openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Mauergeschichte: Wer sucht den Weg nach Westen?

22.10.201418:15 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes
Bild: Mauergeschichte: Wer sucht den Weg nach Westen?
Anita Gödiker
Anita Gödiker

(openPR) 25 Jahre nach Mauerfall steigen bei der Aktion LICHTGRENZE Ballons in den Berliner Himmel – jeder mit einer Geschichte!

Berlin, 22. Oktober 2014 – Einen Tag nach dem Mauerfall stand die Berliner Unternehmerin Anita Gödiker am ehemaligen Grenzübergang Helmstedt und verteilte Straßenkarten von West-Deutschland an die Trabi- und Wartburgfahrer auf ihrem Weg in den Westen. Für ihre Geschichte ist die Berlinern von Radio Berlin 88,8 zur Ballonpatin auserwählt worden.



Als die Siemens- Vertriebsbeauftragte Anita Gödiker im November 1987 im Hotel Excelsior in Berlin widerwillig einem Standortwechsel von Bremen nach West-Berlin zustimmte, war ihr klar: Zwei Jahre und nicht länger hältst Du es in dieser Mauerstadt aus und machte es zur Vertragsbedingung.
Kurz bevor ihr beruflicher Exkurs in Berlin endete, am 7. November 1989, war sie über die Transitstrecke von West-Berlin mit dem Auto ins Emsland gefahren – mit allen üblichen Schikanen beim Passieren der beiden Grenzübergänge in Berlin-Dreilinden und Helmstedt. Es sollte das letzte Mal gewesen sein.
Da ihre Mutter im Krankenhaus lag und sie sich auch um ihren Vater kümmern musste, hatte sie vom Mauerfall am 9. November nichts mitbekommen. „Am nächsten Morgen rief mich ein Freund an und meinte scherzhaft, man würde jetzt sicher meine Wohnung in Berlin besetzen, da ja die Mauer gefallen sei. Wie vor den Kopf geschlagen schaltete ich das kleine Nordmende-Fernsehgerät auf dem Eckschränkchen ein und konnte nicht glauben, was ich da sah.“ Sie packte sofort ihre Siebensachen und rief ihrem verdutzten Vater nur noch zu: „Ich musst nach Berlin. Sofort! Jetzt!“
Ab Hannover bis Helmstedt war die Gegenfahrbahn voll mit Trabis und Wartburgs, die gen Westen fuhren. Gegen 14.30 Uhr erreichte sie Helmstedt. „So schnell wollte ich noch nie am Grenzübergang sein. Die Grenze war offen, die Pass-Förderbänder standen still. Lachende, freundliche Grenzer mit hochgekrempelten Ärmeln haben uns alle, die wir aus dem Westen kamen, einfach durchgewinkt.“
Völlig aus dem Häuschen verschenkte Anita Gödiker selbstgemachte Erdbeermarmelade aus dem heimischen Emsland an dankbare Grenzer. „Die konnten lächeln. Das machte sie plötzlich menschlich. So als ob ihre Mimik ein „Wir-konnten-doch-auch-nichts-dafür“ ausdrücken wollte. Dieser Moment treibt mir noch heute Tränen in die Augen.“
Die Stimmung war unbeschreiblich. „Davon wollte ich mehr aufsaugen.“ Also stellte sie ihr Auto ab – und keiner hatte was dagegen. Der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht verteilte auf der Gegenfahrbahn gerade heißen Tee, Kartoffelsalat und heiße Würstchen an die Heerschar von Trabi- und Wartburg-Einreisenden.
Die standen – mehr als dass sie fuhren – in Dreierreihen nebeneinander bis kurz vor Magdeburg. Menschen außer Rand und Band. Ein Bild des puren Freudentaumels. „Ein aufgeregter Trabi-Fahrer fragte mich dann über den Maschendrahtzaun hinweg nach dem Weg nach Hamburg. Einfach geradeaus! habe ich im Eifer des Gefechtes – wild mit dem Armen gestikulierend – erklärt.“
Dann kam ihr eine Idee: „Ich war damals für Siemens viel mit Mietautos unterwegs. Navis gab es damals noch nicht und so lagen seinerzeit immer diese praktischen Straßenkarten auf den Beifahrersitzen. Die habe ich fleißig gesammelt, die waren im Freundeskreis heißbegehrt.“ An die 25 Wegweiser lagen in Handschuhfach und Seitentaschen. Die schnappte sie sich, rief „Wer sucht den Weg nach Westen?“ und warf sie alle unter gigantischem Jubel über den Zaun.
„Nach zwei Stunden machte ich mich wieder auf den Weg nach Berlin. Wie gewohnt mit sturem Tempo 100 km/h. Als ich dann immer wieder von rasenden Wessis – den Begriff gab es damals aber noch nicht – mit satten 160 bis 200 km/h überholt wurde, gab auch ich Gas.“ Jetzt konnte die einstige Skeptikerin gar nicht schnell genug nach Berlin kommen. Noch am Abend stand sie voller Ehrfurcht und stiller Dankbarkeit am Brandenburger Tor. Ende November 1989 verlängerte sie auf eigenen Wunsch den Vertrag bei Siemens in Berlin. Aus zwei Jahren sind mittlerweile 27 Jahre geworden.
Zu Mauerzeiten besuchte Anita Gödiker oft einen Freund in seiner Penthouse-Wohnung in der Charlottenstraße / Ecke Kochstraße. Von hier hatte man einen sehr guten Blick auf „die andere Seite“. „Wir haben uns immer versucht vorzustellen, was wohl gerade im Ostteil der Stadt vor sich ging – was nicht viel war. Hätte mir zu dem Zeitpunkt jemand gesagt, dass ich genau an diesem Standort, auf der anderen Seite der Mauer, nämlich an der Charlottenstraße / Ecke Zimmerstraße 1997 mein erstes Business Center eröffnen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
Doch Wunder geschehen nun einmal. „Den Mauerfall habe ich zwar verpasst, aber diese Augenblicke an der offenen Grenze in Helmstedt auf dem Weg nach Berlin, das dann meine Heimat werden sollte, werde ich nie vergessen.“

738 Wörter, 4824 Zeichen

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 822371
 838

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Mauergeschichte: Wer sucht den Weg nach Westen?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von SATELLITE OFFICE GmbH

Gründerinnen Wettbewerb
Gründerinnen Wettbewerb
Gründerinnen aufgepasst: Satellite Office unterstützt gründende Frauen und schreibt den Wettbewerb "WSC - Women Startup Challenge 2017" aus Berlin, 14. August 2017: Satellite Office Business & Coworking Center legt in diesem Sommer seinen Gründerinnenpreis unter dem Namen „WSC - Women Startup Challenge 2017“ neu auf. Gesucht werden Frauen, die mit einer erfolgversprechenden Idee kürzlich ein Unternehmen gegründet haben oder gründen wollen. Als Bewerbungsgrundlage gilt ein Businessplan, der von einer mehrköpfigen Jury bewertet wird. Die Auss…
Bild: Satellite Office überreichte Spende an Innocence in Danger e.V.Bild: Satellite Office überreichte Spende an Innocence in Danger e.V.
Satellite Office überreichte Spende an Innocence in Danger e.V.
Die Initiative „Egg for Innocence“ von Satellite Office ging heute mit der Scheckübergabe in Höhe von 1.935 € zu Ende. Unter dem Motto Gesicht zeigen – gemeinsam gegen Kinderpornografie und den Erwerb kinderpornografischen Materials im Internet - hatte der Betreiber von Business Centern vor Ostern zu dieser einmaligen Aktion zugunsten von Innocence in Danger e.V. in Berlin aufgerufen. Anita Gödiker, Geschäftsführerin Satellite Office, überreichte heute im Satellite Office Center in Berlin am Kurfürstendamm 194 den Spendenerlös an Julia von We…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: PRG beim Festakt „25 Jahre Mauerfall“Bild: PRG beim Festakt „25 Jahre Mauerfall“
PRG beim Festakt „25 Jahre Mauerfall“
… Ministerpräsident Michail Gorbatschow und der ehemalige polnische Gewerkschaftsführer Lech Walesa waren an diesem Tag genauso in Berlin präsent wie Zeitzeugen aus fast drei Jahrzehnten Mauergeschichte in West- und Ost-Berlin. An mehreren Orten der deutschen Hauptstadt wurde an diesem Tag der Öffnung der innerdeutschen Grenze vor 25 Jahren mit zahlreichen …
Das Wetter vom 20. Januar 2006
Das Wetter vom 20. Januar 2006
… kalten Nordosten und Tief Irma über dem Schwarzen Meer, zwischen denen mit einer östlichen bis nordöstlichen Strömung sehr kalte Arktikluft mit strengem Dauerfrost weit nach Westen vorgedrungen und bis Polen mit mäßigem Dauerfrost zu spüren ist. Denen beiden gegenüber steht im warmen Westen Hoch Drago über Frankreich, dass Verbindung mit Claus aufnimmt, …
Bild: „Im Westen“ von Ursula Bach- Puylat – neu erschienen im August von Goethe LiteraturverlagBild: „Im Westen“ von Ursula Bach- Puylat – neu erschienen im August von Goethe Literaturverlag
„Im Westen“ von Ursula Bach- Puylat – neu erschienen im August von Goethe Literaturverlag
Mit ihrem informativen und spannungsreichen neuen Roman „Im Westen“ liefert die Autorin Ursula Bach-Puyplat einen authentischen Einblick in einen der tragischsten aber auch impulsivsten Zeitabschnitte der deutschen Geschichte. Gekonnt gelingt es ihr mit einer Kombination aus Dramatik und Einfühlungsvermögen, die fiktiven Erlebnisse der 18jährigen Uta …
Wetter am Montag: Kältester Tag in diesem Winter
Wetter am Montag: Kältester Tag in diesem Winter
… wird die eisige Frostluft von Tief " Bertrand", das von der Ukraine nordwärts Richtung Weisses Meer zieht, nach Nordosten mitgenommen, so dass sich die Temperaturen von Westen und Südwesten her wieder langsam "normalisieren". Doch zuvor schlägt heute Nacht der Frost in der Südhälfte bei klarem Himmel mit verbreitet zweistelligen Werten nochmals richtig …
Bild: Trekken auf Assisis SpurenBild: Trekken auf Assisis Spuren
Trekken auf Assisis Spuren
Neu 2009: von Florenz nach Rom, durch albanische Bergdörfer oder im Westen Lykiens HAGEN – Nov. 2008. 800 Jahre nach Franz von Assisi nehmen kleine Wikinger-Gruppen seine Spur auf. Ein 12-tägiges Trekking führt durch die Toskana, Umbrien und das Latium nach Rom. Neben dem traditionsreichen Pilgerweg präsentiert der Katalog „Trekking weltweit 2009“ elf …
Drohende Schneestürme in Südosteuropa
Drohende Schneestürme in Südosteuropa
Nachdem die sibirische Arktikluft schon eine Woche im Osten lauert, sich nun nach Westen geschlichen und gestern mit minus 8 Grad Höchsttemperatur in Polen auf sich aufmerksam gemacht hat, wird sie nun von der Warmfront des Tiefs Jeanette zurückgedrängt. So muss der äußerste Osten entlang der Oder schon den ganzen Tag leichten Sprühregen über sich ergehen …
Bild: „Im Westen“ von Ursula Bach-Puyplat – erschienen im August von Goethe LiteraturverlagBild: „Im Westen“ von Ursula Bach-Puyplat – erschienen im August von Goethe Literaturverlag
„Im Westen“ von Ursula Bach-Puyplat – erschienen im August von Goethe Literaturverlag
Mit Ihrem informativen und spannungsreichen neuen Roman „Im Westen“ liefert die Autorin Ursula Bach-Puyplat einen authentischen Einblick in einen der tragischsten aber auch impulsivsten Zeitabschnitte der deutschen Geschichte. Gekonnt gelingt es ihr mit einer Kombination aus Dramatik und Einfühlungsvermögen die fiktiven Erlebnisse der 18jährigen Uta …
»BREMER MAUER« ERINNERT AN DIE DEUTSCHE TRENNUNG - RED PEPPER STARTET PROJEKT ZUM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT
»BREMER MAUER« ERINNERT AN DIE DEUTSCHE TRENNUNG - RED PEPPER STARTET PROJEKT ZUM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT
… deutschen Trennung in Erinnerung rufen. Massivelemente zwischen den Leinwandstücken sollen die Stabilität der Bespannung sichern. Darauf berichten Tafeln von Meilensteinen der 28-jährigen Mauergeschichte. Bremer und Gäste kommen so direkt mit einem Stück deutscher Geschichte in Berührung – und mit zeitgenössischer Kunst. Ausgewählte Ideen sollen sich …
Bild: Benny Blu reist in den Wilden WestenBild: Benny Blu reist in den Wilden Westen
Benny Blu reist in den Wilden Westen
Der Wilde Westen steckte voller spannender Abenteuer. Benny Blu geht ihnen auf den Grund und erklärt seinen Lesern ab fünf Jahren in drei Lernbüchern alles, was sie rund um Goldrausch, Revolverhelden und Viehtriebe wissen müssen. Wilder Westen – Trecks, Goldrausch, Abenteuer Benny Blu begibt sich im Wilden Westen auf die Spuren der ersten Siedler. Er …
Bild: Übergabe von KinderwarnwestenBild: Übergabe von Kinderwarnwesten
Übergabe von Kinderwarnwesten
… (bald) Erstklässler drehen sich bei uns zu Hause selbstverständlich die Gespräche rund um die Schule und den Weg dahin. Als ich dann eine Gruppe Kinder mit solchen Westen gesehen habe, war die Idee zur Spende geboren“, freut sich Alexander Krüger sichtlich. „Denn nichts ist wichtiger als die Sicherheit unserer Kinder.“  Ab heute sind die 150 Erstklässler, …
Sie lesen gerade: Mauergeschichte: Wer sucht den Weg nach Westen?