter Seite geförderte Gerede von einer Deflationsgefahr, der man mit Gelddrucken und realen Negativzinsen begegnen will, soll offensichtlich nur darüber hinwegtäuschen, daß die verantwortlichen Politiker und Notenbanker mit ihrem Latein am Ende sind. Abgesehen davon, daß die Statistiken der Lebenshaltungskosten auf sehr diskussionswürdigen Grundlagen beruhen, wird vollkommen übersehen, daß die Inflation derzeit auf den Anleihen- Aktien- und Immobilienmärkten galoppiert, während begrenzte Kaufkraft breiter Bevölkerungskreise sowie harter Wettbewerb unter den Waren- und Diensteanbietern Preiserhöhungen im Konsumbereich engste Grenzen setzt.

Spekulationsblasen platzen immer. Je länger das durch ständig neues billiges Geld hinausgeschoben wird, desto lauter wird schließlich der Knall und desto verheerender die wirtschaftlichen und sozialen Folgen.

Die Verschuldung eskaliert weltweit und die Bonität der Schuldner sinkt in erschreckendem Maße. Die Banken- und Staatsschuldenkrise ist mangels politischen Willens nicht einmal ansatzweise gelöst und wird mangels politischen Unwillens oder Unvermögens auch nicht gelöst werden. Sie ist jetzt bereits auf dem Wege, sich selber zu lösen und dabei eine Weltwirtschaftskrise auszulösen. Denn wenn die Schulden in einer Volkswirtschaft nachhaltig erheblich schneller steigen als die Wirtschaftsleistung ist die Zahlungsunfähigkeit abzusehen. Das zeichnet sich bereits ab.

Die Bankster und Spekulanten interessiert dies in ihrem Beuterausch jedoch nicht und die Masse der künftig von den Folgen der Krise am stärksten Betroffenen ist desinformiert und hilflos.

Die polit-ökonomische Herrscherklassen der westlichen Welt scheinen zu schlafen. Ihre im Vergleich zu den Masseneinkommen nicht selten geradezu gigantischen Einkommens- und Vermögenszuwächse der vergangenen Jahre scheinen ihnen die Sinne vernebelt zu haben. Aber auch sie sind Betroffene. Gedrückte Zinsen und Geldmengenvermehrung lösen die Banken- und Staatsschuldenkrise nicht, sondern verschlimmern sie. Denn Investitionen und Arbeitsplätze werden von dieser verfehlten Kur abhängig wie Rauschgiftsüchtige; Geldmenge und Schulden werden, ohne die gewünschte Wirkung zu erzielen, ins Unermeßliche steigen – bis zum Exitus in Gestalt der unvermeidlichen Bereinigungskrise.

Im globalen Machtgefüge wird es zu einem einschneidenden Wandel kommen. Die Vereinigten Staaten werden künftig nicht mehr in der Lage sein, sich mit dem Drucken von Dollars auf Kosten der übrigen Welt unbegrenzt zu verschulden. Der Dollar ist schon längst dabei, seine Stellung als Weltleit- und Reservewährung zu verlieren. US-Dollars sind heute Schuldscheine, deren wahrer Wert sich offenbaren wird, sobald genügend Gläubiger sie einlösen wollen. Das wäre für die USA der Super-GAU, wird aber kaum noch zu verhindern sein. Denn bessere Alternativen rücken immer mehr ins Bewußtsein derer, die das us-amerikanische Hegemonialstreben satt haben. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die im geplanten Freihandelsabkommen mit der EU vorgesehenen privaten Schiedsgerichte, die amerikanischen Großkonzernen ermöglichen sollen, europäische Staaten auf Schadenersatz zu verklagen, wenn diese im Interesse des Allgemeinwohls ihrer Bevölkerungen ihre Sozial- und Umweltstandards verbessern und dadurch den Profit der Konzerne einschränken.

Man kann so etwas kaum glauben. Aber die USA sind bereits eine Art Plutokratie. Die Politik dient nicht mehr der Bevölkerung als Ganzes, sondern den Interessen derer, denen das Land faktisch gehört. Wir Europäer sollten dem nicht weiter nacheifern, sondern dafür kämpfen, daß die Wirtschaft und das Geldverdienen dem Menschen dient und nicht der Mensch der Wirtschaft bzw. dem Profitstreben einer maß- und skrupellosen Minderheit. Aber dieses Geschäftsmodell hat sich durch zahllose bis heute anhaltende Bankster- und Ganstereien vollkommen desavouiert und ist dabei, an seiner eigenen Hybris in einer globalen wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe zu verenden.

Der Niedergang ist mit einem Machtwechsel verbunden. China mag tausend Probleme haben, aber es ist dennoch klar auf dem Wege zur Weltmacht Nummer eins. Ein mit Gold unterlegter Renminbi könnte die US-Währung als internationale Handelswährung schneller ablösen als so manche „Strategen“ denken. Er würde den Weg Chinas auf die Poleposition der Weltmächte beschleunigen und sichern. Als weiterer Treibsatz wirkt der absurd gedrückte Goldpreis, der China die Beschaffung des dazu erforderlichen Goldes und den Aufkauf von Goldminen sehr erleichtert.

Europa sollte dieser in Gang befindliche Machtwechsel mit seinen absehbaren globalen Auswirkungen Anstoß geben, sich endlich vom gedankenlosen und verhängnisvollen Kopieren us-amerikanischer Freibeuterideologie zu lösen und einen eigenständigen allgemeinwohlorientierten Entwicklungsweg einzuschlagen. Die Kraft und die Moral dazu hat es allemal, sie müssen sich nur entfalten können. Wo sind die Führungskräfte, wo die wahren, die geistigen und moralischen Eliten, die dies befördern müßten?

Mit dem Euro ist es – Fachleute haben das von Anfang dieses Experiments an vorausgesehen – allerdings nicht mehr weit her. Er kann unter den gegebenen Umständen nur als Weichwährung überleben. Wenn es nicht schnellstens gelingt, die unterschiedlichen Sozial- und Fiskalstandards der Mitglieder der Währungsunion einander anzugleichen, hat der Euro anders keine Chance. In dieser Richtung nennenswerte Fortschritte zu erwarten, wäre allerdings verfehlt. Die kommenden Monate werden eher negative Überraschungen auch hinsichtlich Frankreichs und Italiens bringen, deren Regierungen gar nicht daran denken, solide zu wirtschaften.

Daß die Problemländer sich derzeit wieder zu relativ günstigen Zinssätzen weiter verschulden können, zeigt zudem, daß die Geldwirtschaft mit anhaltendem Nachschub an frischem billigen Geld rechnet. Inzwischen fordert der IWF sogar eine Anhebung der – ohnehin von kaum einer Regierung eingehaltenen – Schuldengrenze von 60 Prozent des BIP und der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie, Horn, plädiert sogar für ihre Abschaffung. Der Damm soliden Wirtschaftens scheint vor dem endgültigen Bruch zu stehen, die Banken- und Staatschuldenkrise soll sich vermutlich inflationär selber lösen. Geldsparer und Besitzer von Kapitallebensversicherungen sollten sich darauf einstellen.

Fraglich ist allerdings, ob die Deutschen bei einem Weiter-So noch mitmachen werden. Die künftigen Regierungen werden jedenfalls gehörig unter Druck kommen, wenn die zur Lösung der Banken- und Staatschuldenkrise untaugliche Geldpolitik der EZB neben den durch die Agenda-Politik der Regierung Schröder bisher schon in die Armut gedrückten Bevölkerungsteile auch den Mittelstand auspowert.

Die sozialen Krisenfolgen werden bei Fortsetzung der bisherigen Politik beträchtlich sein. Äußerst unangenehme politische Konsequenzen sind deshalb nicht nur nicht auszuschließen, sondern nach aller historischen Erfahrung sehr wahrscheinlich. Die polit-ökonomische Herrscherklasse schläft trotzdem weiter auf ihren Millionen- und Milliardeneinkommen oder auf „dicken“ Pensionsansprüchen, statt proaktiv auf die die absehbaren Probleme zu reagieren und Deutschlands Zukunft in Freiheit, Frieden und Wohlstand zu sichern. Es geht uns ja sooo gut!

Prof. Querulix begleitet als teilnehmender Beobachter seit vielen Jahren das Zeitgeschehen und rauft sich dabei bals die letzten Haare aus. Bringen die Menschentiere mit ihrer Intelligenz wirklich nicht mehr zustande als diese Katastrophen-Welt?

Im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital erscheint von ihm in Kürze Band 4 der eBook-Reihe Tacheles. Die Sammelbände mit zahlreichen konstruktiv-kritischen Kurzbeiträgen des Aphoristikers und Privatphilosophen zu aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Themen sind für jeweils 9,95 Euro beim Verlag und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen erhältlich.

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